"Spannende Nutzung"

Seit acht Jahren kämpft der Förderverein gegen den Verfall des Beginenhauses. Fotos: Läufle

Ein „Zentrum für Buchkultur“ soll in naher Zukunft im Beginenhaus entstehen. Die Vorsitzende des Fördervereins Beginenhaus Kempten, Birgit Kata, stellte vergangene Woche im Kulturausschuss das Konzept dafür vor und erntete von den Stadträten viel Lob und Begeisterung. Geht es nach dem Förderverein soll schon 2013 mit der Sanierung von Beginenhaus und Nonnenturm begonnen werden. Allerdings geht das nur mit der Unterstützung der Stadt, denn das Vorhaben kostet schätzungsweise zwischen drei und vier Millionen Euro.

Dank des Einsatzes des 2003 gegründeten Fördervereins ist das über 650 Jahre alte Beginenhaus vor dem Verfall gerettet worden. Nachdem sich in mehreren Workshops eine Nutzung als „Zentrum für Buchkultur“ als ideal herauskristallisiert hat, möchte der Verein nun die Sanierung vorantreiben und das Konzept realisieren. Platz finden soll im Beginenhaus künftig die etwa 30 000 Bände umfassende historische Büchersammlung der Stadt, die seit Jahrzehnten nicht öffentlich zugänglich ist. „Der Bücherschatz ist über die ganze Stadt verstreut und derzeit nicht nutzbar“, so Kata. Der Verein plant nun die Einrichtung eines Lesesaals, einen Ausstellungsraum und eine Buchwerkstatt, damit diese Bücher nutzbar werden. Außerdem soll im westlichen Gewölbe des Nonnenturms ein Café entstehen. Die mittelalterliche Torhalle des Beginenhauses, in der früher das Restaurant „Europa“ war, soll in einen Veranstaltungsraum umgewandelt werden, der auch für Familienfeiern und Feste angemietet werden kann. Im ersten und zweiten Obergeschoss des Nonnenturms möchte der Förderverein Beginenhaus ein Museum der Reichsstadt Kempten einrichten, in dem in originalen Räumen die Wohnkultur des Mittelalters und der Renaissance erlebt werden kann. Auch die Geschichte des Beginenhauses und des Nonnenturms soll gezeigt werden. Der Mitteltrakt, der keine wertvolle Bausubstanz aufweist, wird durch einen Neubau ersetzt. „Hier kann dann ein Aufzug eingebaut werden, der Beginenhaus und Nonnenturm bedient und auch die Sanitäranlagen finden hier Platz“, erläuterte die Vorsitzende des Fördervereins. Das Dachgeschoss beider Häuser bleibt unausgebaut, um die wertvolle Originalsubstanz aus Mittelalter und Renaissance zu bewahren. Begeisterte Stadträte „Unsere Vorstellung ist, dass die Stadt die Räume mietet, in der die Bücher untergebracht werden“, erklärte Kata. Außerdem erhofft sich der Förderverein einen Zuschuss für die Sanierungskosten. Die liegen laut Kata Kostenschätzungen zufolge zwischen drei und vier Millionen Euro. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz habe dem Förderverein eine „ordentliche sechsstellige Summe in Aussicht gestellt – vorausgesetzt der Anteil der Stadt ist auch entsprechend“, so Kata. Der Verein selbst würde die Sanierung mit viel Eigenarbeit unterstützen und das Beginen- haus im Erbbaurecht von der Stadt übernehmen. Mit den Mieteinnahmen aus dem Café und den Räumen sollen die laufenden Kosten des Hauses abgedeckt werden. „Ich finde die Nutzung sehr gut und spannend“, lobte Kulturbeauftragte Hildegard Greiter (CSU). Auch ihr Parteikollege Andreas Kibler freute sich über die Entwicklung und meinte, dass er das Zentrum für Buchkultur sofort nutzen würde. Begeistert waren auch die beiden Grünen-Stadträtinnen Erna-Kathrein Groll und Carolin Brög. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) wünscht sich bis Herbst eine konkrete Kostenberechnung. „Wenn 2013 die Sanierung beginnen soll, müssen wir bis Herbst 2012 wissen, wie viel von der Stadt erwartet wird.“ Die Stadtverwaltung versucht im Gegenzug, den Bereich um das Beginenhaus als „Sanierungsgebiet“ auszuweisen. So könnten dann Städtebaufördermittel fließen.

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