Was tun bei Sprachlosigkeit?

„Wege aus der Sprachlosigkeit“ lautete der Titel eines Seminars, zu dem sich jetzt Teilnehmer aus ganz Bayern in der Christuskirche Kempten trafen. Vor allem der Erfahrungsaustausch der Altenpflegekräfte und Besuchsdienstler war dabei ein sehr wichtiger Punkt. Foto: moriprint

Sprache ist Kommunikation auf verschiedenste Weise – meistens verbal, aber auch Gesten, Mimiken, Augenkontakte, Gefühle oder PC-gestützte Sprachhilfen gehören dazu. Doch wie reagiert man überhaupt auf Sprachlosigkeit? Mit dieser Thematik setzte sich ein Seminar der Evangelischen Altenheimseelsorge Kempten in Kooperation mit dem Diakonischen Werk auseinander. 21 Personen aus ganz Bayern nahmen daran teil, da es über den evangelischen Gemeindedienst Nürnberg ausgeschrieben war.

„Durch Hören und Reden wird der Mensch zur verantwortlichen Person“, führte Pfarrer Thomas Öder in die Thematik ein. Er setzte die Impulse: Wo macht Reden, wo macht gemeinsames Schweigen Sinn, wie kann Glaube Worte verleihen? „Mit Sprache wird Missbrauch getrieben. Sprache verkommt zum Geschwätz. Da ist kein Dialog mehr da!“ war für Siegfried Hauser aus Kempten ein Argument, an dem Workshop im Gemeindehaus der Christuskirche teilzunehmen. Berit-Clarissa Biberger aus Peißenberg fühlte sich nach einem Trauerfall von dem Begriff „Sprachlosigkeit“ angesprochen. Und der Kaufbeurer Robert Laufenberg meinte, Sprache nehme in den Altenheimen ab. Die Teilnehmer aus Kempten, Memmingen, Kaufbeuren, Peißenberg und München kamen aus dem Bereich der Besuchsdienste und der Altenpflege. Denn gerade im Älterwerden fehlt es oft an Sprache. In Kleingruppen tauschten sich die Teilnehmer in ihren Erfahrungen aus, übten sie sich anhand von Texten in der Sprachnutzung, um in der Altenpflege und in den Besuchsdiensten noch besser auf die Person gegenüber eingehen zu können. Über Beobachtungen und Folgerungen aus dem Pflegealltag referierte zudem Michael Kugel (Kempten), staatlich geprüfter Altenpfleger, Pflegefachkraft für Geronto-Psychiatrie und Palliativ Care, Lehrkraft für Altenpflege in Kempten. Er gab wertvolle Tipps: „Manchmal reduziert sich die Sprache auf Ein-Wort-Sätze“, so Kugel. Nichtsdestotrotz sei aber das Sprachverständnis vorhanden, der Betreffende könne seine Antwort nur nicht mehr formulieren. Bei Demenz gehe die Sprachfähigkeit schließlich ganz verloren. „Wichtig ist, dass Sie das, was Sie mit Worten und Gefühl ausdrücken auch ehrlich meinen.“ Man dürfe nicht „schön tun“, sich verstellen. Das gelte zwar allgemein, aber treffe insbesondere auf Besuchsbetreuer, Hospizbegleiter und Pfleger zu. Im Besuchsdienst der Diakonie Kempten Allgäu gibt es derzeit 23 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Wer Interesse an einer solchen Tätigkeit hat, kann sich an Kerstin Goldberg unter der Telefonnummer 0831/54 059 11 wenden.

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