Turbulentes Jahr

Raumnot, Parkplatznot, Zeitnot

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Das Berufliche Schulzentrum Kempten platzt aus allen Nähten. Doch wann der geplante Anbau realisiert werden kann, steht noch nicht fest.

Kempten – Bei der Sitzung des Zweckverbands Berufliches Schulzentrum Kempten stellte der Verbandsvorsitzende, Landrat Anton Klotz, dessen neuen Geschäftsführer Eberhard Mangold vor. In der mehrstündigen Sitzung ging es außerdem um Schülerzahlen, Haushaltszahlen, Parkplatznot und die Planung für den dringend benötigten Anbau.

In Sachen Geschäftsführung war das vergangene Jahr für den Zweckverband ein turbulentes. Geschäftsführer Sven Linse schied nach drei Jahren Tätigkeit am 31. Mai 2017 aus, um das Amt als Kämmerer der Gemeinde Rettenberg anzutreten. Auf ihn folgte Dipl.-Ing. (FH) Hartmut Müller, ehemals Technischer Leiter und Baubeauftragter der Hochschule. Er schied bereits zum 30. September im Einvernehmen mit dem Zweckverband wieder aus seinem Amt („Er hat gemerkt, das war nicht seins“, so Klotz). Seit 1. Oktober bekleidet nun Eberhard Mangold den Posten. Ein, wie Landrat Anton Klotz sagte, „Glücksgriff und mit allen Wassern gewaschener Verwaltungsbeamter der Stadt Kempten“. Mangold war zuvor beim Amt für Zentrale Dienste im Bereich Gebäudemanagement und Hausverwaltung (Mietvertragsvollzug, Bauherrenfunktion, Hausmeisterdienst, Pfortendienst, Reinigungsangelegenheiten) für Schulen, Kindergärten und Sportanlagen zuständig. Er selbst sagt, er sei „bekannt als Sparfuchs. Geizig, bis zur Schmerzgrenze.“ Mangold habe sich in den vergangenen Wochen mit größtem Engagement und hervorragend in die schwierige Materie eingearbeitet, so Klotz. Er und Kemptens OB Thomas Kiechle sicherten ihm angesichts der vielfältigen Fragestellungen die „volle Unterstützung der Stadt“ zu. Bei Bedarf könne er auf das geballte Know-How der einzelnen Dienststellen in der Stadtverwaltung zurückgreifen.

Schülerzahlen

Aktuell wird das Schulzentrum von 6369 Schülern in 278 Klassen besucht (2016: 6422). Den leichten Rückgang erklärte Mangold mit der rückläufigen Zahl an Klassen für Berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge bzw. Berufsintegrationsklassen (BAF/BIK). Auch an der Berufsoberschule (BOS) seien die Schülerzahlen rückläufig. Ein Trend, der bayernweit festzustellen sei, wie die Schulleiterin der FOS BOS Kempten, Helga Traut, betonte. Dies sei der guten Arbeitsmarktlage geschuldet. „Die jungen Leute kommen aus verschiedenen Gründen nicht weg aus ihren Betrieben, etwa, weil sie gute Übernahmeangebote erhalten und zu guten Bedingungen angestellt sind.“ Bei der FOS nähmen die Zahlen hingegen zu.

Jahresrechnung 2016

Bei der Vorstellung der Jahresrechnung 2016 stützte Mangold sich aufgrund seiner erst kurzen Amtszeit zum Teil auf die Vorarbeiten seiner beiden Vorgänger. Er versprach: „Im nächsten Jahr, wenn alles aus meiner Feder kommt, kann ich Ihnen jeden Posten auf den Cent genau belegen.“ Die Jahresrechnung 2016 im Verwaltungshaushalt ergibt in Einnahmen und Ausgaben je 4.889.671,09 Euro. Im Vermögenshaushalt liegen die Einnahmen und Ausgaben bei je 3.812.582,57. Für die Schulen wurde eine Budgetrücklage von 845.007,60 Euro (inkl. einer Rücklage für Beschaffung lernmittelfreier Bücher von 235.983,65 Euro) gebildet. „Die Rücklagen werden bedarfsweise abgerufen“, so Mangold. Auf die Rückfrage aus dem Gremium, was man unter „Heimkosten“ in Höhe von 200.000 Euro zu verstehen habe, erklärte er, diese fielen an, wenn minderjährige Berufsschüler aus größerer Entfernung nach Kempten kämen. Ihnen müsse man eine Internatsunterbringung mit pädagogischer Betreuung stellen. Dies sei etwa bei den Milchtechnologen der Fall, welche aus ganz Bayern nach Kempten kämen. Da der Zweckverband kein eigenes Internat hat, bestehen aktuell Kooperationen mit der muva und der Handwerkskammer, in deren Internatsgebäude bzw. Wohnheim einige Schüler der Berufsschule untergebracht werden könnten. Volljährige Berufsschüler würden bisweilen in Pensionen untergebracht. Die Berufsschule Immenstadt habe ein eigenes Internat, dies sei zumeist komplett ausgelastet, so Anton Klotz. Die Finanzierung erfolge über Internatsunterbringungsbeiträge der Herkunftslandkreise. „Wir bekommen 25 bis 28 Euro pro Schüler pro Tag. Den Differenzbetrag zahlt der Zweckverband.“

