Sozialer Verpflichtung nachgekommen

„Volles Haus” am vergangenen Dienstagabend beim regionalen Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Ordenswerkes Johanniter im Kemptener Haubenschloß. Rund 60 geladene Gäste, darunter auch Landrat Gebhard Kaiser und Kemptens Bürgermeisterin Sibylle Knott, informieren sich über das historische wie gegenwärtige Schaffen des Ordenswerkes. Foto: Spielberg

„Unser soziales Leben fußt nicht nur auf einem Miteinander, sondern es funktioniert immer nur dann, wenn es ein Füreinander gibt”, so Landrat Gebhard Kaiser (CSU) in seiner Laudatio anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Johanniter Unfallhilfe am Dienstagabend . In der Regionalgeschäftsstelle im Haubenschloß blickten die Retter auf eine bewegte Geschichte zurück.

„Eine funktionierendes Gemeinwesen bedarf vieler ehrenamtlicher Leistungen ihrer Individuen und gerade mit Blick auf die Zukunft, müssen alle notwendigen Anstrengungen unternommen werden, um das Ehrenamt in der Gesellschaft lebendig zu halten”, appellierte der Landrat. „Es gibt über die Arbeit und die Freizeit hinaus, eine soziale Verpflichtung, sich in die Gesellschaft einzubringen”, so Kaiser und lobte vor allem das ehrenamtliche Engagement der Johanniter. Er sprach die vielen Tätigkeitsfelder des aus dem ehemaligen ritterlichen Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem entstandenen protestantischen Ordenswerkes an, die weit mehr umfassen als die Unfallhilfe. Vor allem das Engagement für ältere Mitmenschen lobte der Chef der Landkreisverwaltung. Bewegter Rückblick Zuvor hatte der Regionalvorsitzende der Johanniter-Unfallhilfe, Rüdiger Buß, die rund 60 Gäste am Abend willkommen geheißen und seiner Zuhörerschaft einen kurzen Abriss über die Geschichte des evangelischen Ordenswerkes gegeben. Am 7. April 1952 wurde die Johanniter-Unfallhilfe in Bad Pyrmont in das Vereinsregister eingetragen. Entstanden war die Vereinigung durch Initiative der damaligen britischen Besatzungsmacht. Diese versuchte auf dem Kontinent ein Pendant zur eigenen „St. John´s Ambulance” zu erschaffen. Das Angebot der Organisation umfasste damals Erste-Hilfe-Kurse, Mitwirkung im Luftschutzdienst und die Ausbildung der Bevölkerung für den Verteidigungsfall. Das Werk gedieh und schon bald fanden Einsatzkräfte des Ordens Verwendung bei Großeinsätzen. Verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse im Rahmen der Führerscheinausbildung, die Bereitstellung und der Unterhalt von Rettungshubschraubern, der Modellversuch „Essen auf Rädern” und zu guter letzt die Ausbildung und der Einsatz von Zivildienstleistenden kamen im Laufe der 70er Jahre dazu. Bei Einsätzen wie etwa dem beim ICE-Unglück im niedersächsischen Eschede 1998 oder bei der großen Flutkatastrophe 2002 entlang der Elbe waren logistische wie menschliche Herausforderungen. Immer wieder waren und sind die vielen haupt- wie ehrenamtlichen Helfer dabei an ihre persönlichen Belastungsgrenzen gegangen. Wie eine ausgleichende Belohnung erscheinen da Einsätze bei der Fußball WM 2006, oder die Kooperation mit der katholischen Schwesterorganisation Malteser-Hilfsdienst bei Kirchentagen oder beim Besuch von Papst Benedikt XVI in Köln 2005. In Kempten ist die Hilfsorganisation in der Haubenschloßstraße 6 untergebracht. Das Leistungsspektrum ist vielseitig. Es werden Angebote gemacht in den Bereichen Notfalldienste, Fahrdienste, Sanitätsdienste bei Veranstaltungen, ambulante Pflege und Beratung und bei der Kinder-, Jugend-, Demenz- und Seniorenbetreuung. Hierfür stehen in Kempten rund 50 festangestellte Mitarbeiter zur Verfügung. Diese werden von rund 200 ehrenamtlichen Helfern unterstützt.

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