Slam-Poet Bas Böttcher im Rahmen des Allgäuer Literaturfestivals zu Gast in Kempten

Schlaue Worte, scharfsinnige Reime

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Der Bremer Slam-Poet Bas Böttcher begeisterte die Zehntklässlerinnen und Zehntklässler der Staatlichen Realschule.

Kempten – Bas Böttcher zählt zu den Mitbegründern der deutschsprachigen Spoken-Word-Szene. Im Rahmen des Allgäuer Literaturfestivals kam der Bremer Slam-Poet zu einem Poetry-Vortrag an die Staatliche Realschule in Kempten und begeisterte die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe mit intelligenten Texten und Reimen.

Böttcher bringt Slam-Poesie als Form von rhythmisch-körperlich vorgetragener Lyrik auf die Bühne. Seine Wortakrobatik klingt wie Sprechgesang, mal verspielt und leicht, mal verschachtelt und tiefsinnig. Er jongliert mit doppeldeutigen Worten und Alliterationen und zaubert dabei immer neue Texte aus seinem Wortbaukasten. Böttcher ist ein Reimpoet, der intellektuelle Lyrik und schlaue Wortspiele wie am Fließband liefert und ein Feuerwerk an scharfsinniges Satzsalven abfeuert.

In seinem aktuellen Text „Die verkuppelten Worte“ reimt er: „Da wird aus Ober plus Affe Direktor / Da werden Katzen durch Auge Reflektor / Der Fuchs wird durch Schwanz eine Säge / Der Tiger durch Balm eine Creme.“ Böttcher nimmt Wörter auseinander und setzt sie neu zusammen: Die Wollust wird zur Lustwolle, die Kissenschlacht zum Schlachtkissen, die Ochsenschwanzsuppe zum Schwanzsuppenochsen. Das Märchen von den Stadtmusikanten hat der gebürtige Bremer neu interpretiert, was bei den Schülern gut ankam. Die Katze bezeichnet Böttcher in seinem Text über die vier Tiere auf der Flucht als „Mausefalle im Ruhestand“, den Hahn als „stolz pensionierten Kükenmacher“.

Die intelligenten Wortspiele, von den Schülern mit tosendem Applaus bedacht, erinnerten einige der Jugendlichen an Rap und Hip-Hop. Böttcher erklärte, dass sich Slam-Poesie und Rap sehr ähnlich sind. Berufsmusiker zu werden habe ihn aber nie interessiert. Die Frage, welche Note er zu Schulzeiten in Deutsch hatte, beantwortete der reisende Dichter vieldeutig mit einem Gedicht über die so genannten Fehler: „Andere leisten sich Glitzer / Ich leiste mir Schnitzer / Nenn‘ mich Versager / Ich nenne mich Verse-Sager“. Man müsse kein Musterschüler sein, um später Slam-Poet zu werden, versicherte Böttcher. Sprachliche Fehler und eigenwillige Wortkreationen seien sogar sehr gut, um die eigene Sprachfertigkeit und Kreativität zu schulen: „Ohne das Falsche gibt es das Richtige nicht“. Böttcher sensibilisierte die Jugendlichen, die Macht der Wörter und die unzähligen Möglichkeiten der Sprache zu nutzen. Man könne natürlich an der Imbissbude „Einmal Pommes Schranke!“ sagen – oder sich gewählter ausdrücken: „Ich hätte gerne einmal frittierte Kartoffelstäbchen mit würziger Tomatensauce, dazu etwas Mayonnaise“. Die Realschüler waren begeistert von einem „Deutschunterricht“, wie er normalerweise nie auf dem Lehrplan steht.

Nicolas Felder

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