Strahlende Gesichter bei Mitmach-Konzert

„Sing mit“: Über 540 Erwachsene und Kinder singen im voll besetzten Kemptener Stadttheater

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Vorhang auf! Der große Kinderchor beim Mitmach-Konzert „Sing mit“ im Stadttheater in Kempten. Schülerinnen und Schüler der Nordschule Kempten, der Grundschule Heiligkreuz und der Otl-Aicher-Realschule aus Leutkirch waren die Mitwirkenden unter der Leitung von Sängerin Gertrud Hiemer-Haslach und dem Kirchenmusiker Franz Günthner am Klavier.

Kempten – „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Auf so einer großen Bühne und vor so vielen Leuten stand ich noch nie. Das ist das erste Mal. Meine Schwester, meine Mama, und mein Papa kommen und vielleicht auch noch meine Oma“, verrät Amelie Henze von der Nordschule aus Kempten.

Die Neunjährige ist eine der über 60 Kinder, die beim Mitmach-Konzert „Sing mit“ am Samstag vor Weihnachten auf der Bühne im Stadttheater standen.Für ihren ersten Auftritt hat sie ihr neues burgunderfarbenes Kleid angezogen, das sie zu ihrem Geburtstag im September geschenkt bekommen hat.

Bereits zum dritten Mal gibt es die vorweihnachtliche Veranstaltung des Miteinander Singens in diesem Jahr. Die Idee kam seinerzeit von Oberbürgermeister Thomas Kiechle. „Ich habe das mal durch Zufall in einer anderen Stadt gesehen und mir sofort gedacht: Das braucht Kempten auch. Das ist was Tolles und Besonderes“, so das Stadtoberhaupt bei seiner kurzen Begrüßung.

Das Prinzip von „Sing mit“ ist einfach: Eine Stunde lang können Groß und Klein dem Vorweihnachtsstress entfliehen und gemeinsam mit Sängerin Gertrud Hiemer-Haslach und dem Pianisten und Kirchenmusiker Franz Günthner Weihnachtslieder singen. Eintritt frei. „Wir verlangen bewusst keinen Eintritt. Das ist ein Geschenk in der Adventszeit, das wir uns gegenseitig machen“, sagt Kiechle. Die letzten beiden Male stand ein Chor mit auf der Bühne und „in diesem Jahr haben wir uns gedacht, es wäre doch toll, wenn auch mal Kinder bei so einem außergewöhnlichen Konzert mitwirken könnten“, erzählt Hiemer-Haslach. Die freiberufliche Sängerin und Lehrerin an der Otl-Aicher-Realschule in Leutkirch ist mit ihren Sechstklässlern und einigen Schülerinnen und Schülerinnen aus der Musical AG mit dabei. 

Die anderen beiden Chöre kommen von der Nordschule Kempten und der Grundschule Heiligkreuz. „Ich habe meine Kolleginnen angefragt, ob sie Lust hätten, sich jeweils mit ihrem Chor zu beteiligen, und sie waren mit Feuereifer dabei. Marie Aries von der Nordschule hat mit ihren 15 Kids geprobt und Ingrid Blenk von der Grundschule Heiligkreuz hat sogar über 30 singfreudige Kinder animieren können, sich auf das Mitmach-Konzert vorzubereiten“, freut sich Hiemer-Haslach.

Beim ersten Mitmach-Konzert vor drei Jahren waren knapp über 100 Menschen zum Singen ins Stadttheater gekommen. Im vergangenen Jahr war das Stadttheater bereits proppenvoll und auch dieses Mal gab es keinen freien Platz mehr. Einige standen sogar an der Seite, um sich das Konzert der besonderen Art nicht entgehen zu lassen. Als Ideengeber und Veranstalter hat auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle gemeinsam mit seiner Frau Ulrike motiviert und eifrig mitgesungen. Insgesamt vier Medleys mit den beliebtesten und bekanntesten Weihnachtsliedern wurden gemeinsam zum Besten gegeben. Von „Oh du fröhliche“ über „Ihr Kinderlein kommet“ bis hin zu „Kommet, ihr Hirten“. 

Damit sich das singfreudige Publikum „ein wenig erholen konnte“, gab es zwischendurch immer wieder einen Gesangsauftritt des riesigen Kinderchores der drei mitwirkenden Schulen. Die fünfzehnjährige Claudia Müller von der Realschule in Leutkirch durfte bei zwei Liedern ein Solo singen: „Ich singe schon seit der 2. Klasse. Damals habe ich im Kirchenchor in Leutkirch angefangen und bin jetzt bei uns an der Schule in der Musical AG“, so die Neuntklässlerin. Was ist denn das Tolle am Singen? „Singen macht mir einfach Spaß. Vor allem, dass man da seine ganzen Gefühle reinlegen kann und immer auch irgendwie eine Geschichte erzählt. Das fasziniert mich. Wenn wir hier jetzt alle gemeinsam im Stadttheater singen, dann ist das ein wunderbares Gefühl von Gemeinschaft. Und Weihnachten ist schließlich auch ein Fest der Liebe und Gemeinschaft“, fügt die Schülerin hinzu.

Über eine Stunde singen Groß und Klein voller Begeisterung, mal laut und mal eher leise, im großen Theatersaal mit. Jeder hat zu Beginn ein Textheft bekommen und weiß genau, wie die verschiedenen Strophen der Weihnachtslieder im Original heißen. „Es geht mir und allen Verantwortlichen in erster Linie darum, die Freude an der Musik zu wecken. Es muss nicht jeder den richtigen Ton treffen, sondern es geht um das gute Gefühl, das Singen auslöst“, erklärt Gertrud Hiemer-Haslach. „Singen hat oft viel mit Perfektionismus und Leistungsanspruch zu tun, das finde ich schade. Ich komme aus einer Großfamilie und wir haben zu Hause viel gesungen. Dieses gesellige Singen, einfach so, an einem Geburtstag oder miteinander zur Unterhaltung. Das ist leider fast ganz ausgestorben“, bedauert die Musiklehrerin und ausgebildete Sopranistin aus Altusried.

Umso glücklicher und strahlender ist sie über das aus allen Nähten platzende Stadttheater. „Ich glaube auch für uns Erwachsene ist es schön, Kinderstimmen zu hören. Deshalb war es mir so wichtig, dass wir das Mitmach-Konzert dieses Mal zusammen mit Schulchören gestalten. Die Kleinen setzen vieles aus dem Bauch heraus um, ganz intuitiv. Sie sind noch so unbedarft und total aufgeschlossen für alle Musikrichtungen. Später, in der Pubertät, stecken sie dann eher in einer Schublade und wollen nur noch bestimmte Genres singen.“

Am Ende des Mitmach-Konzertes und nach der lautstarken, gemeinsamen Zugabe „Fröhliche Weihnacht überall“ gibt es ordentlich und langanhaltenden Applaus für alle Mitwirkenden. Singen tut der Seele gut, sagt der Volksmund. Das dritte „Sing mit“ am vergangenen Samstag hat das wieder eindeutig bewiesen.

Kathrin Dorsch

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