Zeitfresser Bildschirm

Soziale Medien versus soziales Leben – ein Plädoyer für soziales Engagement im realen Leben 

Smartphone im Alltag
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Wofür keine Zeit?

Kempten/Allgäu – Das Handy ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. 82 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren besitzen bereits ein Smartphone. Auch ältere Menschen nutzen modernste Technik, so haben auch 44 Prozent der über 70-Jährigen ein smartes Handy (Statistik 2019).

Diente das gute alte Tastenhandy ausschließlich der Kommunikation, dient das Smartphone überwiegend dem Medienkonsum. Überall und jederzeit konsumieren, informieren, verfolgen, liken, posten und manchmal auch kommunizieren. Das Smartphone ist genial, da sind sich alle einig, nur leider ist es auch eine kleine Zeitfressmaschine! Auch ich bin begeisterter Smartphonenutzer, ärgere mich aber immer wieder über die damit oft sinnlos vergeudete Zeit. Nur mal kurz was nachschauen und schon ist eine Stunde weg. Geschickt durch Algorithmen animiert hat man sich oft unbemerkt im Netz verstrickt. Alles klingt interessant und immer Neues erscheint auf dem Bildschirm.

Ich denke, jeder Smartphonebesitzer weiß, wovon ich rede. Der sofortige Griff zum Gerät bei jeder Mitteilung, die eingeht, egal womit man gerade beschäftigt ist. Es könnte wichtig sein! Nachdem man das schwachsinnige Video, das von irgendwem weitergeleitet wurde, angeschaut hat, ärgert man sich wieder über die vertane Zeit. Wie viel Bildschirmzeit steht am Abend auf ihrem Smartphone? Auf jedem Smartphone kann man sich die Nutzungsdauer anzeigen lassen. Schauen sie mal nach! Wie viel Zeit davon war wirklich sinnvoll genutzt? Während wir uns mit Informationen und Bildern überschütten, von denen uns die meisten nichts bringen, Quellen oft unbekannt, Fakten schleierhaft sind…, geht nicht nur wertvolle Lebenszeit, sondern oft auch ein Stück Realität verloren.

Was ich auf dem Spielplatz beobachte, macht mich besonders nachdenklich. Während die Kinder alleine spielen, sitzen die Eltern ins Smartphone vertieft daneben. Wissen sie denn nicht, was sie verpassen! „Keine Zeit!“, hört man oft. Aber hat wirklich keiner mehr Zeit für die Kinder, die Familie, die Menschen um sich herum, für gemeinnützige Arbeit, für den Verein? Viele Vereine leisten wichtige gemeinnützige Arbeit, leiden aber unter fehlendem Engagement ihrer Mitglieder. Meist sind es nur wenige Aktive die den Verein am Laufen halten. Ohne diese Aktiven gibt es aber kein Vereinsleben! Wollen wir die real gelebte Gemeinschaft wirklich durch eine virtuelle ersetzen? Hoffentlich merken wir rechtzeitig, wie wichtig aktive Vereinsarbeit für die Gemeinschaft ist, bevor es den Verein vielleicht bald nicht mehr gibt. Wie wäre es also mit Vereinsarbeit, statt Bildschirmzeit? 

Kati Bernhardt

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