Erkenntnisse drücken sich nicht nur in Zahlen aus

Soko Wohnungseinbruch: Polizeipräsidium Schwaben Süd/West zieht Bilanz

+
Stellten die Ermittlungsergebnisse und die gewonnenen Erkenntnisse der Soko Wohnungseinbruch vor: (v.l.) Kriminaldirektor Michael Keck (Soko-Leiter), Polizeipräsident Werner Strößner und Polizeihauptkommissar Jürgen Krautwald (Pressesprecher).

Allgäu – Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West reagierte im vergangenen Herbst auf die gestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche und hatte zum 1. Oktober 2017 die Sonderkommission (Soko) Wohnungseinbruch ins Leben gerufen. Polizeipräsident Werner Strößner und der Leiter der Soko Wohnungseinbruch, Kriminaldirektor Michael Keck, zogen nach sechs Monaten in der Memminger Polizeidienststelle Bilanz.

Mit der Bildung der Soko Wohnungseinbruch ging das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West einen neuen Weg bei der Aufklärung dieser Delikte. „Auch wenn der finanzielle Schaden nicht immer hoch ist, ein Wohnungseinbruch verunsichert, irritiert und beeinflusst nicht nur das Sicherheitsgefühl der Betroffenen in hohem Maße, sondern ebenfalls das von Nachbarn sowie Anwohnern einer von Einbrechern heimgesuchten Wohngegend”, so Polizeipräsident Werner Strößner. Die Polizei werde weiterhin alles Mögliche tun, um diese Straftaten zu verhindern und aufzuklären. Der massive Anstieg an Einbruchsdelikten in den Jahren 2012 (292) bis 2016 (503) habe dazugeführt, in der „dunklen Jahreszeit” eine eigene Ermittlungsgruppe zu bilden.

Zusammensetzung der Soko

Unter der Leitung von Kriminaldirektor Michael Keck bildeten 15 bis 20 erfahrene Kollegen der Kriminal- und der Schutzpolizei gemeinsame Ermittlungsgruppen, die bei den jeweiligen Kriminalpolizeiinspektionen in Memmingen, Kempten und Neu-Ulm eingerichtet wurden. Sie wurden von Oktober 2017 bis März 2018 für die ausschließliche Bearbeitung von Wohnungseinbruchskriminalität freigestellt und mit Mitarbeitern aus den Bereichen Fahndung, Lageauswertung und Öffentlichkeitsarbeit vernetzt.

Durchgeführte Maßnahmen

Sowohl in Eigenregie als auch mit Unterstützung der Bayerischen Bereitschaftspolizei, der Bundespolizei und des Zolls führten die Dienststellen der PP Schwaben Süd/West zahlreiche Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen durch. Insgesamt wurden dabei rund 16.600 Personen und etwa 11.000 Fahrzeuge einer Kontrolle unterzogen. So konnten bisher 294 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Haftbefehle und Fahndungsnotierungen festgestellt werden. Zusätzlich fanden im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit verschiedene Aktionen statt. Die wohl bedeutendste davon war die Kampagne „Anrufen! Beim kleinsten Verdacht! 110” mit dem verstärkten Hinweis auf den Polizeinotruf. Dazu kamen noch Präventionsveranstaltungen in 35 Ortschaften. „Man kann mit sehr wenig Aufwand sehr viel tun”, erklärte Polizeipräsident Strößner.

Straftaten und Täter

Soko-Leiter Michael Keck gab im Anschluss einen Einblick in die gewonnenen Erkenntnisse. Im Zeitraum der Soko Wohnungseinbruch verzeichnete das PP Schwaben Süd/West 113 vollendete und 86 versuchte Wohnungseinbrüche. Im gleichen Zeitraum 2016/2017 waren dies 347 Fälle, was einen Rückgang von minus 148 Einbrüchen (minus 42,65 Prozent) bedeute. Bei den vollendeten Wohnungseinbruchsdiebstählen machten die Täter eine Gesamtbeute von mehr als 600.000 Euro und verursachten einen Sachschaden von fast 125.000 Euro. Häufig hatten die Täter dabei freistehende Einfamilienhäuser (55 Prozent) im Visier. 

Zusammen mit kleineren Mehrfamilienhäusern und Reihen- sowie Doppelhäusern machten diese circa 80 Prozent der Tatobjekte im Winterhalbjahr 2017/18 aus. Die meisten Einbrüche wurden am Mittwoch begangen, und auch die Täter hielten die „Sonntagsruhe” ein. Bei den Tatzeiten kristallisierte sich heraus: Ab 14 Uhr stieg das Einbruchsrisiko und erhöhte sich ab 17 Uhr nochmals, ab 20 Uhr reduzierte es sich wieder auf Normalniveau. Sehr gute Hinweise – auch aus der Bevölkerung – gibt es derzeit zu einer Einbruchsserie im Allgäu. 

