Oma gesucht, Familie gefunden

"Paten-Großelternprojekt" vermittelt Omas und Opas in Haldenwang

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Meistens treffen sie sich alle gemeinsam: Veronika Ferstl (l.) mit Daniel und Patengroßmutter Judith Gabler (r.).

Judith Gabler und Veronika Ferstl haben sich über das „Paten-Großelternprojekt“ der Freiwilligenbörse Haldenwang kennengelernt. Der fünfjährige Daniel Ferstl hat jetzt eine ganze „Paten-Familie“, Judith Gabler einen „Enkel“ und Daniels Mutter eine neue Freundin.

„Ich kann die Welt wieder mit Kinderaugen sehen“, sagt Judith Gabler und ihre Augen leuchten dabei. Es ist ein sonniger Montagnachmittag. Sie und Veronika Ferstl sitzen auf einer Spielplatz-Bank im Kindergarten Börwang und schauen Daniel beim Buddeln im Sand zu. „Da sind Pilze!“, ruft der blonde Junge und läuft zu den Frauen, um seinen Fund zu zeigen.

Seit Oktober 2016 kennen sich die drei nun und treffen sich meistens einmal die Woche bei den Gablers zu Hause. Dort verbringen sie mehrere Stunden zusammen. „Da spielen wir“, sagt Daniel, „es gibt einen Schlauch, mit dem machen wir die Füße nass!“ Aber die Familien essen auch manchmal zusammen. Ein Lieblingsgericht hat Daniel noch nicht wirklich, aber Wienerle schmecken ihm bei Gablers am besten, sagt er. Daniel erzählt jetzt viel von Wolfgang, seinem Paten-Opa, der oft mit ihm spielt, oder von dessen Sohn und seiner Freundin.

Zu Stande gekommen ist der Kontakt über Claudia Fischer, der Kindergartenleiterin in Börwang und Familienbeauftragten von Haldenwang. Das Ziel des „Patengroßeltern-Projektes“ ist, Familien, deren echte Großeltern weit entfernt wohnen, mit Paten-Großeltern vor Ort zusammenzubringen und ihnen so eine Unterstützung im Alltag zu geben. Derzeit treffen sich in der Gemeinde sieben solcher Paare regelmäßig.

„Oma“ Judith Gabler, die in Teilzeit arbeitet, hat den Aufruf zum „Patengroßeltern-Projekt“ im Mitteilungsblatt der Gemeinde gelesen und sich gemeldet. „Ich wollte mich sozial engagieren und habe mich spontan dafür entschieden“, sagt sie. Ihre Kinder sind zwar erwachsen, aber selbst hat sie noch keine Enkel und genießt die Zeit mit Daniel und seiner Mutter. „Jetzt erinnere ich mich wieder öfter daran, wie es war, als unsere Kinder noch klein waren“, erzählt sie. Meist sind die Paten-Großeltern zwischen 50 und 60 Jahre alt, wenn sie sich Enkel-Kontakt wünschen und bei Claudia Fischer melden.

Claudia Fischer war es auch, die Veronika Ferstl fragte, ob sie Interesse an Paten-Großeltern hätte. „Meine Eltern sind weit weg, in der Slowakei. Sie sehen Daniel kaum, da sie schon über 80 Jahre alt sind“, erzählt die alleinerziehende Mutter. So hat sie das Angebot gerne angenommen. Meist finden die Treffen nun montags oder mittwochs statt, wenn Veronika Ferstl Daniel vom Kindergarten geholt hat. „Judith kennt mich fast besser, als meine eigene Mutter“, sagt sie mit leichtem Akzent und lacht in Richtung der „Paten-Großmutter“, „ich kann mit meinen Problemen zu ihr kommen.“

Aber Veronika Ferstl mag am Projekt auch, dass Daniel Kontakt zur älteren Generation hat und von ihr lernen kann.

Das Wichtigste ist, dass sich alle verstehen, sagt Judith Gabler und Veronika Ferstl nickt. Claudia Fischer erkundigt sich nach den ersten Treffen ihrer Schützlinge immer, ob alles in Ordnung ist und die Chemie stimmt. Falls Großeltern und Enkel nicht zusammenpassen und falls sich die Paare scheuen, die unangenehme Wahrheit selbst zu übermitteln, oder die Verbindung zu lösen, übernimmt das Claudia Fischer für sie. „Man kann jederzeit aufhören. Aber bisher gab es erst eine ungünstige Verbindung“, sagt die Kindergartenleiterin. Da sie beide Parteien im Vorfeld kennt, kann sie abschätzen, wer zueinander passen könnte. Fischer steht aber auch bei anderen pädagogischen Problemen oder Fragen zur Verfügung.

Im Moment gibt es mehr Familien, die auf der Suche nach Großeltern sind als anders herum. „Ich habe zwei Familien mit jeweils drei Kindern, die dringend suchen“, erklärt Claudia Fischer. Auch wenn es die betroffene Familie schon entlasten würde, mit nur einem der Kinder spazieren zu gehen, scheuen sich mögliche Großeltern manchmal, weil sie sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlen. Das findet Claudia Fischer sehr schade, „denn eine solche Patenschaft ist für beide Seiten eine große Bereicherung und die Patengroßeltern brauchen nichts machen, was sie sich nicht zutrauen“. „Auf dem Land haben die meisten älteren Leute ihre Enkel auch in der Nähe, sodass ihnen zusätzliche Paten-Enkel zu viel werden“, erklärt sie. Alle Großeltern müssen der Familienbeauftragten vor dem ersten Treffen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Im Gegenzug sind sie bei den Treffen mit ihren „Paten-Enkeln“ unfall- und haftpflichtversichert.

Inzwischen kennt Daniel die Gablers so gut, dass er auch alleine dort bleiben würde, wenn seine Mutter einmal einen Termin hat, zu dem sie ihn nicht mitnehmen kann. „Mit unserer Katze musste er sich erst anfreunden“, erzählt Judith Gabler, „aber das ist jetzt kein Problem mehr.“

Daniel hat jetzt genug vom Sand und möchte seine Hände waschen. „Er ist ein sehr reinliches Kind“, sagt die „Patengroßmutter“ und Veronika Ferstl lacht wissend. Die beiden Frauen beschließen, noch gemeinsam zu essen. Zusammen gehen sie Richtung Kindergarten-Ausgang, während Daniel voraushüpft.

Rüstige Senioren aus der Gemeinde Haldenwang, die gerne Patengroßeltern werden möchten oder Familien, die Kontakt zu Patengroßeltern suchen, können sich bei Claudia Fischer unter familienbeauftragte@haldenwang.de oder Tel. 08304/54 70 (Kindergarten Börwang) melden. Auch unverbindliche Informationen gibt es bei der Familienbeauftragten.

Susanne Kustermann

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