Später Schwung

Die Werbetrommel war im Vorfeld kräftig gerührt worden. Dem entsprechend hohen Erwartungsdruck konnte „Mandela – Das Musical“ bei seiner gut besuchten Uraufführung vergangenes Wochenende im Theater in Kempten (TiK) allerdings nicht so ganz standhalten. Vermisste man in der ersten Hälfte bei manch hölzern wirkenden Szenen etwas den Schwung, nahm das Stück nach der Pause an Fahrt auf.

Im Mittelpunkt stand der Mensch Nelson Mandela, sein Fühlen sein Denken und sein starker Charakter – Faktoren, die ihn zum weltweiten Idol der Anti-Apartheidbewegung gemacht hatten. Angesichts des überaus charismatischen Vorbilds keine leichte Aufgabe für Charles M. Huber, vielen bekannt aus der Krimiserie „Der Alte“, der Rolle des Protagonisten gerecht zu werden. Statt in der Rolle des mit Leib und Seele engagierten und leidgeprüften Mannes aufzugehen, wirkte Hubers Spiel aber eher distanziert ohne den Funken überspringen zu lassen. Unerschütterlich an der Seite des 27 Jahre lang unter der Nummer 4666/4 inhaftierten Kämpfers für Gerechtigkeit, seine Frau Winnie Mandela, die mit Tina Ajala ausdrucksstark besetzt war. Die Unmenschlichkeit des südafrikanischen Regimes, bedingt durch das Menschen nach Hautfarbe klassifizierende koloniale Selbstverständnis, wurde gleichermaßen szenisch wie in der durchweg Live-Musik deutlich. Sowohl auf intellektueller als auch emotionaler Ebene wurde die Diskrepanz zwischen dem selbstherrlichen „weißen Südafrika“ und der demütigenden Situation der Unterdrückten zumindest angerissen. Eine mutige Entscheidung der a.gon Theaterproduktion München in Kooperation mit dem TiK, den schwierigen Stoff in einem Musical umzusetzen, was unter der Regie von Stefan Zimmermann insgesamt gelang. Trotz einiger Schwächen und dem ein oder anderen stimmlichen Manko der Akteure konnte das Publikum nicht zuletzt durch das engagiert spielende Ensemble aus Darstellern und Musikern einen Eindruck von Leben und Lebenswerk eines großen Mannes gewinnen. Unbestrittener Höhepunkt des Abends war allerdings die anschließende Premierenfeier, die das „Theater Oben“ mit zahlreichen Besuchern füllte. Zuvor in einer kurzen Gastrolle bereits in Erscheinung getreten, gab Tandile Mandela mit ihrer Band eine erstklassige Kostprobe indigener Musik aus ihrer Heimat Südafrika. Die Enkelin Nelson Mandelas, die mit vier ihrer Studenten erstmals nach Europa gekommen war, leitet ein Orchester für Traditionelle Afrikanische Musik an der Universität Fort Hare. Mit in unseren Breitengraden ungewöhnlichem Instrumentarium, Charme und Fröhlichkeit sorgten die südafrikanischen Gäste für ausgelassene Stimmung à la Afrika bis spät in die Nacht.

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