SPD-Versammlung zur Kommunalwahl endet im Fiasko

Eklat bei der SPD

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Die anfangs gute Laune verflog nicht nur bei Kreisvorsitzender Katharina Schrader (v.l.), Stadtrat Lothar Köster und Fraktionsvorsitzendem Ludwig Frick im Verlauf der Mitgliederversammlung des SPD-Kreisverbandes Kempten.

Kempten – Anders als geplant verlief die Mitgliederversammlung der SPD am Mittwochabend. Am Ende jedenfalls konnte weder eine Kandidatenliste der Stadträte verabschiedet werden, noch stellte der OB-Kandidat der SPD, Martin Bernhard, wie angekündigt das Wahlprogramm vor.

Der Grund: Ein erbitterter Hickhack um die vom Kreisvorstand vorgeschlagenen Listenplätze für die Stadtratswahlen, der zum spontanen Rückzug der Kandidaturen von Manfred Pfau, Sylvia Buchwald, Axel Buchwald, Erika Luther-Neumaier und Peter Stanke – alle Ortsverband Kempten-Süd/St.- Mang – führte, deren Plätze erst wieder gefüllt werden müssen. Vorgeschrieben sind 44 Kandidaten. Trotz zweimaliger Abstimmung der 47 stimmberechtigten Mitglieder im Raum – mit eindeutigen Ergebnissen zugunsten der vorliegenden Kandidatenliste – fühlten sich die „Rebellen“ aus St.-Mang mit der Platzierung von Pfau auf Listenplatz 8 benachteiligt und quittierten die demokratischen Abstimmungsergebnisse mit „schon fast kindischem Verhalten“, wie die ehemalige Stadträtin Ingrid Jähnig schimpfte. Ausgelöst wurde das Tauziehen durch den ehemaligen Stadtrat Hermann Ebner, der Pfau statt Stadtrat Siegfried Oberdörfer auf Platz sechs sehen wollte. Seines Erachtens sei der Stadtteil St.-Mang bei der Platzvergabe zu kurz gekommen, kritisierte er. 

Wie SPD-Mitglied Horst Hiltner daraufhin verdeutlichte, „stellen wir eine Liste für die Stadt auf und nicht für die einzelnen Stadtteile“. Fraktionsvorsitzender Ludwig Frick wunderte sich ebenfalls, denn „auf dem Wahlzettel steht nicht aus welchem Ortsverein der Kandidat kommt“. Vielmehr würden die Wähler nach den Namen der bewährten Stadträte schauen. Oberdörfer komme auch mit Platz 20 wieder ins Gremium, „aber welches Signal setzen wir damit beim Wähler?“ Oberdörfer nahm den Vorstoß zwar nicht persönlich. Er wies aber unmissverständlich darauf hin, dass eine „klein-klein“ Verteilung nach Ortsvereinen schon einmal gemacht worden sei. „Wobei wir mit Abstand das schlechteste Ergebnis eingefahren haben“. Ingrid Jähnig konstatierte, dass Platz acht schließlich „kein schlechter Platz“ sei und der Wunsch in den Stadtrat gewählt zu werden, schlicht „mit Arbeit verbunden“ sei. „Da reicht es nicht Plakate zu kleben“, persönlicher Einsatz sei „auf jedem Platz notwendig“. Damit aber nicht genug. 

Nachdem die Abstimmung klar zugunsten Oberdörfers ausgegangen war (29 Stimmen zu 18), wurde ein weiterer Tausch, diesmal mit Platz 4, auf dem der Nachrücker im Stadtrat, Wolfgang Hennig, stand, gefordert. Der darauf folgenden ebenso eindeutigen und demokratische Abstimmung gegen den Tausch folgte die Rücknahme der Kandidatur Pfaus. Ihm schlossen sich Sylvia Buchwald (Platz 11), Axel Buchwald (Platz 20), Erika Luther-Neumaier (Platz 31) und Peter Stanke (Platz 32) an. „Ihr straft mit diesem Rückzug auch die, die Euch aus den anderen Stadtteilen unterstützt haben“, bezeichnete Stadträtin Ingrid Vornberger den Rückzug der St.-Manger als „extrem unsolidarisch“ auch gegenüber dem OB-Kandidaten. 

Heftige Kritik 

„Ich habe diese Entscheidung für mich getroffen“, bat Manfred Pfau zwischen all der harschen Kritik der Anwesenden um Akzeptanz. „So einen Hals“ bekam auch Stefan Keppler, Vorsitzender des Stadtjugendrings (SJR) Kempten, der laut seiner Aussage derzeit in demokratischen Prozessen die Wahlbausteine mit Jugendlichen erarbeitet und solcherlei Debakel als äußerst kontraproduktiv sah. Jugendliche seien nämlich prinzipiell „hochinteressiert an Politik“ aber „Politiker verdrossen“, zeigte Keppeler Unverständnis dafür, eine Kandidatur zurückzuziehen, „wenn die kleinste Unebenheit kommt“. Fraktionschef Ludwig Frick kündigte schließlich einen neuen Termin für die Vorstellung der Stadtratskandidaten und des Wahlprogrammes an. „Wir müssen erst schauen, was wir mit dem Debakel machen“, meinte er.

Christine Tröger

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