"Sind in intensiven Diskussionen"

Das Klinikum Kempten-Oberallgäu und sein Geschäftsführer Michael Schuler werden künftig getrennte Wege gehen. Wie der Aufsichtsratsvorsitzende OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) vergangene Woche mitteilte, habe der derzeit erkrankte Schuler zum 31. Dezember um seine Abberufung gebeten. Mit möglichen Nachfolgern würden bereits Gespräche geführt, so Netzer gegenüber dem KREISBOTE. Davon unabhängig werden das Klinikum Kempten und das Klinikum Oberallgäu künftig enger zusammen arbeiten. „Wir sind in intensiven Diskussionen“, ließ Netzer durchblicken.

Der seit dem 1. Juli 2006 in Kempten tätige Schuler habe „aus persönlichen Gründen“ um die Auflösung seines Vertrags gebeten, teilte der Aufsichtsrat des Klinikums vergangene Woche mit. Damit haben die Spekulationen um Schulers Zukunft ein Ende. Der Geschäftsführer hatte sich im September krank gemeldet. Kurz zuvor war der Selbstmord eines Anästhesisten am Klinikum bekannt und zum Teil heftige Kritik an Schuler geübt worden (der KREISBOTE berichtete). Schuler wird seinen Dienst auch nicht mehr aufnehmen. Bis ein Nachfolger für den scheidenden Geschäftsführer gefunden ist, werden das Direktorium des Krankenhauses mit den ärztlichen Direktoren, Dr. Herbert Müller und Prof. Dr. Ricardo Felberbaum, sowie der Pflegedirektorin Susanne Kern und der Prokuristin Petra Zarbock die Geschäftsführung interimsweise übernehmen. Der Abgang Schulers wird jedoch auch erhebliche Auswirkungen auf die Kliniklandschaft im Oberallgäu haben: Die nach Netzers Angaben Gewinn erwirtschaftenden Kliniken Oberallgäu – insbesondere das Schwerpunktkrankenhaus in Immenstadt – und das chronisch defizitäre in Kempten werden künftig eng zusammen arbeiten, sollen aber wohl eigenständig bleiben. „Wir diskutieren gerade Strukturen, die gewährleisten, dass beide Kliniken miteinander und nicht gegeneinander arbeiten“, erklärte Netzer auf Nachfrage. Damit soll künftig eine „optimale Qualität der medizinischen Versorgung und eine optimale Marktabdeckung“ erreicht werden. Entsprechende Grundsatzbeschlüsse sollen dem Kemptener Stadtrat am 10. Dezember und dem Kreistag am 11. Dezember vorgelegt werden. „Es gibt klare Optionen“, so Netzer. Vielerlei Probleme Die Probleme des Kemptener Klinikums sind allerdings vielschichtig. Zum einen ist die Einrichtung chronisch defizitär. Für 2008 weist die Bilanz ein Minus von 1,8 Millionen Euro aus. Auch heuer werde man sich in diesem Bereich bewegen, teilte Netzer mit. Gründe seien das derzeitige Abrechnungssystem, das große Krankenhäuser grundsätzlich gegenüber kleineren wie in Immenstadt benachteilige, sowie die so genannte Zweihäusigkeit mit zwei Krankenhäusern. „Wir haben eine sehr ungünstige Gesamtsituation“, so Netzer. „Wenn wir die Zweihäusigkeit wegbekommen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende weiter, „gibt das eine Ersparnis von etwa 1,5 Millionen Euro.“ Zum anderen hat die Einrichtung in der Robert-Weixler-Straße ein Image-Problem. „Da haben wir Defizite, daran müssen wir arbeiten“, gestand Netzer ein. Derzeit verliere man noch zu viele Patienten an Krankenhäuser in benachbarten Landkreisen. Künftig wolle man erreichen, „dass die Leute nach Kempten oder Immenstadt gehen und bleiben.“ Und wie soll die künftige engere Verzahnung beider Kliniken in der Praxis aussehen? Dazu wollte sich Netzer nicht weiter äußern und verwies auf die hinter den Kuliussen laufenden Diskussionen. Fest steht aber wohl, dass der so genannte Grundversorgungsbereich in Kempten und Immenstadt erhalten bleibt. Dass es einzelne Fachabteilungen künftig nur noch in einem Krankenhaus geben wird, wollte Netzer allerdings nicht ausschließen. Arbeitsplätze stünden aber jedenfalls nicht zur Disposition, betonte Netzer. Die Belegschaft des Klinikums sei bereits von ihm und Landrat Gebhard Kaiser (CSU), stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, über Schulers Weggang und den neuen Kurs informiert worden. „Das ist positiv aufgenommen worden“, berichtete Netzer. Die 1361 Angestellten seien froh, dass nun Klarheit herrsche.

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