Stadt ist besser als Vorgabe

Schwerbehinderte haben bei der Stadt Kempten gute Arbeitschancen

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6,4 Prozent der Mitarbeiter der Stadt Kempten sind schwerbehindert.

Kempten – Gut aufgestellt ist die Stadt Kempten, was die Besetzung von Arbeitsplätzen mit Schwerbehinderten betrifft. Nachgefragt hatte Martin Härtle, Mitglied des Beirats für Menschen mit Behinderung, und erhielt ausführliche Antwort in der Sitzung des Gremiums vergangene Woche.

Sechs Prozent gibt der Bund laut Christan Schoch vom Personalamt vor, die Stadt Kempten liege mit 6,4 Prozent sogar darüber. „Aktuell haben wir 71 Beschäftigte mit einer Schwerbehinderung“, sagte er. Die Stellen würden auf der Website der Stadt Kempten ausgeschrieben, da es seines Erachtens „für die Arbeitsagentur schwierig handelbar ist, auf ihrer Homepage alles richtig darzustellen. Schließlich sei die Spannbreite bezüglich Vielfalt und Anforderungen bei den Tätigkeiten der Stadt groß, ging er weiter auf Härtles Frage nach dem Einstellungsmodus ein. „Wir laden Jeden ein, wenn wir wissen, dass er eine Behinderung hat.“ 

Er wehrte sich dagegen, von „dem“ Behinderten zu sprechen, da es „große Unterschiede“ in den zu berücksichtigenden Einschränkungen gebe. Bürgermeister Josef Mayr bekräftigte eine „immer relativ hohe Prozentzahl in Kempten“, die sich auch bei anderen Arbeitgebern zeigten, siehe ART-Hotel oder St. Raphael und berichtete von dem aktuellen Projekt eines Behinderten-Cafés in dem zwei Menschen ohne zusammen mit 15 bis 20 Menschen mit Behinderung arbeiten. 

Eine kritische Stimme aus dem Gremium fand die Projekte zwar „toll“, mahnte als Ziel aber die Integration im ersten Arbeitsmarkt an. Nach Mayrs Erfahrung „holen sie sich die Fitness und das Wissen für den ersten Arbeitsmarkt“ eben erst in diesen Projekten. 

Thomas Baier-Regnery, Referent für Jugend, Schule und Soziales, wies darauf hin, dass man mit der Inklusionsbeauftragten der Stadt Simone König das Thema auch angehe. Bei den Bewerbungen geben nicht alle an, dass sie schwerbehindert sind“, fürchtete Lothar Köster, Beauftragter des Stadtrats für Senioren und Behinderte, dass deshalb auch nicht alle von ihnen zum Vorstellungsgespräch eingeladen würden. 

Da es auch dem ersten Arbeitsmarkt nicht so viele für Behinderte geeignete Arbeitsplätze geben würde, regte er an, mehr davon „darauf auszurichten“. Für Albrecht Hung, Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderung, ist der „idealste Fall, dass Arbeitsplätze sich dem Behinderten anpassen sollen“. 

Eine weitere Anregung aus dem Gremium war Probearbeit einzuführen, da es „nicht so stressen würde“. Für Schoch wäre das „definitiv ein Mittel“. Wichtig sei, dass bei der Bewerbung angegeben werde, wenn eine Behinderung bestehe, dann sei auch eine Probearbeit möglich, statt mit 60, 70 Mitbewerbern zu konkurrieren.

Christine Tröger

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