Wo und wie soll Kempten künftig wachsen?

Bauausschuss gibt "grünes Licht" für eine Neuaufstellung des Flächennutzungsplans

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Der aktuelle Kemptener Flächennutzungsplan gilt seit zehn Jahren. Ihn hat man bisher an 13 Stellen an aktuelle Bedingungen angepasst. Nun wird ein neuer Flächennutzungsplan erarbeitet, der einen Handlungsrahmen bis 2040 liefern soll.

Kempten – Fast zehn Jahre ist der aktuelle Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt Kempten bereits gültig. Noch ein Jahr soll er gelten, dann muss ein neuer her.

Und auch die im Flächennutzungsplan zur künftigen Nutzung eingetragenen Flächen sind fast vollständig aufgebraucht. Deshalb gab der Bauausschuss nun einstimmig den Startschuss für eine Neuaufstellung. Vier bis sieben Jahre wird dieser Prozess dauern. Auch die Bürger sind hier gefragt.

„Wir machen uns jetzt auf einen verantwortungsvollen und langen Weg“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle, „Mir war es wichtig, der Bevölkerung das Signal zu geben, dass wir jetzt einen Blick auf das große Ganze werfen und nicht nur Einzelinteressen betrachten.“ Wie soll die städtebauliche Entwicklung innerhalb der nächsten 20 Jahre aussehen? Wo und wie soll der städtische Boden genutzt werden? Wo entstehen Wohngebiete, wo Gewerbegebiete? Welche Flächen sind dem Wald oder der Landwirtschaft vorbehalten? Das sind die zentralen Fragen, mit denen sich die Stadt, externe Büros und auch die Bevölkerung befassen müssen, wie Antje Schlüter, Leiterin des Stadtplanungsamtes erklärte. Stadtplanung und Klimaschutz Hinein fließen aber auch Aspekte des Klimas. 

Denn mit dem FNP wird auch der Landschaftsplan neu aufgestellt. Hier geht es etwa darum, Hitze-Inseleffekte in der Innenstadt zu vermeiden oder Frisch- und Kaltluftschneisen freizuhalten. Auch Starkregenereignisse und Trockenperioden können aufgezeigt und somit in der Planung berücksichtigt werden. Wenn auch der Stadtrat dem Aufstellungsbeschluss zugestimmt hat (nach Redaktionsschluss), werden schon die ersten Büros beauftragt, die sich mit der Starkregen- und Klimathematik befassen. Im Frühsommer sollen dann verschiedene Szenarien aufs Tapet kommen, etwa ob Kempten schrumpft, gleich groß bleibt, oder wächst und wenn ja, in die Höhe oder in die Breite. Diesmal soll ein externes Büro mit der Analyse beauftragt werden, wo im Innenbereich der Stadt noch Entwicklungspotential vorhanden ist. Nur wenn innen kein Wachstum mehr möglich ist, könne nach außen gebaut werden. 

Theo Dodel-Hefele (Grüne) interessierte sich dafür, wie die Bevölkerung an das Thema herangeführt werden könne. Er fand es wichtig, dass die Bürger wissen, was ein FNP überhaupt bedeute. Wenn die ersten Szenarien auf dem Tisch liegen, gehe es laut Baureferent Tim Koemstedt an die Bürgerbeteiligung. Dafür seien neben Info-Veranstaltungen auch Zukunftswerkstätten geplant. Aber auch schon die städtischen Bürgerbefragung diesen Herbst, die alle zehn Jahre durchgeführt werde, würde erste Ergebnisse liefern. Keine Sorgen in puncto Bürgerinteresse machte sich Erwin Hagenmaier von der CSU. „Wenn vor seiner Haustür was passiert, ist der Bürger schon da“, sagte er und Siegfried Oberdörfer (SPD) pflichtete ihm bei. Über einen Grundsatzbeschluss entscheiden die städtischen Gremien noch über einen Antrag der Grünen, die sich wünschen, dass künftig nur Flächen als Bauland entwickelt werden, die bereits im Eigentum der Stadt sind. 

Susanne Lüderitz

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