Wer soll den Bedarf decken?

Kritisch haben die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses vergangene Woche den Antrag der Kindertagesstätte „Bambini-Park“ diskutiert, ihren 25 Kindergarten- und 36 Krippenplätzen die Bedarfsanerkennung auszusprechen. Zwar hatten die Ausschussmitglieder gegenüber mehr Krippenplätzen bis dato eine überaus offene Haltung an den Tag gelegt, im Falle der Sankt Manger KiTa wollten einige Mitglieder jedoch offene Fragen geklärt wissen. Denn der Bambini-Park untersteht keinem freien Träger, er wird privatwirtschaftlich von der Wohnfamilie Ohnesorg geführt. Und Kindergartenplätze gebe es ohnehin schon genug.

Allgemeine Fragen zum Thema private Anbieter von Kinderbetreuung warf Diakonie-Geschäftsführer Wolfgang Grieshammer auf. „Wieviele gewerbliche Anbieter lassen wir in Kempten in Zukunft zu?“, wollte er wissen. Bisher seien alle Träger von KiTas bereit gewesen, die sozialräumliche Planung nach vorn zu bringen. Ob gewerbliche Anbieter das auch leisten, daran äußerte er Zweifel. Rund 12000 Menschen leben in Sankt Mang, aber nur 12 Krippenplätze stehen dort zur Verfügung, erklärte Jugend- Schul- und Sozialreferent Benedikt Mayer. „Alle KiTas in Sankt Mang befinden sich in städtischen Gebäuden und keine von ihnen hat die Möglichkeit, eine neue Gruppe zu eröffnen“, erklärte er. Mayer empfahl dem Ausschuss, der Familie Ohnesorg die Bedarfsanerkennung für alle 36 Krippenlätze in Aussicht zu stellen. Erkennt nämlich die Stadt den Bedarf an, bekommt die KiTa Fördergelder aus der öffentlichen Hand. Beschließen wollte das Gremium die Bedarfsanerkennung allerdings noch nicht, denn die Ohnesorgs hatten in einem Aufwasch auch beantragt, die Stadt möge den Bedarf für ihre 25 Kindergartenplätze anerkennen. Ein klares Nein gab es hier von Verwaltung und Ausschuss, denn Kindergartenplätze gebe es in Kempten schon genug. Zweifel am Konzept des Bambiniparks äußerte Klaus Klarer, Vertreter der Erziehungsberatungsstellen. Mit Öffnungszeiten von 6 bis 20 Uhr werbe die KiTa, zwangsläufig müsse das Personal im Laufe des Tages also wechseln. Gerade im ganz jungen Alter sei es aber wichtig für die Kinder, dass ihre Bezugspersonen die selben bleiben. „Eine Krippengruppe, die nicht in eine Kindergartengruppe mündet, ist nicht ideal“, unterstützte ihn Alexander Haag, Geschäftsführer des Stadtjugendrings. Dem gegenüber standen Regina Liebhaber, ebenfalls Vertreterin des Stadtjugendrings, die von positiven Erfahrungen mit dem Bambini-Park sprach. Das bestätigte Herbert Rotter, Rektor der Robert-Schuman-Schule. Er sprach von professioneller Zusammenarbeit. „Das Konzept der Familie Ohnesorg baut auf Montessori auf, die Wertevermittlung stimmt“, meinte Jugendreferent Mayer. Er beruhigte die Kritiker, indem er klarstellte: Die Bedarfsanerkennung gilt nur für drei Jahre, ebenso lange wie der Jugendhilfeplan, der in der zweiten Jahreshälfte erneuert wird. Anerkennung in Aussicht Einstimmig lehnte der Ausschuss den Antrag auf Anerkennung zunächst ab, allerdings mit dem Zusatz, dass ein neuer Antrag, allein für die Krippenplätze, durchaus Chancen auf ein Ja hätte. Zuvor hatte der Ausschuss den Freien Spielstuben im Sinne der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. für sechs Krippenplätze den Bedarf anerkannt. Insgesamt will die KiTa, die früher Freie Waldorfschule hieß, zwölf Kinder in der Laubener Straße betreuen. Wegen des besonderen pädagogischen Konzepts bringen aber auch viele Eltern ihre Kinder von außerhalb in die Freien Spielstuben, erklärte Mayer. Deswegen will die Stadt den Bedarf nur für sechs Plätze anerkennen und die damit fördern, erläuterte er. Auch der Einrichtungsträger sei damit einverstanden.

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