Sozialer Charakter?

Als künftiges Nutzungskonzept für das Künstlerhaus schlagen einige Stadträte nun eine sozial-integrative Gastronomie vor. Foto: Archiv

Wird aus dem Künstlercafé ein gastronomisches Inklusionsprojekt? Zwei dahin gehende Anträge haben vergangene Woche die drei FDP-Stadträte sowie Stephan Prause von der CSU eingebracht. Unabhängig voneinander fordern beide Seiten OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) dazu auf, die Einführung einer sozial-integrativen Gastronomie unter der Trägerschaft eines Vereins im Künstlerhaus prüfen zu lassen. Ähnliche Einrichtungen gebe es bereits in München oder im benachbarten Isny. Gleichzeitig sprechen sich sowohl Prause als auch die drei Liberalen gegen den Verkauf des Gebäudes an einen Investor aus.

Der Vorstoß von Starkoch Christian Henze, dass Künstlerhaus in der Beethovenstraße zu kaufen und in ein Restaurant umzufunktionieren (der KREISBOTE berichtete), hat die Stadtrats-Fraktionen offenbar aufgeschreckt. Unabhängig voneinander, aber nahezu zeitgleich, haben die drei FDP-Räte Ullrich Kremser, Bruno Steinmetz und Dr. Dominik Spitzer sowie CSU-Mann Stephan Prause vergangene Woche die Einrichtung einer sozial-integrativen Gastronomie im Künstlercafé gefordert. „Nutzen wir das Gebäude bitte auf uneigennützige und soziale Art und Weise“, schreibt Prause. „Als Künstler- und Musikcafé, in dem Menschen mit Behinderung mitarbeiten können.“ Daraus könnte ein in Kempten „einmaliger Ort der Begegnung und Vielfältigkeit“ entstehen. Als Träger könne er sich einen gemeinnützigen Verein vorstellen. Als Vorbild nennt Prause das „Café Conviva“ in München, „Die Cafébohne“ in Isny oder das ehemalige „Café Sowieso“ in Augsburg. „Einer von vielen Menschen in dieser Stadt gewünschten Nutzung als Künstler- und Musikcafé steht die Idee nicht entgegen“, so Prause weiter. Konkrete Pläne Ähnlich argumentieren die drei Stadträte der FDP. „Eine Idee wäre, die gastronomische Nutzung des Erdgeschosses im Rahmen eines Inklusionsprojektes an Menschen mit Behinderung unter Federführung der Körperbehinderte Allgäu zu geben“, schreiben die drei an Netzer. Damit könne Kempten zum einen seinem Anspruch als „Soziale Stadt“ gerecht werden, zum anderen würde der ursprüngliche Ansatz des Haus International wieder stärker in den Vordergrund rücken. Doch nicht nur für das Erdgeschoss, auch für die übrigen Stockwerke haben die drei Liberalen bereits konkrete Pläne. So schlagen sie vor, den ersten Stock für Kunstprojekte wie Ausstellungen – insbesondere von behinderten oder jungen Künstler – zu reservieren. Im zweiten und dritten Geschoss könnten die Räume als „Startups in Residence“-Projekt zeitlich begrenzt an Studenten vermietet werden, die dort für ihr Startup-Ideen Büros nutzen. „Das würde Jungunternehmer im positiver Weise an den Standort Kempten binden“, heißt es in dem Schreiben. Einig sind sich Prause und die FDPler darin, dass das Gebäude in städtischem Besitz bleiben muss. „Angesichts der großen Bedeutung des Grundstücks im Rahmen der zukünftigen Städteplanung“, heißt es bei den Liberalen, „muss der potentielle Verkauf dieses Filetgrundstücks an fremde Investoren ernsthaft in Frage gestellt werden.“ Schließlich besitze die Stadt dann keine „weiteren strategisch nutzbaren Flächen im Stadtkern“. Prause hingegen befürchtet, dass die Stadt im Falle eines Verkaufs den Einfluss auf die künftige Nutzung verliere.

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