Eine Frage der Motivation 

Sowiso-Vortrag zum betrieblichen Gesundheitsmanagement 

Gesundheitsfürsorge für Mitarbeiter
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Einige Unternehmen bieten ihren MitarbeiterInnen für die Gesundheitsfürsorge sehr viel mehr als es die gesetzlichen Bestimmungen vorschreiben.

Kempten – Der Arbeitgeber ist qua Gesetz für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz seiner Angestellten verantwortlich. Manche Unternehmen leisten freiwillig mehr, als es die gesetzlichen Verpflichtungen vorschreiben und etablieren ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Wie dies in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann, wurde am vergangenen Mittwochabend im Rahmen eines Online-Vortrags des Vereins für Sozial- und Gesundheitswirtschaft e.V., einer studentischen Organisation der Hochschule Kempten, aufgezeigt. Zu Gast waren Geschäftsführer Christian Bauer und Gesundheitscoachin Marina Müller vom Stuttgarter Unternehmen Meisterleistung GmbH, das für den Aufbau eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements in der Isnyer Firma Dethleffs beauftragt worden ist. Ebenfalls zugegen war Alexander Leopold, der Geschäftsführer des mittelständischen Allgäuer Unternehmens.

Dethleffs sei in den letzten fünf Jahren stark gewachsen und habe sich sowohl vom Umsatz als auch der Belegschaft verdoppelt. Mittlerweile habe das Unternehmen über 1000 Mitarbeiter, wovon ein Drittel in der Verwaltung und zwei Drittel in der Produktion tätig seien, erklärte Leopold die makroökonomischen Rahmenbedingungen, die vor eineinhalb Jahren zu der Entscheidung führten, ein betriebliches Gesundheitsmanagement etablieren zu wollen. Deshalb sei mit Marina Müller eine externe Expertin engagiert worden, mit der die Arbeitnehmer eine konkrete Ansprechpartnerin rund um das BGM hätten.

Eine Mitarbeiterbefragung habe ergeben, dass mehr als ein Drittel der Belegschaft häufig oder ständig unter Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems, wie Rücken- und Nackenschmerzen, leide. Die psychische Gesundheit sei ebenfalls abgefragt worden. So hätten 45 Prozent der Befragten angegeben, von der Arbeit emotional erschöpft zu sein und 24 Prozent litten unter Schaflosigkeit oder Schlafstörungen, gab Müller Einblick in die Befragungsergebnisse. Anhand dessen sei ein Gesundheitskonzept erstellt worden, wovon einige der darin enthaltenen Maßnahmen bereits umgesetzt worden seien. Es gebe mittlerweile einen Ansprechpartner für schwierige Lebenssituationen sowie die Möglichkeit, kostenlos und anonym mit einem Psychologen Kontakt aufzunehmen. Des Weiteren habe es ein Seminar zum Thema Gesundheit für 44 Führungskräfte bei Dethleffs gegeben. Die Gesundheitscoachin biete außerdem allen Mitarbeitern eine individuelle Beratung zu Themen wie Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung an. „Dieses Angebot haben bereits fast 100 Mitarbeiter wahrgenommen“, erzählte Müller. Optimierungsbedarf, gerade in Coronazeiten, sehe sie bei der aktiven Mittagspause, die derzeit durchschnittlich von nur fünf Angestellten genutzt werde. Gut komme hingegen die einmal wöchentlich während der Arbeitszeit stattfindende Bürogymnastik an. Auf dieses Angebot würden 18 Abteilungen aus der Verwaltung zurückgreifen. Nach Feierabend könne zudem Sport in der Nordic Walking-Gruppe oder der Klettergruppe betrieben werden. Im Aufbau sei ein Gymnastikraum, um Angebote wie eine Rückenschule, Yoga und funktionelles Training etablieren zu können. Seit der Pandemie hätten die Mitarbeiter zusätzlich Zugriff auf eine Online-Plattform mit Schulungsvideos und Live-Trainings.

Meisterleistung-Geschäftsführer Christian Bauer betonte, dass es beim BGM weniger darum gehe, neues Wissen zu vermitteln, sondern auf die Gewohnheiten der Mitarbeiter einzuwirken. „Jeder weiß, dass eine gesunde Ernährung wichtig und Rauchen gesundheitsschädlich ist. Somit ist es kein Wissensthema, sondern ein motivationales“. Erfolgreich könne BGM nur dann sein, wenn es nachhaltig etabliert werde und die Mitarbeiter die Chance erhielten zu partizipieren. „Punktuell organisierte Gesundheitstage allein führen zu keinen messbaren Veränderungen“, meinte Bauer, der betonte, dass für den Erfolg die Relevanz der Thematik seitens der Geschäftsführung verstanden und vorangetrieben werden müsse.

Das konnte Alexander Leopold aus seiner Erfahrung heraus bestätigen. Dethleffs investiere jährlich eine sechsstellige Summe in das betriebliche Gesundheitsmanagement. „Für dieses Investment wollen wir auch etwas zurückbekommen“, sagte der Geschäftsführer. „Trotzdem soll es nicht nur ein kennzahlengetriebenes Programm sein. Wir wollen ein mitarbeiterorientierter Arbeitgeber sein.“ 

Dominik Baum

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