Spektakuläre Flutung

Vergangenen Freitag wurde das neue Wasserkraftwerk des Allgäuer Überlandwerks (AÜW) in der Keselstraße geflutet. Damit liefert das neu gebaute Wasserkraftwerk Strom aus umweltfreundlicher Wasserkraft für rund 3000 Haushalte. Die feierliche Eröffnung des neuen Wasserkraftwerks sowie ein „Tag der offenen Tür“ finden nach der finalen Fertigstellung im Juli statt.

Fast genau zwei Jahre und einen Monat nach dem ersten Spatenstich für das neue Wasserkraftwerk feierte das AÜW das „Drehfest“. Das „Drehfest“ ist beim Wasserkraftwerksbau eine alte Tradition: Gefeiert wird der Moment, wenn sich das Turbinenrad das erste Mal bewegt, indem die Iller durch die Turbinen des neu gebauten Wasserkraftwerkes strömt. Im neuen Wasserkraftwerk werden künftig circa 10,5 Millionen Kilowattstunden CO2-freier Strom jährlich produziert. „Damit können rund 3000 Haushalte versorgt und etwa 5400 Tonnen der schädlichen CO2-Emissionen vermieden werden“, rechnete Michael Lucke, Geschäftsführer des AÜW, vor, während er am Drehfest die Details erklärte. Die beiden Kaplanturbinen stammen von der Firma AndritzHydro aus Ravensburg. Jede Turbine hat einen Nenndurchfluss (Schluckvermögen) von 32 Kubikmeter pro Sekunde. „Stellen Sie sich vor, dass auf der Allgäuer Festwoche 32 000 Biermaßkrüge pro Sekunde ausgetrunken werden. Dann wissen Sie, was bei uns eine Turbine in der Sekunde schluckt, um umweltfreundlichen Strom herzustellen“, erklärte Lucke den Turbinennenndurchfluss plastisch. Gut, dass es in diesem Fall Wasser ist, was der Iller wieder zugeführt wird. Östlich und westlich der Iller ragen die imposanten, denkmalgeschützten Bauten der ehemaligen Spinnerei/Weberei in die Höhe. Dazwischen steht das neu gebaute Wasserkraftwerk, das in Form und Farbe an dynamische Flusselemente erinnert. Noch bis in das kommende Jahr wird an der Außenanlage und am Dach des neuen Kraftwerkes gearbeitet. Bis jetzt sind über 11 000 Kubikmeter Beton und mehr als 770 Tonnen Stahl verbaut. Und auch der gesetzlich geforderte Lärmschutz für Wohngebiete ist in zweifacher Hinsicht erfüllt. Zum einen durch entsprechende Schallschutz-Maßnahmen an und in den Gebäuden. Zum anderen, weil wegen einer Kapazitätssteigerung des Werkes künftig noch seltener Wasser in großen Mengen über die Wehrkrone fließt, es also weniger rauscht. Ob das neue Kraftwerk nach Abschluss aller Schönheitskorrekturen dann wie eine gefrorene Welle, eine Gletscherzunge oder ein sternförmig geschliffener Flussstein aussieht, davon können sich Interessierte im kommenden Jahr beim „Tag der offenen Tür“ am 11. Juli überzeugen. Die Bauzeit dauerte insgesamt zwei Jahre. Dabei musste die eine oder andere Hürde genommen werden. Die größte Hürde: die „Baugrubensicherung“. Bei der Planung des neuen Wasser-kraftwerkes gingen die Ingenieure davon aus, dass der Fels im Uferbereich in sich geschlossen – also fest – ist. Beim Start des Baus stellte sich jedoch schnell heraus, dass diese Annahme falsch war. Statt auf eine feste Struktur sind die Bauarbeiter auf eine „glüftige“ Felsstruktur gestoßen. Damit der Fels nicht auseinander bricht, mussten die Brocken des Felses „zusammengenagelt“ werden. „Für das Zusammennageln des Felses haben wir Stahlnägel mit einem Durchmesser von 28 bis 40 Millimeter und bis zu zwölf Meter Länge verwendet“, erklärt Walter Feßler, Leiter der Abteilung Anlagen/Kraftwerksbetriebe beim AÜW. „Mit diesen Stahlnägeln wurden die einzelnen Felsbrocken – die man sich ungefähr so groß wie ein Zimmer vorstellen kann – zusammengenagelt,“ so Feßler. Dabei wurde von oben nach unten vorgegangen – und das über eine Gesamthöhe von 20 Meter.

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