Haushaltssatzung für 2018

Die Haushaltssatzung für 2018 sieht einen Verwaltungshaushalt in Höhe von 5.243.900 Euro (2017: 4.860.500) und einen Vermögenshaushalt in Höhe von 1.372.100 Euro (2017: 969.000) vor. Für das kommende Jahr sind umfangreiche Maßnahmen zum Gebäudeerhalt und der Gebäudesicherung nötig. „Die Schule hat sich die letzten 30 Jahre umsonst unterhalten. Da wurde kaum etwas investiert. Jetzt haben wir vieles, das dringend gemacht werden muss.“

Raumplanungsprogramm

An der Schule herrscht seit geraumer Zeit akute Raumnot. Ein Anbau neben der FOS ist in Planung (der Kreisbote berichtete). Ob dadurch die angestrebte Einhäusigkeit der FOS BOS geschaffen werden könne, sei allerdings nicht sicher, so Klotz. Die Raumnot wird durch zwei Faktoren verschärft: Angesichts der anstehenden umfangreichen Sanierungsmaßnahmen müssen Ausweichräume für jeweils bis zu 14 Klassen eingeplant werden. Zudem solle die Schule im Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit Platz für neue Berufsbilder (z.B. Kaufleute für E-Commerce, Kaufmännische Technologen) vorhalten. Vor dem Hintergrund all dessen müsse man eventuell grundsätzlich eine größere Baufläche planen, „auch wenn es dafür keine zusätzliche staatliche Förderung gibt“, so die Anregung aus dem Gremium.

Zeitnot

Bei den Maßnahmen gegen die Raumnot herrscht nun auch Zeitnot. Um die angestrebte staatliche Förderung zu bekommen, muss der Förderantrag samt baugenehmigungsfähiger Bauplanung bis spätestens 30. September 2018 vorliegen. Das sei ein „sehr sportliches Ziel“, so Klotz, „aber das müssen wir erreichen!“ Durch eine sechs Monate lang vakante Stelle bei der Schulaufsichtsbehörde und durch den mehrmaligen Wechsel der eigenen Geschäftsführung habe man bereits ein halbes Jahr verloren. „Mein Ziel ist es, das bis 30.9. hinzubekommen, sonst verlieren wir noch ein Jahr.“ Wer die Planung durchführen solle („Das können wir selbst gar nicht leisten“, so Mangold) steht noch nicht fest. Sämtliche Details sollen in einer Sitzung des Zweckverbands im Frühsommer diskutiert und beschlossen werden.

Parkplatzsituation

Die Parkplatzsituation hat sich durch den Wegfall kostenloser Parkflächen verschärft. Auch die Belegung der Parkplatzfläche, auf der derzeit die König-Ludwig-Brücke saniert wird, schlägt negativ zu Buche. „320 Parkplätze für 4000 Schüler sind einfach zu wenig“, so Mangold. Ein großes Problem seien die Fremdparker auf dem Berufsschulparkplatz und den für Berufsschüler reservierten Flächen bei der Allgäu-Halle. Hier sei angedacht, Kontrollen durch die städtische Verkehrsüberwachung durchführen zu lassen. Notfalls gehe man bis zur Androhung einer Unterlassungserklärung und dem Abschleppen der Fahrzeuge. Parallel solle das Azubi-Ticket des ÖPNV stärker beworben werden.

Sabine Stodal

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