"Sie haben den Menschen geholfen"

Dekan Dr. Michael Lechner beim Auszug. Foto: Kampfrath

Die St.-Lorenz-Kirche füllt sich schnell am Sonntagvormittag. Viele wollen der Verabschiedung von Dekan Dr. Michael Lechner beiwohnen. Einige Gottesdienstbesucher schauen etwas traurig aus, da der Weggang des Pfarrers sie mit Wehmut erfüllte. Lechner wird künftig als Spiritual am Priesterseminar St. Hieronymus in Augsburg arbeiten. Am 1. Mai übernimmt er zusätzlich die Leitung des Exerzitienhauses in Leitershofen.

Das Gotteshaus war so voll, dass einige Gläubige stehen mussten. 24 Ministranten halfen bei diesem Festgottesdienst mit. „Stärke unseren Glauben“, betete Lechner. In der Lesung aus dem ersten Buch Samuel ging es darum, wie Gott Samuel ruft. Die zweite Lesung beschäftigte sich mit einer Textstelle aus dem ersten Brief des Paulus an die Korinther. Darin schrieb der Apostel: „Der Leib ist nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn.“ Der Predigttext stand im Evangelium nach Johannes. Zwei Jünger Johannes’ des Täufers folgen Jesus nach. Dieser dreht sich zu ihnen um und fragt: „Was wollt ihr?“ Dekan Lechner begann seine Predigt ebenfalls mit einer Frage. „Wie wird man eigentlich Christ?“ sprach er. Es habe Zeiten gegeben, in denen geboren werden und getauft werden von der Bedeutung her nahezu identisch gewesen seien. „Doch diese Zeiten sind lange vorbei.“ Im Johannes-Evangelium sei die Rede von zwei Menschen, die auf Jesus aufmerksam werden und sich ihm vorsichtig nähern. „Christ werden rührt von der Frage her ‚Was wollt ihr‘.“ Von dieser Frage her komme die Einladung, mit Christus zu gehen. „Im Grunde glaube ich, dass ich in den letzten Jahren, in denen ich vor ihnen stand und sprach, diesem Leitfaden gefolgt bin.“ Gemeinsam mit der Gemeinde habe er immer versucht, die Frage zu erspüren und ihr nachzugehen. „Wir konnten erfahren, dass es im Leben eine Antwort gibt.” Als Pfarrer stehe man immer an einer Schnittstelle zwischen dem Leben und dem, was Kirche ist. „Als schmerzhaft empfand ich, dass die bindenden Kräfte des Religiösen im Menschen immer mehr nachlassen“, bekannte der 55-Jährige. Die Auflösungsprozesse der Kirche seien Folgen eines „inneren Bindungsverlustes des Religiösen“. Die zwei Jünger aus dem Evangelium trügen in der Ruhe ihrer Seele Gott in sich. „In all dem, was wir haben und tun, kommt es auf einen zentralen Punkt an. Es für Christus und um Christus willen zu tun.“ Die Frage sei, ob es der Gemeinde gelinge, die Gotteswachheit zu erhalten. Man dürfe die Kinder und Jugendlichen nicht um Gott betrügen. „Halten Sie Gott im Herzen wach“, sagte Dekan Lechner. „Wir beten für die Pfarrei St. Lorenz um den rechten Weg in die Zukunft“, hieß es in den Fürbitten. „An jedem heiligen Sonntag erinnern wir an den Tag, an dem Christus auferstanden ist von den Toten“, erklärte Lechner vor der Feier der Eucharistie. Nach der Kommunion kamen die Kinder aus dem Kindergottesdienst in die Basilika. Sie übergaben dem Stadtpfarrer gebastelte Blumen, die aus Pappe und einem Holzspieß bestanden. Dann sangen die Kleinen ein Segenslied für Lechner. „Wir dachten, da Ihnen die Kinder so wichtig sind, dass sie bei diesem Gottesdienst nicht fehlen dürfen“, meinte die Gemeindereferentin Birgit Schüßler. Viele Veränderungen Michael Lechners Wirken in der St.-Lorenz-Gemeinde sei eine Zeit voller Veränderungen gewesen, bekräftigte Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). „Ich danke Ihnen für Ihren Beitrag zum ökumenischen Miteinander in der Stadt.“ Netzer lobte den Pfarrer für die City-Seelsorge, die weit über die Grenzen der Pfarrei hinausreiche. „Für meine Frau und mich haben Sie es stets geschafft, durch ihre Predigten geistige Impulse mitzugeben.“ Ökumenische Debatte „Danke für die Schritte und das Gelungene in der Ökumene“, meinte der evangelische Dekan Jörg Dittmar. Er denke dabei an die ökumenische Einweihung des neugestalteten St.-Mang-Platzes. „Bei Wurst und Bier in Maßen haben wir viel ökumenisch diskutiert.“ Er bewundere Lechner für dessen Leidenschaft, Fragen zu stellen. „Ich wünsche dir, dass du in deiner neuen Stelle weißt, dass die Ökumene nicht immer einfach ist, aber sich lohnt“, so Dittmar. „Sie haben den Menschen in der Pfarrei geholfen“, sagte Nicole Hock, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats. Sie dankte Lechner für die gute Zusammenarbeit. „Ich hoffe, dass Ihnen bei der neuen Stelle alles so gelingt, wie Sie sich das vorgestellt haben.“ Neben dem Dekan Dr. Michael Lechner zelebrierten Kurat Eduard Salzmann, Prälat Dr. Albert Lupp, der Klinikseelsorger Andreas Beutmüller und Monsignore Johann Rau den Abschiedsgottesdienst. Der Chor der Basilika sang intonationssicher neben anderen Stücken die Psalmenkantate von Heino Schubert.

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