Innovatives städtebauliches Konzept

Die Sozialbau errichtet in Thingers das erste mehrgeschossige Holzwohnhaus "Wohnen am Weiher"

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Nach altem Brauch befüllten Herbert Singer, Geschäftsführer der Sozialbau GmbH (li.), Maximi-lian Prutscher, Firmeninhaber Prutscher Holzbau GmbH (2.v.li), Thomas Kiechle, Oberbürger-meister der Stadt Kempten (3.v.li.), und Tim Koemstedt, Baureferent der Stadt Kempten (4.v.li), einen Kupferzylinder mit zeittypischen Unterlagen und Fotos.

Kempten – Das höchste Holzwohnhaus im Allgäu entsteht bis Herbst 2021 im Kemptener Stadtteil Thingers.

Ein Novum im Allgäu, so Herbert Singer, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Sozialbau Kempten GmbH. Ein innovatives Mietwohnprojekt mit Vorreiterrolle, das Nachhaltigkeit und Regionalität in den Vordergrund stellt. Vergangenen Montag trafen sich Bauherren, Geschäftspartner und Baubeteiligte, coronabedingt im kleinen Kreis an der Baustelle Schwalbenweg, um die Grundsteinlegung zu feiern.

Das Baugrundstück mit einer guten, städtischen Infrastruktur liegt an einem idyllisch gelegenen Weiher mit hohem Freizeitwert. Das Stadtquartier Thingers gelte mittlerweile als attraktiver Stadtteil mit einem angenehmen Wohnstandard und einer guten, ruhigen Mieterstruktur, eröffnete Herbert Singer die kleine Feier.Das neu entstehende Mehrfamilienhaus, für das der Baustoff Holz komplett verarbeitet werde, werde den Stadtteil weiter aufwerten, betonte Singer. 

„Es wird damit ein Ausrufezeichen gesetzt“. Die Wohnungsbaugesellschaft Sozialbau GmbH habe den Neubau als sogenannten „Ergänzungsbau“ mit dem nachwachsenden und klimaneutralen Baustoff Holz geplant, erklärte der Geschäftsführer. Das Investitionsvolumen liege etwa bei sechs Millionen Euro. Wohnräume mit Wänden und Decken aus massiver Fichte, die Außenfassade und die Aluminumfenster mit Lärche verkleidet, Balkone und der Aufzugsschacht komplett aus Holz gefertigt, verleihen dem Wohngebäude den typischen Charakter eines Holzhauses, beschrieb Markus Abler, Architekt und stellvertretender Abteilungsleiter Neubau die geplante Bauausführung. 

Nur für das Kellergeschoß werde Beton verwendet. Es entstehe ein reinrassiges Holzhaus, nicht „hybrid“ – eine Kombination aus Beton und Holz bei Decken und tragenden Wänden. Das Holzwohnhaus sei zwar etwas teurer als ein konventioneller Betonbau, erklärte Herbert Singer, aber auf die Zukunft betrachtet, werden durch den Wertstoff Holz viele weitere Kosten minimiert. Um die Ausrichtung des Mehrfamilienhauses in den naturnahen Raum zu integrieren und auch die Durchblickmöglichkeit auf den Weiher und die Naturlandschaft zu erhalten, erklärte Abler, sei der Grundriss des Gebäudes als leichte Trapezform konzipiert. 

Zudem werde mit dem Baustoff Holz der naturnahen Örtlichkeit Rechnung getragen. Vier süddeutsche Bauunternehmen hatten Vorschläge für das Sozialbau-Wohnprojekt eingereicht, so Singer. Mit der Firma Prutscher Holzbau GmbH aus Oy-Mittelberg, die den Zuschlag erhielt, wurde das Holzhaus dann entwickelt und geplant. Ein Projekt mit vielen und auch neuen Herausforderungen in den Bereichen Brand- und Schallschutz sowie der Statik, erläuterte der Geschäftsführer. Für den Bau werde nur Fichten- und Weißtannenholz aus der Region verwendet, etwa 350 Bäume – 900 Kubikmeter Holz, erklärte Firmeninhaber Maximilian Prutscher. 

Das Holz werde in seiner Firma zugeschnitten und die einzelnen Bauteile vorgefertigt. Für die Anlieferung der fertigen Elemente, die als Holzbausystem dann vor Ort zusammengesetzt werden, seien etwa 50 bis 60 LKW-Ladungen notwendig, so Prutscher. Für ihn habe sich der Baustoff Holz, einer der ältesten Werkstoffe mit einer langen Lebensdauer längst im Wohnungsbau etabliert. „Holz ist besser als Ziegel und hat einen höheren Schmelzwert.“Es sei gelungen, ein reinrassiges Holzhaus im Kemptner Westen zu planen und entwickeln, so Thomas Kiechle, Oberbürgermeister der Stadt Kempten. 

Das Konzept, dass unter ökologischen Gesichtspunkten geplant wurde und die Klimaschutzvorgaben berücksichtige, könne sehr gut in die strategischen Ziele der Stadt eingebettet werden, so sein Resümee. Zudem sei es für eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft ein ganz besonderes Projekt. Es erfülle ihn mit Stolz, dass weiterer Wohnraum in einer dynamisch wachsenden Stadt mit dem Baustoff Holz zu sozialverträglichen Konditionen geschaffen werde, betonte Kiechle. Sein Wunsch sei ein unfallfreier Bau und viele Nachahmer dieses modellhaften Projektes. 

Das geplante Mehrfamilienhaus biete 21 Mietwohnungen für alle Bevölkerungsschichten, erklärte Herbert Singer. Die Einheiten mit zwei- bis vier-Zimmern haben eine Wohnflächen von 52 bis 95 Quadratmeter. Sie zeichnen sich durch süd- und westorientierte Balkone, Küchen an der Außenfassade und vorwiegend natürlich belichteter Bäder und Holzdecken aus. Zudem gewährleiste das bestehende Nahwärmenetz des Stadtteilquartiers eine effiziente Wärmeversorgung, beschrieb der Geschäftsführer die zukünftige Wohnsituation.Traditionell nach altem Brauch fand die Grundsteinlegung statt. Die Bauherren, die Baubeteiligten und Oberbürgermeister Thomas Kiechle befüllten einen Kupferzylinder mit einer tagesaktuellen Zeitung, Münzen, Bauplänen und weiteren zeittypischen Unterlagen und Fotos, um dieses außergewöhnliche Wohnprojekt für die Nachwelt zu dokumentieren. Im Herbst 2021 soll das siebengeschossige Mehrfamilienholzhaus in Kempten-Thingers bezugsfertig sein.

Christine Reder

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