Vernebelt Arroganz die Sicht?

Blick nach rechts und nach links

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Über die Zukunftsfähigkeit des Allgäus diskutieren beim 10. Sommergespräch der WJ Kempten Oberallgäu: Dipl.-Kommunikationswirt Andreas Steinle (v.l.), Andreas Ruland, Geschäftsführer des Klinikverbunds Kempten-Oberallgäu, als Moderator Alexander Hold, Anton Klotz, stellvertretender Landrat des Oberallgäu, und Michael Lucke, Geschäftsführer des Allgäuer Überlandwerks.

Kempten – Läuft es bei uns wirklich so gut, dass im Allgäu Fachkräftemangel, Wohnraumnot oder der Mangel an Pflegekräften keine Themen sind?

Rund 200 Gäste waren zum 10. Sommergespräch der Wirtschaftsjunioren (WJ) Kempten-Oberallgäu ins Kemptener Stadttheater gekommen, um die von Fernsehrichter Alexander Hold bisweilen auch ein wenig provokant moderierten Einschätzungen der Podiumsgäste zum Thema „Vernebelt Arroganz die Sicht? – Das Allgäu zieht Bilanz“ zu hören. 

 „Die Statistiken für Kempten und das Allgäu schauen gut aus“, so die Botschaft von Dipl.-Kommunikationswirt und Zukunftsfachmann Andres Steinle zu Beginn der Veranstaltung. Zugleich warnte er aber auch vor der „Gefahr, arrogant zu werden“. Denn Megatrends wie eine „massive Zunahme von Hochbetagten“ bei gleichzeitig starker Abnahme von Schulpflichtigen, neue Formen des Arbeitens mit dem Trend zur „Wissensökonomie“ oder die Urbanisierung in Richtung Metropolen sowie zunehmende Internationalisierung von Arbeit würden auch vor dem Allgäu nicht halt machen. 

Dabei entwarf er auch Visionen, wie die einer „Silver Society“, in der die grauhaarige Generation noch durchaus wichtige Aufgaben erfüllt, unter anderem als Au-Pair im nahen und fernen Ausland. Eine „klare Vorstellung von ihrer Wertewelt“ sprach AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke den Allgäuern beim Thema Energiewende zu, wobei „die neue Welt mit der alte nicht immer kompatibel“ zu sein scheine. So sei die Umsetzung von Windkraft hier schwierig, auch wenn sie zusammen mit Photovoltaik „die richtigen Energieformen fürs Allgäu sind“. Der Oberallgäuer Vize-Landrat Anton Klotz (CSU) hielt dabei die derzeitigen Einschränkungen für „völlig absurd“. Den „Blick nach rechts und nach links“ regte Steinle nicht nur bei diesem Problem an. So würden die von sicher Jedermann ungeliebten Strommasten in Dänemark als Kunst- werke gestaltet. Das entspreche zwar nicht dem perfektionistischen deutschen Ingenieursblick, stoße aber auf höhere Akzeptanz in der Öffentlichkeit. 

Plädoyer für B12-Ausbau 

Dringenden Handlungsbedarf sah Klotz darin, das „größte Dieselloch Deutschlands“ endlich bei der Elektrifizierung der Bahn im Allgäu voranzubringen. Auch der vierspurige Ausbau der B12 sei zwingend erforderlich, um „in der Wirtschaft erfolgreich zu sein“. Andreas Ruland, Geschäftsführer der Klinikverbund Kempten-Oberallgäu gGmbH, prognostizierte aufgrund der demographischen Entwicklung für den Gesundheits- und Pflegebereich einen erheblichen „Fachkräftemangel auf uns zurollen“. Entscheidende Faktoren bei der Personalgewinnung lägen in der Verfügbarkeit von Kita-Plätzen sowie darin, Wohnraum auch für durchschnittlich verdienende Mitarbeiter finden zu können. 

Eine Lösung für den Mangel an Wohnraum sah Steinle unter anderem in flexiblen Raumveränderungen, die je nach Bedarf vom Büro in Wohnraum und zurück verwandelt werden könnten. Zwar gebe es noch „keine Kita-Container“ zum flexiblen Einsatz, aber zum Beispiel die Kombination Kita-Seniorenheim, von der „beide Seiten profitieren“. Lucke wünschte sich mehr Absprachen mit Unternehmen, so dass auf Grundlage der geplanten Einstellungen hier eine sinnvolle Bedarfsplanung erfolgen könne.

Christine Tröger

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