"Spezielle Atmosphäre"

Ragnar Söderlind (Mitte) bei Fürstensaal Classix 2009 zusammen mit Lis Berthaud (links) und dem künstlerischen Leiter des Kammermusikfestivals, Oliver Triendl. Foto: Tröger

Kommenden Sonntag startet das 7. Internationale Festival der Kammermusik „Fürstensaal Classix“ im Kemptener Stadttheater, vom 16. bis 23. September, unter dem Motto: „Éljen a Magyar! Ungarn: Kammermusik mit Paprika“. Neben dem diesjährigen Composer-in-Residence, Lázló Tihanyi, wird auch der norwegische Komponist Ragnar Söderlind, der als Composer-in-Residence 2009 das Kemptener Publikum begeistert hatte, für einige Tage anwesend sein und eine Uraufführung beisteuern. Der KREISBOTE sprach mit ihm über seinen erneuten Aufenthalt in Kempten und bei „Fürstensaal Classix“.

Herr Söderlind, stimmt es, dass Ihnen der Aufenthalt 2009 in Kempten, als Sie Composer-in-Residence bei “Fürstensaal Classix” waren, so gut gefallen hat, dass Sie unbedingt wieder kommen wollten? Söderlind: „Ich habe den Aufenthalt in Kempten sehr genossen. Ich mochte die – dank dem Publikum – gemütliche Atmosphäre sehr und nicht zuletzt das vielfältige Programm abseits des üblichen Repertoires.“ Passend zum diesjährigen Festivalmotto, steuern Sie eine Komposition über eine Ungarische Stadt namens „Szetendre“ bei, die im Rahmen von „Fürstensaal Classix“ auch uraufgeführt werden wird. Was war zuerst da: Die Idee, das Stück für das Festival zu komponieren oder die Komposition, die Sie dazu inspiriert hat, sie nach Kempten zu bringen? Söderlind: „Oliver Triendl bat mich, ein Ungarisches Stück für Bratsche und Klavier zu schreiben. Er hatte mich schon früher einmal gefragt, ob ich Ungarn besucht hätte. Ich war 1985 mit dem deutsch-norwegisch-amerikanischen Geiger Ragin Wenk-Wolff dort. Wir beschäftigten uns mit Zigeunermusik, um Inspirationen für ein Violinkonzert zu bekommen, das ich im folgenden Jahr dann schrieb. Von Budapest aus unternahmen wir einen kleinen Ausflug in die entzückende Stadt Szentendre. Sie strahlte eine spezielle Atmosphäre aus und ich dachte, dass ich den Impuls, den ich dort erhielt in ein kleineres Stück einfließen lassen könnte. Dank Olivers Enthusiasmus für das Spiel der Bratscherin Enikö Magyar wurde diese Idee dann 27 Jahre später in die Tat umgesetzt.“ Selbstverständlich werden Sie den Composer-in-Residence 2012, László Tihanyi, während Ihres Aufenthalts in Kempten treffen. Sind Sie sich schon früher persönlich begegnet und sind Sie mit seinem Werk vertraut? Söderlind: „Ich bedaure sehr, dass ich die Musik von László Tihanyi noch nicht kenne. Natürlich wird es sehr interessant sein ihn zu treffen und seine Musik zu hören.“ Glauben Sie, dass Ihre Komposition über ein Ungarisches Thema, geschrieben von einem waschechten Norweger, vor dem kritischen Ohr eines ebenso waschechten Ungarischen Komponisten bestehen kann? Söderlind: „Meine Musik wird immer eine Skandinavische sein, aber ich darf die gleiche Rolle einnehmen, wie einst George Gershwin, als er versuchte die Pariser Atmosphäre für „Ein Amerikaner in Paris“ einzufangen. Ursprünglich wollte ich das Stück „Ein Norweger in Ungarn“ nennen, aber das fühlte sich wie eine Art Plagiat an. Es ist bei allen Künstlern üblich, dass sie etwas von ihren Reisen erzählen, man denke zum Beispiel an Goethes „Italienische Reise“ oder Turners fantastische Landschaftsbilder desselben Landes. Als Komponist aus dem Norden Deutschlands schuf Brahms seine berühmten Ungarischen Tänze.“ Worauf freuen Sie sich bei Ihrem erneuten Aufenthalt in Kempten am meisten und was möchten Sie Ihrer Frau, die sie diesmal begleiten wird, unbedingt zeigen? Söderlind: „Kempten ist für mich eine nette, kleine und irgendwie auch ‘entschleunigte Stadt’. Das möchte ich meiner Frau gerne zeigen. Es wird uns die Möglichkeit oder auch den Raum zum Reflektieren geben, um die Eindrücke zwischen den immer brillanten Aufführungen mit all der interessanten Musik, die dieses Festival anzubieten imstande ist, zu vertiefen.“ Herr Söderlind, wir bedanken uns für das Gespräch.

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