„Wir sind bei der Aufklärung optimistisch”, teilte der Soko-Leiter mit. „Die Bandenkriminalität hat in unserem Bereich ebenfalls nachgelassen.” Sicherlich habe sich der hohe Fahndungsdruck auch auf das Verhalten der Täter ausgewirkt. Dies sei vielleicht auch der Gesetzesänderung geschuldet, so Keck, da ein Einbruch jetzt als Verbrechen und nicht mehr als Vergehen geahndet werde. Es konnten sowohl deutsche als auch nichtdeutsche Tatverdächtige ermittelt werden. Letztere stammen überwiegend aus dem osteuropäischen Ausland, insbesondere aus dem Kosovo, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Aktuell würden noch viele Ermittlungen laufen, berichtete Keck.

In Absprache mit der Staatsanwaltschaft hatte er noch ein paar Fallbeispiele parat. So konnten zwei kosovarische Tatverdächtige im Alter von 26 und 29 Jahren im Zusammenhang mit einem Einbruch in einem Einfamilienhaus in Bad Wörishofen ermittelt werden. Die beiden konnten von Münchner Kollegen bei einem weiteren Einbruch festgenommen werden und stehen im dringenden Tatverdacht für eine Vielzahl von Einbruchsdiebstählen im Raum München und Südbayern.

Außerdem fielen Kräften der Ermittlungsgruppe in einem Memminger Bauhaus Mitte November 2017 zwei junge ausländische Männer auf. Obwohl beide Verdächtige das Bauhaus getrennt verließen, wurden sie bei der anschließenden Kontrolle gemeinsam im Fahrzeug angetroffen. Dabei stellte sich heraus, dass die 22- und 24-jährigen Kosovaren in Baden-Württemberg bereits einschlägig wegen Wohnungseinbruchsdiebstahl polizeilich in Erscheinung getreten waren. Seit November sitzt einer in Untersuchungshaft. Ihm werden 13 Einbrüche im angrenzenden Illertal im Oktober und November 2017 zur Last gelegt. Darüber hinaus soll er 2016 an 36 Fällen im Bereich der Kripo Biberach beteiligt gewesen sein. Sein Komplize ist noch zur Festnahme ausgeschrieben, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt.

Einem aufmerksamen Anwohner in Illerberg ist es zu verdanken, dass zwei Täter beim Einbruch in das Nachbarhaus auf frischer Tat ertappt wurden. Die Infos über die Abwesenheit der Hausbewohner hatten beiden 17-jährigen Deutschen durch eine Anfrage über die Sozialen Medien bei einem ihnen bekannten Familienmitglied. Als Motivation für den Einbruch gaben die jugendlichen Täter „die Suche nach einem Adrenalinkick” an.

Auflösung der Soko

Auf die Frage, warum die Soko, wenn sie doch erfolgreich war, nun eingestellt werde, erklärte Strößner: „Die Soko war von Anfang an für die Zeit von sechs Monaten eingeplant.” Auch wenn die Soko nun offiziell beendet sei, laufen die Aktionen weiter. „Die 15 Kolleginnen und Kollegen gehen jetzt zurück in ihre Dienststellen und nehmen das gewonnene Wissen mit.” Die Soko Wohnungseinbruch habe sich auf jeden Fall gelohnt, lautete das einhellige Fazit. Ob erneut eine Ermittlungsgruppe initiiert werde, dies komme auf die Entwicklung an, eine Entscheidung dazu falle im Spätsommer beziehungsweise im Frühherbst.

Auch wenn die Soko Wohnungseinbruch offiziell eingestellt ist, das Verbrechen schläft nicht. Aktuell sind im Bereich des Polizeipräsidium Schwaben Süd/West falsche Polizeibeamte unterwegs. „Wir versuchen die Täter zu fassen”, versprach der Polizeipräsident. „Vielleicht gibt es auch eine Soko mit einem neuen Schwerpunkt.“

Michaela Breuninger

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Riesenandrang beim Sport- und Familientag in Kempten
Riesenandrang beim Sport- und Familientag in Kempten
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Gewinnen Sie einen Tomaten-Kochkurs bei Christian Henze!
Gewinnen Sie einen Tomaten-Kochkurs bei Christian Henze!

Kommentare