Stadt bestätigt Missbrauchsfall in Kempten

„Uns hat in Kempten das Thema sexueller Missbrauch eingeholt“, eröffnete Stadtdirektor Peter Riegg, Leiter des Verwaltungs- und Finanzreferats, am heutigen Dienstagmittag eine Pressekonferenz zum Thema. Damit hat die Stadtverwaltung auf die vom KREISBOTE recherchierte Geschichte (siehe anderer Artikel) reagiert und sie bestätigt.

Vergangene Woche hätten unter anderem einzelne Kommunalpolitiker und das Gerhardingerhaus eine E-mail erhalten, wo das Opfer beschrieb, dass früher im Gerhardingerhaus vom Hausmeister sexuell missbraucht wurde. „Wir waren von dieser E-mail überrascht. Bis auf den Leiter des Stiftungsamtes, Helmut Dreher, war uns der Fall nicht gegenwärtig“, so Riegg. In aller Kürze schilderte das Opfer die damalige Situation, was vorgefallen war und was er mit der E-mail erreichen will. „Das Opfer will die Sache aufarbeiten und erhofft sich dabei die Unterstützung von den damals beteiligten“, sagte der Stadtdirektor. Der beschuldigte Hausmeister sei am 1. September 1984 eingestellt worden, der Missbrauchte wohnte seit 1976 in der Einrichtung. Da er 1986 als 17-Jähriger ein eigenes Zimmer bezog kommt für den Missbrauch der Zeitraum zwischen Herbst 1984 und Mitte 1986 in Frage. „Das Opfer hat seine Geschichte auch auf einer Homepage (www.kirisk.de) dargestellt“, so Riegg. Die Stadt sei erstmals im März 1997 mit dem Thema konfrontiert worden, fuhr er fort. Die Staatsanwaltschaft habe sie über den Fall in Kenntnis gesetzt. „Das Opfer hatte im Oktober 1996 Strafantrag gegen den Hausmeister gestellt“, erläuterte der Stadtdirektor. Nach den damaligen Vorschriften seien jedoch alle Straftatbestände bereits verjährt gewesen und die Staatsanwaltschaft habe am 19. Dezember 1996 das Verfahren eingestellt. "Sofort beurlaubt" Nachdem der Stadt die Ermittlungsakte vorlag, „wurde der Hausmeister sofort beurlaubt“. „Außerdem wurde ihm verboten das Gerhardingerhaus zu betreten und Kontakt zu den dort wohnhaften Jugendlichen aufzunehmen“. Laut Riegg folgte die sofortige Entlassung des „Täters“ nach einem Gespräch, in dem der Hausmeister die Vorwürfe nicht bestritten hatte. Was der damals 45-Jährige danach gemacht hat, ist der Stadt nicht bekannt. „Der Fall war für uns dann erledigt“, meinte Riegg. Bei der Stadt sei er nicht mehr aufgetaucht. Wie der Leiter des Jugend-, Schul- und Sozialreferats, Benedikt Mayer, schilderte, hat der „junge Mensch“ noch versucht in die Akten des Jugendamts Einsicht zu nehmen, soweit diese noch vorhanden waren. Riegg sagte, dass das Opfer dem Jugendamt vorwerfe, dass er damals nicht im nötigen Umfang informiert hat. Auf seiner Homepage habe er jedoch einiges aus den Akten zitiert, sodass die Stadt davon ausgehe, der Vorwurf sei nicht berechtigt. „Wir werden in der nächsten Zeit auf das Opfer zugehen, ihn einladen und klären, wie wir ihm helfen können“, fügte Riegg an. Die Stadt habe als Träger des Gerhardingerhauses ein gewisses Maß an Verantwortung, meinte er. „Wir müssen dem Opfer helfen.“ Eines stellte Riegg aber noch klar: „Das Gerhardingerhaus von damals hat mit dem von heute nichts mehr zu tun.“ Weiter Missbrauchsfälle sind der Stadt nicht bekannt.

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