Spektakuläre Vorführungen

Der Löschversuch von überhitztem Öl mit Wasser beeindruckte die Zuschauer beim Aktionstag der Freiwilligen Feuerwehr Kempten auf dem Residenzplatz. Foto: Tröger

Mit einem Großaufgebot war die Freiwillige Feuerwehr Kempten vergangene Woche auf dem Residenzplatz zu Gange. Nicht im Notfall-Einsatz, sondern um rund 150 Interessierten ihr breites Leistungsspektrum zu präsentieren. Wer wollte, konnte auch selbst Hand anlegen und ein Kraftfahrzeug per speziellem Hebekissen anheben, das Tragegefühl eines Chemikalienschutzanzuges erleben, oder mit dem Handfeuerlöscher einen kleinen Brand löschen. Als zweites Ziel der Aktion nannte Feuerwehr-Pressebeauftragter Florian Fastner „das Werben neuer Mitglieder“.

Wie Stadtbrandrat Andreas Hofer gegenüber dem KREISBOTEN einräumte, gebe es beim Nachwuchs „ein Loch bei den 12- bis 14-Jährigen“. Deshalb seien 1500 Jugendliche im adäquaten Alter angeschrieben und zum Aktionstag eingeladen worden. „Es wird immer schwieriger sie zu begeistern“, nannte er Gameboy und Co. als einen Grund. „Es ist aber kein Feuerwehr spezifisches Problem“, betonte er. Seien die Jugendlichen erst einmal da, blieben sie in der Regel dabei. Mehr Frauen erwünscht Eine „offene Tür“ habe die Feuerwehr auch für Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund, gute deutsche Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Ein höherer Frauenanteil als die derzeit geschätzten acht Prozent der insgesamt 440 aktiven ehrenamtlichen Kemptener Feuerwehrlern wäre Hofer ebenso willkommen. „Frauen sind stressresistenter“ als Männer und würden „beruhigend wirken“, so seine Erfahrung. Zahlreiche Vorführungen füllten die zweistündige Veranstaltung. Unter anderem wurde ein fiktiv Verletzter höchst professionell aus einem Unfallauto geschnitten. „Es gibt so genannte Rettungskarten, wo die besten Schnittstellen eingezeichnet sind“, wünschte sich Feuerwehrmann Clemens Müller, dass jedes Fahrzeug entsprechend damit bestückt sei. Übersichtlich stapelten sich allerlei Behältnisse im Gerätewagen für Gefahrgut. Lediglich „radioaktive Sachen können nicht behandelt werden, sonst alles“, meinte Klaus Freymann, Sicherheits- beauftragter der Feuerwehr Stadtgebiet, während er in den mehrere Ordner füllenden 2900 Merkblättern zu ebenso vielen Gefahrstoffen blätterte. Komplex gestaltet sich der aufgebaute Platz zur Dekontamination von Personen. Spektakulär in Schutzanzügen und Atemschutzgeräten veranschaulichen die Fachleute ein realistisches Einsatzszenario. Ein Zwölf-Kilogramm-Löscher „reicht höchstens für Entstehungsbrände“ bei 15 bis 20 Sekunden Betriebszeit, klärte Siegfried Herb, Kommandant des Löschzuges 4, auf, während Zuschauer damit hantierten. Was passiert, wenn man den Deckel eines Kochgefäßes mit überhitztem Öl öffnet, und dann auch noch versucht mit Wasser zu löschen? Die Demonstration mit riesiger Stichflamme dürfte den meisten Zuschauern nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Und auch die „Strahlrohrserenade“ zum Schluss – eine Einlage mit Wasserstrahl-Choreographie zu Sirtaki-Musik – kam bestens an.

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