Feuerwehren machen Werbung

Meterhohe Stichflammen

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Von Kindesbeinen lernt man immer, dass Feuer mit Wasser gelöscht wird. Bei Fettbränden hat dies allerdings eine fatale Wirkung. Ein Viertelliter Wasser führt, wie hier beim Aktionstag der Feuerwehren in Dietmannsried demonstriert wurde, zu einer schlagartigen Ausdehnung des brennenden Fetts um das 1600-1700-fache, also zu einer riesigen Stichflamme. Daher lieber: Deckel drauf, Energiezufuhr weg und den brennenden Topf keinesfalls ins Wasser stellen.

Dietmannsried – Die Freiwillige Feuerwehr Dietmannsried lud die Bevölkerung am vergangenen Samstag zu einem Aktionstag auf dem Carry-Le-Rouet-Platz ein.

Die fünf Ortswehren der Marktgemeinde hatten ein aufwändiges, interessantes Programm vorbereitet, bei dem sie ihr Können demonstrierten und sicher bei dem einen oder anderen jungen Besucher den brennenden Wunsch weckten: Da will ich auch mitmachen!

Der Nachmittag machte eines ganz klar: Ohne die vielen ehrenamtlichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die sich nicht scheuen, viel Zeit und Energie aufzubieten und 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr zum Schutz und zur Rettung der Bürger parat zu sein, würden wir oft ganz schön schlecht dastehen. „Die Bevölkerung erwartet von der Feuerwehr, dass sie Tag und Nacht zur Stelle ist, bei schönem und schlechtem Wetter, im Sommer wie im Winter“, betonte auch Bürgermeister Hans-Peter Koch in seinen Eröffnungsworten. „Da sollte man eigentlich davon ausgehen, dass das Interesse der Gesamtbevölkerung größer sein müsste“, verlieh er seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, dass nur relativ wenige Besucher den so aufwändig vorbereiteten Aktionstag besuchten.

Die, die gekommen waren, konnten aber so Einiges erleben und lernen. Zwei Stunden lang zeigten die fünf Ortswehren der einzelnen Gemeindeteile – also Dietmannsried, Probstried, Schrattenbach, Reicholzried und Überbach – in kleinen, von Gruppenführer und Vorstand Udo Eugler per Mikrofon gut nachvollziehbar erläuterten Vorführungen einen Teil der vielfältigen Einsatzgebiete der Feuerwehr.

Bei der Feuerwehr Überbach ging es im wahrsten Wortsinn heiß her. Die Kameraden demonstrierten eindrucksvoll (mit Knalleffekten und meterhohen Stichflammen), was passiert, wenn eine Spraydose überhitzt und welch verheerenden Schaden der Versuch anrichtet, brennendes Fett mit Feuer zu löschen. Einige Freiwillige, darunter auch Rathauschef Koch, durften sich danach in der richtigen Handhabung eines Handfeuerlöschers versuchen. „Jeder Haushalt sollte über mindestens einen Feuerlöscher verfügen“, mahnte Udo Eugler. Dabei sollte man unbedingt auf Markenprodukte zurückgreifen. Die ca. 100 Euro sind gut angelegtes Geld, denn „zwei Drittel aller Brände sind Entstehungs- brände, die jeder Laie mit dem richtigen Löschgerät löschen könnte.“

Die Reicholzrieder Wehr führte den Schaum- und Wasseraufbau vor und tränkte dabei die Wiese zur benachbarten Fabrik ausgiebig mit weißem Schaum. Welchen immensen Aufwand die Bergung eines Verletzten aus einem Unfallwagen bedeuten kann, verdeutlichte die Dietmannsrieder Stützpunktwehr, die einen „Verletzten“ aus einem Wagen schnitt, indem sie in kürzester Zeit dessen komplettes Dach entfernte. Die Schrattenbacher Kameraden stellten die kräftezehrende Arbeit mit Atemschutzgerät in einem völlig verrauchten Gebäude nach, während die Probstrieder Kameraden die Handhabung eines Heuwehrgerätes (zur Messung der Hitze in einem Heustock) erklärten.

Auch die Jugendfeuerwehr durfte ihr Wissen und Geschick in kleinen Übungen zur Schau stellen. „Mit diesem Aktionstag wollen wir zeigen, was es bedeutet, in der Feuerwehr aktiv zu sein, welches Wissen nötig ist und welche Techniken angewendet werden. Zudem hoffen wir natürlich, junge Leute damit anzusprechen, die dann auch bei uns mitmachen möchten“, so der 1. Kommandant Harald Bastian.

Bisher 34 Einsätze

Im gesamten Gemeindegebiet sind derzeit 246 Feuerwehrleute aktiv, darunter 35 Jugendliche und insgesamt 16 Frauen und Mädchen. In diesem Jahr wurden sie bislang zu 34 Einsätzen, darunter einigen auf der Autobahn, gerufen (durchschnittlich sind es 50 bis 60 pro Jahr). Den Kameraden stehen insgesamt neun Fahrzeuge mit teils unterschiedlichen Ausstattungen zur Verfügung – nächstes Jahr bekommt Dietmannsried ein nagelneues Fahrzeug als Ersatz für einen mittlerweile veralteten Wagen, der 33 Jahre genutzt werden konnte.

Eines durfte bei alledem natürlich nicht fehlen: Am Schluss der Veranstaltung am Samstag durften die kleinen Besucher im Prachtstück der Sammlung, einem auf Hochglanz restaurierten Klöckner-Humboldt- Deutz-Oldtimer, Baujahr 1961, ihre Runden durch die Gemeinde drehen.

Sabine Stodal

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