Herausforderungen der Zeit

Soll die Gemeinde Betzigau E-Lade-Stationen für Fahrräder und Autos einrichten?

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Gemeinderäte bei der Arbeit. Hier sichten Betzigauer Gemeinderäte die Baupläne von vier neuen Baumhäusern, die im Ferienhof & Baumhaushotel in Kaisersmahd entstehen könnten

Betzigau – Viele Gemeinden stehen in naher Zukunft vor großen Herausforderungen. Wegen der beschlossenen Energiewende, der E-Mobilität, den steigenden Geburtenzahlen, Migration und der hohen Wohnraumnachfrage bildet sich derzeit laufend Handlungsbedarf für Kommunen aus.

Dies gilt auch für die Gemeinde Betzigau östlich von Kempten mit ihren rund 2800 Einwohnern. Unter anderem mit dem Bau eines Wohngebietes in Leiterberg und der Fertigstellung der neuen Umgehungsstraße OA 18/23 machte die Gemeinde in letzter Zeit Schlagzeilen von sich. Nun stand am Donnerstag im Rathaus eine öffentliche Sitzung des Gemeinderates an, zu der neben 13 von 14 Gemeinderäten und Bürgermeister Roland Helfrich auch einige Betzigauer Bürger den Weg fanden. 

Ladestation – Ja oder Nein? 

Nach Genehmigung der Tagesordnung und der Sitzungsniederschriften erwartete die Teilnehmer zuerst ein Vortrag von Roland Weixler, dem Geschäftsführer der in Betzigau niedergelassenen KE-TEC GmbH, einem Unternehmen, das sich mit der Forschung und dem Austesten von Stromspeichermedien wie Lithium-Ionen-Zellen und -Batterien in mobilen wie stationären Anwendungen beschäftigt. Thema des Vortrags war die Chancen und Herausforderungen der Elektromobilität herauszustellen. 

In der Gemeinde Betzigau wird überlegt, ob es sinnvoll und zeitgemäß ist, öffentliche Stromladestationen für E-Autos und E-Bikes aufzustellen. Grundsätzlich spricht sich Weixler für ein solches Projekt aus, da auch die gesetzlichen Richtlinien eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 37,5 Prozent bis zum Jahr 2030 verbindlich vorschreiben. Derzeit, so Weixler, sind bereits 24 Prozent aller Fahrräder in Deutschland E-Bikes. Zur Umsicht aber mahnt der Experte, wenn es darum geht, welches Ladesystem zu installieren sei. 

Es gebe derzeit kein standardisiertes Ladesteckersystem und die Ladestationen gäben sowohl Wechsel- wie Gleichstrom mit unterschiedlichen kW-Leistungen ab. Den Preis einer Ladestation beziffert Weixler zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Auch der zweite Vortrag von Fritz Sander beschäftigte sich mit der E-Mobilität. Der gebürtige Hesse, der in einem Fahrradgeschäft in Wildpoldsried beschäftigt ist, sprach über die mögliche Entwicklung standardisierter Ladestationen für E-Bikes unterschiedlicher Hersteller und Anschlussmöglichkeiten. 

Die Frage, ob die Gemeinde Betzigau eine solche E-Bike Ladestation installieren sollte, mochte der Experte zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich empfehlen. Derzeit würden von den Anbietern zu viele verschiedene Ladesteckersyteme verwendet und die Anschaffung einer Ladestation, wenngleich viele Radler Betzigau auf E-Bikes durchqueren, ist nach Einschätzung des Fahrradexperten mit 20.000 bis 25.000 Euro im besonderen für private Anbieter wie Hotels, Pensionen oder Supermärkte schlicht zu kostenintensiv. Künftig steht die Entscheidung in Betzigau an. Die Referate dienten den Gemeinderäten als Vorabinformation. 

Wenig Dissens 

Im dritten Tagesordnungspunkt wurde durch Claudius King vom Schwäbischen Ingenieurbüro der Straßen- und Erschließungsplan für das neue Baugebiet „Leiterberg-Süd“ vorgestellt. 

Die ermittelten Bruttokosten für die Abwasserbeseitigung, die Wasserversorgung, den Straßenbau und Spartenverlegung für das Baugebiet Oberleiterberg belaufen sich auf geschätzte 1.33 Millionen Euro, wenn die Bebauung in zwei Bauabschnitten vorgenommen wird. Bei der abschließenden Abstimmung wurde durch den Gemeinderat beschlossen, dass aus Kostenersparnis in einem Bauabschnitt und mit einer tieferen Verlegung der Kanalisation, die die Kellergeschosse der Neubauten mit einschließen wird, die Arbeiten im Baugebiet beginnen werden. Im folgenden ging es um die Auftragsvergabe hinsichtlich der Erweiterung des Kindergartengebäudes. 

Bestätigt durch den Gemeinderat wurde die Auftragsvergabe an die Fa. Schreinerei Simon aus Langenhaslach zur Herstellung und Installation der hinterlüfteten Fassade und der Fa. Eugen Schneider für Fliesenarbeiten. Bei der Vergabe der Schlosser- und Pflasterarbeiten wurde vereinbart, eine neue Ausschreibung zu starten. Des Weiteren bestätigte der Gemeinderat einstimmig die neu festgesetzten Ortsdurchfahrtsgrenzen der OA 18 an verschiedenen Stellen, wie sie vom Landratsamt Oberallgäu in Abstimmung mit der Regierung von Schwaben vorgeschlagen worden war. Ortsdurchfahrtsgrenzen regeln u.a. wem die Gestaltungshoheit bei Durchgangsstraßen obliegt und für welche Straßenabschnitte Kommune oder Landkreis beim Winterdienst zuständig sind. 

Die Straße nach Leiterberg muss jetzt z.B. von der Gemeinde geräumt werden. Seiner Informationspflicht nachkommend berichtete Bürgermeister Roland Helfrich dem Gemeinderat vom Anliegen des Tierschutzvereins Kempten e.V., der zu einer Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten. Helfrich betonte, dass dies nicht in die Entscheidungsbefugnis der Gemeinde fällt, sondern des Landkreises. Danach wurde die Teilnahme Betzigaus am Unterstützungsund Förderprogramm des Freistaats Bayern „Digitales Rathaus“ durch die Gemeinderäte mehrheitlich bestätigt. Nach kurzer Prüfung von Bauplänen für die Errichtung von vier weiteren Baumhäusern im Ferienhof & Baumhaushotel in Kaisersmahd gaben die Gemeinderäte ihr OK für den Bauantrag. Zum Abschluss des öffentlichen Sitzungsteils bat Bürgermeister Helfrich die Anwesenden zeitnah Ehrungsvorschläge für den Neujahrsempfang einzureichen. 

Jörg Spielberg

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