Von Siegern und Verlierern

Ist das Leben ein Spiel? Eine Frage der das Tanztheater „Match Point“ mal sportlich mal spielerisch auf den Grund ging. Im Bild Corneliu Ganea und Patricia Rotondaro. Foto: Tröger

In der Welt des Sports hat der Tänzer und Choreograph Jochen Heckmann sein Tanztheater „Match Point“ mit Witz und Hintersinn aufs Spielfeld gebracht. Vergangene Woche feierte es im TheaterOben eine gelungene Uraufführung.

Zum Auftakt der neuen Saison des TheatersInKempten (TIK), der erstmals im Rahmen des Tanzherbstes stattfand, hat Heckmann in seiner vierten Choreographie für das TIK ein ausgefeiltes Spiel des Lebens inszeniert und choreographiert, das im Sport sein komprimiertes Ebenbild fand: Wettstreit mal mit Teamgeist, mal als Einzelkämpfer, Ehrgeiz, Rivalität und Eitelkeiten, auf dem Treppchen im Rampenlicht stehen oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, Gemeinsamkeit und Einsamkeit, Siegesrausch und Niederlage – und auch die Freude am Sich-Messen und einfach die Lust am Spiel beherrschten die Szenen. Wie bei einem Tennismatch konnten die Zuschauer auf Tribünen längs des rechteckigen Spiel- beziehungsweise Bühnenfeldes, ganz nah dran, mitfiebern. Abgesehen vom ersten „Match“, bei dem sich das ausdrucksstarke Tanzteam – Caroline Finn, Patricia Rotondaro, Ivonne Kalter, Corneliu Ganea und Jochen Heckmann – still und leise in den vom Sportsgeist beseelten Ring des Lebens schlich, waren es schnelle, zeitweise schon athletische Sequenzen, die das Publikum im ausverkauften TheaterOben zweimal 45 Minuten lang in Atem hielt. Bilder, die, wie der Fehlstart beim Schwimmwettbewerb, der harten Wirklichkeit des Leistungssports entlehnt sind, wechselten mit spielerischen Szenen, die ihre Inspirationsquelle in Kitas oder ähnlichem vermuten ließ. Aber die Welt der Erwachsenen machte auch aus der zunächst harmlos beginnenden, leicht modifizierten „Reise nach Jerusalem“ bald einen ehrgeizigen Kampf um den Sieg. Vielfältige Aufnahmen So vielfältig die Momentaufnahmen der Spielarten des Lebens über das Spielfeld – oder auch mal durch das fiktive Schwimmbecken – rauschten, so rasch und wechselhaft formierten sich die Konstellationen im Kräftemessen: Frau mit oder gegen Frau oder selbiges unter Männern, natürlich auch im gemischten Einzel- oder Doppel und schlussendlich alle gegen einen oder umgekehrt. Blieb bei der ersten Spielhälfte noch die eine oder andere Verständnisfrage offen – was der Sache keinen Abbruch tat –, wurde es in der zweiten konkreter und leichter nachvollziehbar. Dass weniger manchmal mehr ist, bewies Angela Loewen mit einem feinen Händchen für Bühnenbild und Kostüme. Ersteres bestand aus stapelweise grau gestrichener Bierkisten, die als Einfassung des Spielfeldes, als Turm, als Mauer, als Siegerpodest, Schlittschuhe, Startblöcke und was nicht noch alles fungierten. „Erfolg tut gut“, steht im Umschlag des Programmhefts zu „Match Point“. Mit dem Tanztheater hat das TIK schon mal einen erfolgreichen Saisonstart hingelegt.

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