Sparkasse Allgäu legt Bilanz für 2016 vor

Digitalisierung und Niedrigzins als "Herausforderungen"

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Die Sparkassen-Vorstände Manfred Hegedüs (li.) und Heribert Schwarz demonstrieren Rechnungsüberweisung per Foto.

Mit der Bilanzsumme von 4,28 Milliarden Euro liegt das Ergebnis der Sparkasse Allgäu für das Jahr 2016 zwar 0,4 Prozent unter dem des Vorjahres. Dennoch zeigten sich Vorstandsvorsitzender Manfred Hegedüs und Stellvertreter Heribert Schwarz in der Bilanz-Pressegespräch vergangene Woche zufrieden.

Rund 3,3 Milliarden Euro sind bei den gesamten Kundeneinlagen zu verzeichnen. Dass es 0,7 Prozent weniger sind als im Jahr zuvor liegt laut Schwarz einmal an der Schließung der Filiale im österreichischen Rietzlern/Kleinwalsertal und den damit verbundenen „Einlageumschichtungen“ – die deutschen Filialen allein betrachtet zeige sich ein Plus bei den Einlagen der Privatkunden von 5,8 Prozent –, aber auch an der Ankündigung von Negativzinsen. Letztere werden seit Beginn dieses Jahres von der Sparkasse Allgäu bei Geschäftskunden ab einer Einlage von 250.000 Euro erhoben. Und das nicht um Mehreinnahmen für die Sparkasse zu generieren, sondern man gebe damit lediglich den Aufwand dafür weiter, „dass Liquidität bei uns geparkt wird“, betonte Hegedüs. Zwar müssten aus wirtschaftlicher Sicht die 0,4 Prozent eigentlich „von allen Sparern“ verlangt werden, aber „wir stellen uns mit aller Kraft gegen eine Negativverzinsung privater Kunden“.

„Über 93 Prozent der Einlagen geben wir als Kredite wieder an Kunden“ und damit an die Wirtschaft zurück, so Schwarz. Im Jahr 2016 waren das knapp über 2,8 Milliarden Euro, eine Steigerung um 1,1 Prozent. Knapp 1,5 Milliarden Euro wurden an Unternehmen und Selbständige ausgereicht, rund 1,2 Milliarden an Privathaushalte und 75 Millionen Euro an Öffentliche Haushalte. An neuen Darlehen waren es rund 525 Millionen Euro – im Bereich Unternehmen und Selbständige 16 Millionen Euro weniger als im Vorjahr, da derzeit verstärkt Eigenkapital genutzt werde, was auch auf den Bereich Wohneigentum zutreffe. 215 Immobilien-Objekte konnten jedenfalls vermittelt werden. Positive Entwicklungen zeige auch der im vergangenen Jahr gestartete Mietservice.

Dem Bayerntrend entsprechend verzeichnete auch die Sparkasse Allgäu ein Minus von 30 Prozent bei Bausparverträgen, was von den beiden Vorständen dennoch als „gesunde Entwicklung“ gesehen wird, da sie im aktuellen Zinsumfeld weniger als Anlage genutzt werde, sondern nur noch von denen, „die auch Bauen wollen“.

Trotz des wegen Unsicherheiten bezüglich Brexit, China, Präsidentschaftswahlen in den USA oder Problemen mit Italienischen Banken „negativen Einstiegs ins Börsenjahr“, habe die Börse zum Jahresende einen „fulminanten Endspurt hingelegt“, bei über sieben Prozent Rendite. Hier gehe der Trend weg vom Tagesgeschäft, hin zu langfristigen Anlagen. Der Umsatz in 2016 bewegte sich bei rund 527 Milliarden Euro. Die Käufe von Wertpapieren und Fonds erlebten dennoch einen Rückgang um rund 8,3 Prozent.

Neben der Niedrigzinsphase sieht Hegedüs die zweite „große Herausforderung“ in der Digitalisierung und da habe man mit der Sparkassen-App und ihren 4,5 Millionen Nutzern die „meistgenutzte App in Deutschland“. So seien 2016 bereits „mehr als die Hälfte“ der Konten online geführt worden, bei 72 Prozent werde das elektronische Postfach genutzt und auch für den Kontowecker konnte er einen Zuwachs von 30 Prozent vermelden. An die 21.000 Zugriffe verzeichnet die Internet-Filiale, laut Hegedüs „die größte Filiale die wir haben“, pro Tag. Im Zuge des Online-Vertriebsausbaus wurde vergangene Woche auch der neue Internetauftritt frei geschaltet. Die „technische Neuheit“, Rechnungen mit dem Smartphone abzufotografieren und so gleich überweisen zu können sowie den vor allem von jungen Leuten bereits genutzten Geldsende-Dienst namens „Kwitt“, führte Hegedüs gleich vor.

Rund 60 Dienstleistungen können Sparkassen-Kunden über die Telefon-Filialen abwickeln. Rund 480.000 Anrufe (+ 42 Prozent) wurden 2016 abgewickelt, laut Hegedüs 92 Prozent davon „fallabschließend“. Die gute Annahme des Service habe neue Arbeitsplätze in der Telefon-Filiale geschaffen und die Öffnungszeiten seien neben den Wochentagen von 8 bis 20 Uhr um Samstag von 10 bis 16 Uhr erweitert worden.

Mit 875 Mitarbeitern sei die Sparkasse Allgäu einer der „großen Arbeitgeber der Region“, der zudem großen Wert auf Aus- und Weiterbildung lege: rund 760 Mitarbeiter haben im vergangenen Jahr an Fortbildungen teilgenommen, 66 werden aktuell zum Bankkaufmann bzw. Bachelor of Arts ausgebildet.

Darüber hinaus sei die Sparkasse Allgäu nicht nur ein „verlässlicher Steuerzahler“ – in 2016 an Gewerbe- und Körperschaftssteuer knapp 7,5 Millionen Euro –, sondern übernehme auch gesellschaftliche Verantwortung: Erst vor wenigen Tagen habe man 900.000 Euro an etwa 450 Vereine und gemeinnützige Organisationen verteilt. Die Sparkassenstiftung konnte um 500.000 Euro auf nun 13,5 Millionen Euro aufgestockt werden. Seit letztem Jahr biete auch die Internet-Spendenplattform „gut-für-das-Allgäu“ Möglichkeiten für gemeinnützige Projekte Geld zu sammeln.

Hegedüs gab an, dass für das kommende Jahr „keine Veränderungen im Vertriebsnetz geplant“ seien; keine weiteren Filialschließungen und auch kein betriebsbedingter Stellenabbau oder Gebührenerhöhungen für Kunden. Man freue sich auf die Eröffnung des Neubaus der Hauptstelle, der „nötig“ und wirtschaftlich sinnvoll sei, wie er versicherte. Wie er einräumte, habe die Sparkasse Allgäu angesichts der niedrigen- bzw. Negativzinsen, ihre Investitionen stärker in den Bereich Immobilien verlegt. Zwar seien abgesehen von den Baumaßnahmen in Kempten – in der Umsetzung Neubau Hauptstelle und die vorgesehene Umnutzung des Bereichs Sparkassenarkaden an der Königstraße – keine weiteren geplant, aber „Filialen werden schneller mal saniert“.  Christine Tröger

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