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Skilangläuferin Sofie Krehl: »Man muss sich quälen können!«

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Von: Lutz Bäucker

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Sofie Krehl
Langläuferin Sofie Krehl in Aktion. © Daniel Karmann/dpa

Kempten – Sofie Krehl, Langläuferin der deutschen Olympia-Staffel, spricht über ihre Erlebnisse in Peking und die einzigen Wochen des Jahres ohne Training: Ostern.

Es geschah am Vormittag des 12. Februar: Sofie Krehl rennt als Schlussläuferin der deutschen Olympia-Langlaufstaffel durch den Kunstschnee von Peking, dicht verfolgt von zwei Läuferinnen aus Schweden und Finnland.

Sie keucht und kämpft, wenige Meter vor dem Ziel spürt sie den Atem der beiden im Nacken, hört die verzweifelten Rufe ihrer Kameradinnen. Schafft sie es, vor den Verfolgerinnen die Ziellinie zu überqueren, wird ein Traum wahr: Dann hat Deutschland die Silbermedaille gewonnen.

Reporter überschlagen sich, Zuschauer schreien, Nerven reißen: Sofie schafft es, fällt mit zweieinhalb Sekündchen Vorsprung völlig erschöpft ins Ziel.

Die Silbermedaille ist ganz schön schwer

„Ja“, sagt sie lachend zwei Monate nach dieser Riesenüberraschung, „es war net einfach! Ich hab mich nur einmal umgedreht und bin gelaufen , was ich konnte.“

Jetzt hat sie die Silbermedaille am Hals, ein schweres Stück, „ich erschrecke immer, wenn ich sie mir mal umhänge.“ Sofie Krehl, geboren in Kempten, aufgewachsen in Rottach, wohnhaft in Bolsterlang, Mitglied des SC Oberstdorf: „Ich bin fürs ganze Allgäu durch die Olympia-Loipen gerannt“, sagt die 26-Jährige, die für den Zoll in Sonthofen arbeitet, mit einem Grinsen.

Skilanglauf ist eine fordernde Sportart. „Man muss sich wirklich richtig quälen können“, betont sie, „im Sommer das harte Training, im Winter viele Rennen, in denen ich an meine Leistungsgrenze gehen muss.“ Trotzdem macht sie die Quälerei gern: „Das Adrenalin im Wettkampf gibt mir den Kick, das macht Spaß.“

April – die schönste Zeit

Jetzt im April lässt es die erfolgreiche Wintersportlerin langsamer angehen: „Um Ostern herum ist unsere Urlaubszeit, die einzigen Wochen des Jahres ohne Training.“

Sofie ist ans Meer gefahren, irgendwo im Süden, wo sie auch Wandern kann und wo sie mal nicht an Sport denken muss. Doch am 1. Mai ist wieder Schluss mit lustig: „Im Mai beginnen wir wieder mit dem Training, ganz ohne Schnee.“ Dann ist vor allem Radfahren angesagt, das ist ideal für die Gelenke, die Strampelei fördert Kondition und Motivation und macht nicht so müde wie das Krafttraining in der Halle.

Rennradfahren und Training im Sommer

Drei Stunden täglich auf dem Rennrad sind das normale Pensum. Wenn man genau hinsieht, kann man Sofie in den Serpentinen hinauf zum Oberjoch beobachten oder auf der rasenden Abfahrt hinunter nach Wertach. Von dort rollt sie gern weiter zu den Eltern in Rottach. „Das ist immer ein schöner Zwischenstopp.“

Im Juni treffen sich die Langläuferinnen im Thüringer Wald, zum ersten Skitraining in der Kunstschnee-Halle von Oberhof. Danach nimmt die Intensität zu: Im Juli geht’s auf den Dachstein-Gletscher in Österreich. Und wenn im August ganz Bayern im Ferienmodus ist, quält sich Sofie mit immer höheren Belastungen ihrer Form für den kommenden Winter entgegen.

„Anfang Oktober sollte ich meine besten Werte erreicht haben“, erklärt die gebürtige Kemptenerin. Ein langer Weg, der viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen erfordert. Ihr großes sportliches Ziel: eine Medaille bei den Olympischen Winterspielen 2026 im italienischen Val di Fiemme. „Italien ist immer schön!“, sagt Sofie lachend. Also: durchhalten und sich quälen.lub

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