Sorgen um Zukunft der Pflege

Qualität, Fachkräftemangel, demographischer Wandel, Sozialpolitik und Wettbewerbsfähigkeit durch moderate Lohnsteigerung sind für den ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Prof. Dr. Lothar Späth, entscheidende, wenngleich nicht allzu neue Themen für die Zukunft Deutschlands. Im Rahmen des „Forum Cambodunum 2011“ sprach der nach eigenem Bekunden „gnadenlose Optimist“ auf Einladung des Lions Clubs Kempten Müßiggengel im gut besuchten Kornhaussaal zum Thema „Deutschland vor neuen Herausforderungen“.

„Deutschland ging’s noch nie so gut wie jetzt“, nur habe es hier noch keiner bemerkt, eröffnete er seinen Vortrag mit Hinweis auf die „besten Wirtschaftszahlen seit dem Krieg“. Problemverursacher sah er eher in Nachbarländern. Zum Beispiel müsse Griechenland „ganz schnell aus eigener Kraft auf die Beine kommen“. Lobende Worte fand er für den deutschen Mittelstand, der „einen anderen Weg eingeschlagen“ habe, als die großen Konzerne und die Mitarbeiter in der Krise gehalten habe. Als Billiglohnland habe Deutschland „keine Chance“, hob Späth die Bedeutung deutscher Qualität hervor, für die „wir die Maschinen und das Know-how haben“. Allerdings verschaffe die moderate Lohnsteigerung einen großen Wettbewerbsvorteil. Die durch Öffnung des Arbeitsmarktes befürchteten „Menschenschlangen“ aus Osteuropa „habe ich nicht gesehen“, pries er vielmehr die von dort dringend benötigten Frauen, die „hier Alte und Kranke“ pflegten. Der Pflegebereich sei „das Wichtigste und Entscheidenste, das wir vor uns haben“. Es müssten „mindestens 200 000 Leute nach Deutschland gebracht werden, nur um in diesem Bereich „den Standard zu halten“. Auf seine Zustimmung stieß der aktuelle Vorstoß, ein „verpflichtendes soziales Jahr“ für junge Menschen einzuführen. Statt einer festen Altersgrenze bei den Renten regte er an, „besser Spielräume zu schaffen“. In der Basarökonomie nach Hans-Werner Sinn sah er „Riesenchancen“ für Deutschland. Statt Geld in die Forschung zu stecken, solle Deutschland deshalb lieber in die „Ausbildung unserer Kinder“ investieren. Publikumsfragen gab es unter anderem zu AKWs und Stuttgart 21.„Nicht so sehr in die Selektion gehen“ wollte Späth bei dem Anliegen eines Zuhörers, der „junge, intelligente, fleißige Frauen“ durch Sonderabschreibungen „schwanger kriegen“ wollte.

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