Freude und Tücken des digitalen Zeitalters

Sitzung per Videostream

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Der Marktgemeinderat Dietmannsried übertrug seine konstituierende Sitzung als Live-Videostream ins Netz. Zu Spitzenzeiten waren 70 Personen online.

Dietmannsried – Aufgrund der geltenden Abstandsregelungen während der Corona-Pandemie hatte der Dietmannsrieder Marktgemeinderat seine konstituierende Sitzung am vergangenen Donnerstag in die geräumige Festhalle verlegt. Zwar war die Öffentlichkeit zugelassen, doch wurde eindringlich auf die gebotenen Vorsichtsmaßnahmen hingewiesen und für die digitale Variante geworben: die Sitzung wurde erstmals als Live-Videostream im Netz übertragen. Auch unser Mitarbeiterin Sabine Stodal beschloss, diese Möglichkeit versuchsweise zu nutzen. Ihr vorgezogenes Resümee: Analog ist stressfreier.

An Home-Office sind viele von uns ja mittlerweile gewöhnt. Dass man als Journalist nun aber nicht gestriegelt und gebügelt am Pressetisch im Sitzungssaal präsent sein muss, sondern die Veranstaltung gemütlich in Jogginghose und mit einer Tüte Chips zuhause am Computerbildschirm mitverfolgen (und bei den langweiligeren Passagen auch mal ungeniert was anderes machen) kann, ist ein ganz neuer Luxus. Getrübt wurde derselbe höchstens vom etwas unscharfen Bild und dem mitunter roboterhaft abgehackten Ton. Die meiste Zeit über war der wiedergewählte Bürgermeister Werner Endres aber klar und deutlich zu verstehen. In seinen einführenden Worten versprach er, sich in der neuen Legislaturperiode wieder mit ganzer Kraft zum Wohl der Gemeinde einzusetzen. An Aufgaben und Wünschen für die Zukunft mangele es nicht. Auf der Agenda stehe beispielsweise die weitere Umsetzung des Wohnraumkonzepts zum Geschosswohnungsbau, das Schaffen von Perspektiven für Wirtschaft und den Dienstleistungssektor „in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, eine „umsichtige“ Flächenbeanspruchung, die Pflege der Umwelt, Unterstützung und Wertschätzung für Ehrenamt, Organisationen und Vereine sowie das Beschreiten neuer Wege in den Bereichen Regionalität und Mobilität. Für Letzteres werde eigens ein zusätzlicher Beauftragter eingeführt, so die Ankündigung. Für eine endgültige Aussage, wie es finanziell nach Corona weitergehen solle, sei es noch zu früh, fuhr Endres fort. „Ich bin vorsichtig optimistisch.“ Dietmannsried sei sehr breit aufgestellt und darum insgesamt von der Krise „nicht ganz so stark getroffen“.

Ausscheider und neue Gemeinderatsmitglieder

Bei der folgenden Verabschiedung der sieben ausscheidenden Marktgemeinderatsmitglieder rechnete der Rathauschef vor, diese kämen „gemeinsam auf 132 Jahre kommunalpolitisches Wirken in der Gemeinde“. Ausgeschieden sind: Petra Wiedemann, Matthias Endres und Peter Kusel (alle seit 2014 im Gremium), Reinhold Scharpf (seit 2008), Dr. Thomas Dill und Wolfgang Kreuzer (jeweils 30 Jahre Gemeinderatstätigkeit) sowie Manfred Müller (er blickt auf 42 Amtsjahre zurück). Auf sie folgen Katharina Besserer, Alfred Karasek, Franziska Leising, Michael Waldmann, Renate Mader, Christoph Breher und Martin Besserer. Nichts geht mehr Und dann, ausgerechnet kurz vor der Wahl des 2. und 3. Bürgermeisters, zeigte die Technik plötzlich ihr hässliches Gesicht: Von jetzt auf gleich war am heimischen PC von der Festhalle nichts mehr zu hören und zu sehen. Da nützte kein hektisches Herumgeklicke, kein Neustart und kein Fluchen: weg war sie und wegblieb sie, die Liveschalte. Für die pflichtbewusste Schreiberin hieß das: zack-zack raus aus dem Schlabberlook und in präsentablere Kleidung gehüpft, die Chipskrümel vom Revers geschnippt und rein ins Auto, um 15 Minuten später etwas atemlos persönlich in die Festhalle zu stürmen – dank des langatmigen Wahlprozederes gerade rechtzeitig, um mitzuerleben, wie Otto Schmid (CSU) in seinem Amt als 2. Bürgermeister bestätigt wurde (indes ein Gemeindemitarbeiter tapfer gegen den Serverausfall kämpfte). Neue 3. Bürgermeisterin und damit Nachfolgerin von Peter Mösle (FW) wurde Evelyn Breher von der Schrattenbacher Bürgerliste. Besetzt wurden auch die Ausschüsse sowie die Posten der Beauftragten. Neuer Jugendbeauftragter ist Christoph Breher, Behindertenbeauftragte: Ingrid Schneider, Familien: Sonja Köhler-Kramer, Senioren: Alfred Karasek, Umwelt und Energie: Michael Waldmann, Mobilität und ÖPNV: Michael Kaps, Hilfsorganisationen und Ehrenamt: Udo Eugler, Gemeindewald und Landwirtschaft: Stephan Fackler und Hans-Peter Fleschutz. Übrigens: Der Serverausfall dauerte rund 20 Minuten. Auf den trügerischen Jogginghosen-Luxus falle ich nicht mehr rein. Zur nächsten Sitzung gehe ich wieder selber hin.

Sabine Stodal

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