Der Waltenhofener Ortsteil sucht seine Mitte

Weichen stellen in Hegge

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V.l.n.r. Markus Dering, Leiter Kindertagesstätte Waltenhofen-Hegge, Nathalie Keibe, Mitarbeiterin Kindertagesstätte Waltenhofen-Hegge, Rita Schösser, SPD-Gemeinderätin Waltenhofen und SPD-Bundestagskandidatin Katharina Schrader.

"Irgendwie sind wir immer die Dummen, wir haben viele ältere Menschen, wir haben Flüchtlinge aufgenommen, wir sind „umzingelt“ von Gewerbe, haben kaum Grünanlagen, keinen richtigen Ortskern, aber wenn wir einen Bürgertreff wollen, dann legen sich alle Verantwortlichen quer“,

äußert sich eine verärgerte Bewohnerin von Hegge bei einer Bürgerversammlung diese Woche in der Pizzeria „Etna” am Sportplatz in Hegge.

Eingeladen zum Bürgertreff hatte der SPD-Ortsverband Waltenhofen, um sich mit interessierten Bürgern über die Errichtung eines „Familienzentrums“ auszutauschen. Die Schaffung eines solchen hatte der Leiter der hiesigen Kindertagesstätte Markus Dering ins Spiel gebracht, seit er im Juni dieses Jahres bei einer Sitzung des Gemeinderates Waltenhofen die Errichtung eines Familienzentrums/Bürgertreffs den Gemeinderäten vorgeschlagen hatte. In naher Zukunft steht der Neubau der Kindertagesstätte von Waltenhofen-Hegge an und das brachte Markus Dering und seine Kollegin Nathalie Keibe auf die Idee, zeitgleich und an selber Stelle Räumlichkeiten für ein neues „Familienzentrum“ zu schaffen. Die Idee wurde bereits in Stuttgart, Ludwigsburg und Düsseldorf in die Praxis umgesetzt und so hatte der SPD-Ortsverband Waltenhofen Rudolf Göser eingeladen, der als sebstständiger Berater für Unternehmensentwicklung den Aufbau eines „Familienzentrums“ in der Diözese Rottenburg-Stuttgart begleitet hat. Ein „Familienzentrum“ ist kein scharf definierter Begriff für einen öffentlichen Sozialraum, sondern ist die Bezeichnung für den Versuch, einen Bürgertreff mit Angeboten für Kinder, Eltern und Senioren zu schaffen, der sowohl von Ehrenämtlern wie professionellen Erzieherinnen und Sozialarbeitern betrieben wird.

Mehr Ehrenamt geht nicht

Angebote dieser Art gibt es bereits in Hegge wie zum Beispiel das „Elterncafé“, allerdings obliegt deren Betrieb in der Regel ausschließlich dem Engagement von ehrenamtlich tätigen Bürgern vor Ort, die sich in ihrer Mehrheit nichts mehr herbeiwünschen als einen sozialen Treffpunkt für den Ortsteil Hegge. Einen Ort, an dem sich Alt und Jung zwanglos treffen und austauschen können. „Mehr Ehrenamt geht einfach nicht“, wusste die selbst als Integrationsbeauftragte ehrenamtlich tätige Nathalie Keibe zu berichten und richtet einen Appell an die anwesende SPD-Gemeinderätin Rita Schösser und die ebenfalls anwesende SPD-Bundestagskandidatin Katharina Schrader, sich dafür einzusetzen, dass mit dem Neubau der Kindertagesstätte auch Raum für ein „Familienzentrum“ geschaffen wird. Deutlich wird an dem Abend, dem rund 30 interessierte Bürger aus Hegge beiwohnen, dass sich viele der Gemeinde Waltenhofen nicht wirklich zugehörig fühlen. Die Gemeinde besteht aus unterschiedlichen Ortsteilen wie Oberdorf, Matinszell, Memhölz, Lanzen und eben Hegge, das mit seiner Einwohnerstruktur aus vielen älteren Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund so gar nicht in das „dörfliche Idyll“ der anderen Ortsteile passen mag.

Derzeit entsteht in Hegge „Am Illerbogen“ ein neues Wohngebiet mit 120 Ketten-, Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäusern mit 24.000 Quadratmetern Wohnfläche auf rund 88.000 Quadratmetern Gesamtfläche. Familien mit Kindern werden zuziehen und der Ortsteil Hegge wird sich nach Ansicht einiger Anwesender zumindest langfristig überlegen müssen, wem er sich näher verbunden fühlt, der Gemeinde Waltenhofen oder der Stadt Kempten. In Kempten konnten Stadtteilen wie Sankt Mang, Thingers und zukünftig Kempten-Ost im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ Gelder zur Stadtteilentwicklung zur Verfügung gestellt werden.

Jörg Spielberg

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