"Kunstreich" zeigt Werke von Kornelia Kesel

Beobachterin des Lebens

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Ein „Raumspiel“ in dem der filigran aus papierumwickeltem Draht und Tüll gestaltete Vordergrund das Bild im Hintergrund aufnimmt.

Angefangen hat die Kemptener Künstlerin Kornelia Kesel mit figürlicher Darstellung, „wollte aber immer abstrakt werden“. Am Ende sei aber dann doch „immer Figürliches herausgekommen“, schmunzelt sie. Und das habe sie dann halt „einfach akzeptiert“.

Dass sie sich auch so mit den Ergebnissen sicher nicht verstecken muss, ist derzeit in der Galerie Kunstreich zu sehen. „Die ganze Welt ist Bühne“ hat Kesel ihre Ausstellung überschrieben, denn sie selbst bezeichnet sich als eine Beobachterin, eine Zuschauerin, die ihre Protagonisten beobachtet und diesen zweiten Blick, den sie selbst dabei pflegt, möchte sie auch bei den Betrachtern ihrer Werke anregen; das Eintauchen in die tieferen Schichten der nicht ganz so offensichtlichen Gefühlswelten, die sie, ob heiter oder traurig, immer mit einer Prise tiefgründigen Humors zu würzen versteht. 

Ihre Sicht auf die Welt entsteht aus Collagen, dicken Farbschichten, aufgetragen auf Fotografien, Skizzen und anderen Vorlagen, denen sie Bedeutung schenkt, aber auch graziös-witzige Figuren aus Draht und Papier zählen seit einigen Jahren zu ihrem künstlerischen Repertoire. 

Zwei Bilder sind dem französischen Schriftsteller Honoré de Balzac gewidmet, oder besser gesagt, zwei seiner Geschichten. Eine davon trägt das Wortspiel, „La peau de chagrin“ als Titel, denn „chagrin“ steht nicht nur für das Wort Kummer, sondern es bezeichnet auch eine spezielle Ledersorte, dem die Narbung eines anderen Leders aufgeprägt wurde, wie Kesel erläutert. Die Seiten aus dem Buch mit der Geschichte hat sie auf Leinwand aufgebracht „nachdem ich sie gelesen habe“. Darauf finden sich in Kombination von Collage und Malerei Personen und Begebenheiten aus der Geschichte, die sich um einen Spieler dreht, der alles verspielt und im Verlauf eine eingerollte Eselshaut geschenkt bekommt, auf der ein Spruch für Wünsche geschrieben steht, durch den er einen Pakt mit dem Teufel schließt. Der Haken daran, „mit jedem Wunsch nimmt sein Leben ab“, erklärt Kesel und deutet auf den „verschlüsselt ins Bild geschriebenen Spruch“. Auf die ein oder andere Art verschlüsselte Texte kann man häufiger in ihren Werken finden.

 Überreste der Ausstellung „kickART“, die 2014 anlässlich der Fußball-WM von Allgäuer Künstlern in Kempten gezeigt worden war, hat Kesel in ihren „Small Worlds“ verarbeitet. Die Kickerfiguren aus einem Tischfußball hat sie modifiziert und in drei gerahmte Gangsterszenen arrangiert – „unbeabsichtigt“, wie sie betont. 

In kleine quadratische Rahmen hat sie auch eine Reihe ganz unterschiedlicher Szenen mit Drahtfiguren gepackt, vor alten s/w-Fotos aus „Life“-Heften ab den 1930er Jahren bis heute, die sie auf einem Flohmarkt gefunden hat. „Raumspiele“, denen das Spiel mit dem Hintergrund zugrunde liegt. „Was hinten passiert setzt sich vorne fort“, beschreibt es Kesel beispielsweise anhand eines der zwölf kleinformatigen Werken, auf dem im Hintergrund das Foto bei einem Atomtest der Amerikaner im Südpazifik zu sehen ist. Davor hat die ideenreiche Künstlerin zwei stehende Hunde mit menschlichen Zügen aus mit Papier umwickeltem Draht geformt, die sich die Augen zuhalten und ein „Peace“-Zeichen auf ihrer Kleidung tragen. 

Wer in „Die ganze Welt ist Bühne“ von Kornelia Kesel eintauchen möchte, hat noch bis 12. März 2017 Gelegenheit dazu in der Galerie Kunstreich, Schützenstraße 7, dienstags von 16 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Infos unter www.artig.st/korneliakesel.  Christine Tröger

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