Sieben Gründe für Lob und Kritik

Im Jahr 2011 wurde unter anderem das markante Landwirtschaftsgebäude auf dem Klostergelände abgebrochen. Fotos: Tröger

Insgesamt sieben Punkte zum hiesigen Baugeschehen hat das Architekturforum Kempten in der Erstausgabe seines künftig in loser Folge erscheinenden Architekturbriefs „randnotiz“ konstruktiv und auch kritisch kommentiert. Lob auf ganzer Linie wird der Umnutzung und noch nicht vollends abgeschlossenen Neugestaltung des ehemaligen Kasernenareals im Hofgarten hinter der Residenz zuteil. Der Hofgarten erfahre, so das Architekturforum, „durch die bereits durchgeführten und in den nächsten Jahren vorgesehenen Maßnahmen eine große Aufwertung“.

Die große Akzeptanz, auch seitens der Jugendlichen für die dortigen Spiel- und Freizeitanlagen, sei eine Bestätigung für den Weg, Interessengruppen rechtzeitig in den Planungsprozess einzubinden. Weniger zufrieden blickt das Architekturforum dagegen auf „vertane Chancen bei zwei wichtigen Neubaugebieten“: Saarlandstraße und Kloster Lenzfried. „Mit Sorge“ betrachte man insbesondere, dass in der jüngeren Vergangenheit bei der Ausweisung von Neubaugebieten in Kempten vor allem die historischen und topographischen Besonderheiten der Grundstücke zugunsten der in den jeweiligen Bebauungsplänen festgeschriebenen üblichen Abfolge Haus – Garage, Haus – Garage nicht gewürdigt würden. Für das „auf einem markanten und von vielen Stellen einsehbaren Geländesporn“ liegende Baugebiet Saarlandstraße sei es, laut „randnotiz“, aufgrund der „außergewöhnlichen topographischen Gegebenheiten angebracht gewesen, über alternative Bebauungsformen nachzudenken“. Noch stärker stößt dem Architekturforum das Vorgehen beim Neubaugebiet auf dem Klostergelände in Lenzfried auf. Dort werde insbesondere „auf die Geschichte dieses kontemplativen Ortes mit seinem historischen Ensemble einschließlich Gesamtgartenanlage und Umfassungsmauer, das über Jahrhunderte gewachsen ist“ (der KREISBOTE berichtete mehrfach), nicht eingegangen. Der „schützenswerte Ort“ würde vielmehr „durch die profane Einfamilienhaus-Bebauung mit der zu erwartenden Heterogenität sehr stark in Mitleidenschaft gezogen werden“. Für künftig ausgewiesene Baugebiete wünscht sich das Architekturforum deshalb „authentische Orte zu schaffen statt austauschbaren Siedlungsbrei, der aufstößt“. Als „begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung“ wird hingegen der zu Beginn dieses Jahres von der Stadt ausgelobte städtebauliche Wettbewerb für das Neubaugebiet „Auf der Halde“ angeführt. In der Auseinandersetzung mit dem „Künstlerhaus“ treten für das Architekturforum neben städtebaulichen und architektonisch-qualitativen vor allem „kulturell-gesellschaftliche Fragestellungen“ des „urbanen“ Ortes in den Vordergrund. Für viele Kemptener drücke das Treiben rund um das Künstlerhaus – eine Atmosphäre von „geistiger Beweglichkeit und Neugier“, die dort entstehe, „wo Dinge offen gelassen werden“ – ihre Vorstellungen von städtischem Leben aus. Für den Erhalt Statt eines renditeträchtigen Neubaus unterstützt das Architekturforum die Bestrebungen der Menschen, die sich formiert haben, damit das Künstlerhaus weiter bestehen bleibt. Dafür sollten aber „nur die dringendsten Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden und eine tragfähige Struktur für die Bespielung der Räumlichkeiten geschaffen wird“. Zum neu entstehenden „Stück Stadt-Landschaft“ durch den Bau der Nordspange stellt sich das Architekturforum die Frage, „welche Wirkung der nördliche Brückenschlag über die Iller für die räumliche und kulturelle Qualität im gelebten Alltag unserer Stadt“ haben könnte. Anknüpfungspunkte für einen „Mehrwert“ der „größten baulichen Veränderung in Kempten in den letzten Jahrzehnten“ sehen die Forumsmitglieder unter anderem in den neu entstehenden Illerauen, im Projekt „Iller erleben“ oder dem beliebten Illerwanderweg. Die ganzen „randnotizen“ gibt es auch unter unter www.architekturforum.info.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Feiern verbindet
Feiern verbindet
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare