Weltweite Neuheit

Mehr Wasserkraft für das Allgäu

+
In diesem Projekt kommt die Technologie der VLH-Turbine erstmals in einem alpinen Wildfluss mit hohem Geschiebe- und Treibholzanteil zum Einsatz. In Verbindung mit dem dynamischen Schlauchwehr ist es weltweit die erste Umsetzung einer solchen Wasserkraftanlage.

Kempten/Sulzberg – „Ein Tag der Freude“, so fasste es Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle am Rednerpult zusammen.

Kiechle wohnte gemeinsam mit dem Staatssekretär des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, dem Landrat des Oberallgäus, Anton Klotz, und AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke dem Spatenstich zum Baubeginn des neuen AÜW-Laufwasserkraftwerkes in Sulzberg im Ortsteil Au bei.

Thomas Kiechle verwies in seiner Rede auf die besondere historische Besonderheit an dieser Stelle der Iller. Denn hier, wo dereinst der Kemptener Karl Böhm das Wasser der Iller zur Energieerzeugung nutzte und Begründer des Allgäuer Überlandwerkes wurde, entsteht mit einer Investitionssumme von 8,7 Millionen Euro ein neues Laufwasserkraftwerk. Dieses ist in seiner Dimension wesentlich kleiner als das mit vielen Auszeichnungen bedachte AÜW-Wasserkraftwerk in Kempten, allerdings weist es besondere technische Merkmale auf. Das Besondere am Laufwasserkraftwerk in Sulzberg ist die erstmals in Deutschland eingesetzt Technologie der „Very Low Head“-Turbine (VLH), die in der Kombination mit einer variablen Stauzielregelung durch ein wassergefülltes Schlauchwehr eine weltweite Neuheit ist.

Charakteristika dieser speziellen Turbine ist ihre gute Fischverträglichkeit. Es ermöglicht den Fischen ein flussabwärts Schwimmen durch eine extrem langsam drehende, horizontal verlaufende Turbine. So soll die Wasserkraftnutzung, immerhin wird nach Inbetriebnahme der Anlage Ende 2015 eine jährliche Energieerzeugung von 3900 MWh generiert (das heißt, Versorgung von circa 1100 Haushalten mit Strom), mit der Gewässerökologie in Einklang gebracht werden. Im Jahre 2016 soll durch ein staatlich finanziertes Monitoring der Nachweis der Fischverträglichkeit erbracht wer- den. Staatssekretär Franz Josef Pschierer hierzu: „In Bezug auf Wasserkraft will der Freistaat Bayern deren Anlagen fischverträglicher gestalten. Über das Förderprogramm BayINVENT unterstützen wir dieses innovative Projekt mit rund 1,4 Millionen Euro. Ziel ist es unser Wissen in diesem Bereich zu erweitern und Erkenntnisse aus diesem Projekt gegebenenfalls auf andere Standorte in Bayern zu übertragen.“

Dass es notwendig war im Vorfeld des Projektes mit Sulzberger Landwirten in der Au zu sprechen, betonte Landrat Anton Klotz in seiner Ansprache. Die befürchteten nämlich, dass durch die gewisse Aufstauung der Iller der Grundwasserspiegel steigen würde und ihre Habitate verwässern würde. Bei diesen Aussprachen vor Ort im Wirtshaus ging es „so deftig“ zu, so Klotz, dass für das zugereiste „Nordlicht“ AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke die Zuhilfenahme eines „Übersetzers“ nötig wurde.

Der Landrat verwies in seiner Ansprache auch auf die ambitionierten Klimaziele des Landkreises Oberallgäu hin. Bis zum Jahr 2022 soll rund 70 Prozent des benötigten Energiebedarfes aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Heute liegt dieser Anteil bei rund 36 Prozent. Somit muss sich der Anteil der regenerativen Energien am Energiemix praktisch verdoppeln. Ein hohes Ziel, das Anton Klotz aber in Bezug auf die Nutzung von Wasserkraft für erreichbar hält, nicht aber bei der Nutzung von Windenergie.

Klotz wird in Anwesenheit von Staatssekretär Franz Josef Pschierer deutlich: „Es ist unsere eigene Staatsregierung, die uns immer wieder neue Hürden auferlegt, die es tatsächlich verhindern wird, dass wir dieses Ziel erreichen.“ Nach Einschätzung des Landrates ist durch den Beschluss des Bayerischen Landtages zum Bau von Windkraftanlagen die Windkraft im Allgäu „tot“. Klotz bedauerte, dass von den einst 40 geplanten Windkraftanlagen beim Energiemix nun nur auf die bestehenden 17 Anlagen zurückgegriffen werde könne. Der Landrat spricht die unbequeme Wahrheit aus: „Die Erreichung der gesteckten Ziele zum Energiemix sind so im gesteckten zeitlichen Rahmen nicht mehr zu erreichen.“ Umso mehr freute sich Klotz auf den Spatenstich des neuen Wasserlaufkraftwerkes mit seiner techni- schen Innovation der „Very Low Head“-Turbine. Großen Dank und Lob sprach er dem AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke stellvertretend für das gesamte AÜW aus und bedankte sich auch bei den anderen Beteiligten, wie dem Umweltamt, dem Fischereiwesen und den Sulzberger Landwirten.

Jörg Spielberg

Auch interessant

Meistgelesen

Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu
Kutter wird fündig
Kutter wird fündig

Kommentare