Sound bei Sonnenuntergang

Der APC-Sommer lockte einmal mehr mit Musik und Ambiente

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Ein Konzert das Lust auf mehr machte lieferte die Band Housewife Productions zum Auftakt des APC-Sommers 2019.

Kempten – Der Wettergott – neben einigen anderen Göttern, die auf diesem Gelände eine Rolle spielen – war den Besuchern sehr gewogen und ermöglichte an allen vier Abenden der APC-Sommer-Konzerte ein Open-Air-Ambiente der außergewöhnlichen Art, das neben den sehr unterschiedlichen Musikgruppen und Bands seinen besonderen Reiz durch diese Örtlichkeit im Innenhof des Tempelbezirks zwischen den römischen Tempeln und Gebäuden erhielt. Wer wollte, konnte sogar – wenn gerade die Konzertpause in diese Zeit fiel – den täglichen Sonnenuntergang am hinteren Ende des Hofs über der Stadt und der Illersenke genießen.

Das musikalische Programm wurde am Donnerstagabend eingeleitet von einer Band mit einheimischen Musikern, für die das Wort Lokalmatadoren zu kurz greift, schwingt bei ihm doch immer etwas von amateurhaft, unerfahren und nur ein bisschen gut mit. In der Band Housewife Production suchen erfahrene und erprobte Musiker die Nische zwischen rotzig-schmutzigem Gangster Rap amerikanischer Provenienz und dem deutschen Casper, und finden sie in der Hinzufügung von fein gespielten Jazz- und Indiepop-Elementen. Der Frontsänger und Rapper Anton Dirnberger zeigt eine Bühnenpräsenz, die eine zwischen Großstadtcoolness und alpenländischer Liebenswürdigkeit jeden mitreißende Mitte findet. Ein Konzert, das Lust auf mehr machte. 

Mehr gab es am Freitagabend. „Pulse Project“ mit ihren beiden syrischen Frontmusikern an der Oud (eine arabische Laute) und an der Klarinette hatten sich als Ethnorockband angekündigt und entpuppten sich als westliche Rocker mit einem Hang zum harten Gitarrensound früherer Tage. Dem deutsch-italienischen Rhythmusfeuerwerk aus Schlagzeug, Bass und E-Gitarre hatten die Orientalen zu wenig entgegenzusetzen, als dass hier etwas Östliches herüberkam. Der Mann an den Tasten war hin- und hergerissen, begleitete Oud und Klarinette zwar einfühlsam bei gelegentlichen Soli, dies allerdings so westlich-harmonisch, dass es einfach nichts wurde mit einer arabischen Nacht. Dem Publikum war es egal, es wollte sich der Power dieses gut gespielten Rocks nicht entziehen und tanzte ab. Am dritten Tag dann etwas Besonderes, vier mongolische Musiker, die am Vortag über Prag von Ulan Bator angereist waren, und die sich nach dem mongolischen Namen für Dschingis Khan „Boerte“ nannten. An den nie gesehenen Instrumenten erkannte man bereits zu Beginn des Konzerts, dass es heute tatsächlich exotische Musik zu hören gab. Die Musik war dann ein leiser und intensiver Ritt auf langsamen und schnellen Pferden durch die mongolische Steppe, eine Nacht in einer Jurte unter dem Sternenhimmel, ein Blick auf die fern leuchtenden Himmalayaberge. 

Der einzige englisch-sprechende Musiker führte mit aufschlussreichen Kommentaren und Erläuterungen zu den Stücken durch das Konzert und es entstand das Bild einer Musikgruppe, die es schon sehr lange gibt, und die schon weltweit aufgetreten ist und ihre Spuren hinterlassen hat. Unter anderem in berühmten Kinofilmen wie z.B. „Sieben Jahre Tibet“ mit Brad Pitt. Zu guter Letzt gab es dann am Sonntagabend noch das Konzert des in Kempten durch den Jazzfrühling bereits bekannten Matching Ties Quintetts. Die fünf Musiker aus den USA, Irland und England, die alle schon lange in Süddeutschland leben, spielen seit 30 Jahren (bis auf die Neuzugänge) jene Mischung aus irischer, schottischer und englischer Volksmusik, die man gemeinhin als Irish Folk zusammenfasst. Das tun sie, ohne musikalische Wunderkinder zu sein, routiniert, mit einem großen Repertoire an Stücken und mit witzigen Ansagen dazwischen, an denen sich alle Musiker unter anderem mit original bayerischen Redewendungen beteiligen, so dass die Band kein Problem hat, ein knapp dreistündiges Konzert zum großen Vergnügen des Fan-Publikums auszufüllen. 

Jürgen Kus

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