Workshop-Teilnehmer inspizieren und diskutieren das Areal

Wie sieht die Zukunft der Allgäuhalle aus?

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Die Allgäuhalle in einer alten Aufnahme von innen.

Kempten – Am Anfang stand eine Befragung. Knapp 170 Fragebögen hatte die Regensburger Agentur Eloprop im Auftrag der Stadt Kempten u.a. an Schulen, Aktive im Kulturbereich und in der kreativen Szene verschickt; rund 30 waren ausgefüllt zurückgekommen.

Thema: Die Allgäuhalle. Oder besser gesagt ihre Zukunft, nachdem die Herdebuchgesellschaft planmäßig in der zweiten Hälfte 2022 nach Unterthingau zieht.

Wie berichtet gibt es bereits ein ziemlich weit gediehenes Konzept des Kemptener Projektentwicklers Thomas Wirth (siehe „Eine Halle für Alle“ im Kreisboten vom 8. Juli 2020). Seine Vision für das gesamte Areal ist ein alternatives, nicht-kommerzielles Kulturquartier und Szene-Treffpunkt, in dem vor allem die zahlreichen Vereine eine Plattform finden und sich engagieren sollen. Für die Nachnutzung des Areals in zentraler Lage will die Stadt allerdings auf Nummer sicher gehen und erst einmal die Bedarfe möglicher Nutzer eruieren. Zum „coronakonformen Workshop“ wie Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, betonte, waren deshalb rund 50 TeilnehmerInnen zum Vor-Ort-Termin erschienen, wo ihnen zunächst die Befragungsergebnisse vorgestellt wurden. 

„Es ist schon ein bunter Reigen an Interessen“, meinte Schießl gegenüber dem Kreisboten. Dabei kristallisiere sich aber doch der Bedarf für ein „niederschwelliges Angebot“ für Vereine heraus. Es laufe also „nicht quer“ zum Konzept Wirth. Als Problem sieht er dabei aber, dass es schon beim fünften Schritt angekommen sei „und wir sind bei Schritt Eins“. Das bestätigte auch Workshop-Teilnehmer Andreas Schütz. Der Musiker und Booker steht schon länger in engem Kontakt mit Thomas Wirth, dessen Konzept er gut findet. „Es sind halt unterschiedliche Punkte, an denen man steht“, Wirth habe bislang das einzige Konzept vorgelegt, „die Stadt beginnt erst die Planung“. Der Workshop diene deshalb dazu, erst einmal Ideen für eine mögliche Nachnutzung zu generieren. Thomas Kästle von Eloprop habe, so Schütz, ähnliche Projekte aus Städten wie London und Kopenhagen vorgestellt, u.a. mit „Raum im Raum“-Lösungen, die für eine Nachnutzung der Allgäuhalle mit geringem Aufwand verbunden wären. 

Ob das auch für Kempten funktioniere, könne er allerdings schlecht einschätzen. Seiner Wahrnehmung nach sei bei den Wortmeldungen eher Interesse am Wirth-Konzept deutlich geworden. Was ihn ein wenig irritiert habe, ist, dass die Veranstaltungen in der Allgäuhalle auf nur 200 Personen reduziert sein sollen, so dass das Gebäude „nicht Versammlungsstätten gerecht“ saniert werden müsse. Die Stadt habe Bedenken, dass es bei aufwändigen Maßnahmen für die Nutzer sonst wieder so teuer in der Miete werden könnte, wie das Kornhaus oder das Theater. „Das ist aber alles Spekulation“ und müsse erst genauer kalkuliert werden, meint Schütz. „200 Personen in der Halle ist so eine Schallmauer“ im Veranstaltungsbereich, argumentiert Schießl mit den darüber fälligen Brandschutzauflagen, Fluchtwegen etc. 

Auch er will es aber erst noch genauer anschauen. Insgesamt bezeichnete er die Stimmung beim Workshop als „sehr konstruktiv“, mit erkennbarem Interesse der TeilnehmerInnen etwas gemeinsam zu machen. Klar sei auch geworden, dass es nicht nur um Kultur gehen soll, „sondern um eine gemischte Nutzung“. Es gelte, „eine Lücke zu füllen“ und keine Konkurrenz zu anderen Angeboten wie z.B. der Big Box, dem Parktheater, dem Künstler, Kornhaus oder Stadttheater zu etablieren. Die Ergebnisse sollen am 8. Oktober in der Sitzung des Werkausschusses vorgestellt werden (16 Uhr, Großer Rathaussaal). 

Christine Tröger

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