"Bitte lächeln!"

Die Stadt Kempten nimmt neuen Blitzer in Betrieb

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Kempten – Welcher Autofahrer kannte ihn nicht, den grauen Skoda im Dienste des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) der Stadt Kempten?

Wann immer man dieses Fahrzeug rechts am Straßenrand erblickt, geht der Fuß vom Gaspedal, um im Fall des Falles nicht wegen zu hoher Geschwindigkeit geblitzt zu werden. 

In rund zwei Jahren wird das Gerät seinen Betrieb einstellen, da es dann nicht mehr zu eichen ist. Das war aber nicht der einzige Grund, warum man seitens des Kommunalen Ordnungsdienstes entschied, ein neues modernes Blitzgerät zur Verkehrsüberwachung anzuschaffen. Vielmehr erreichten die städtische Dienststelle immer mehr Nachfragen von Bürgern, ob nicht an dieser oder jener Stelle die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer gemessen werden könne. Das war mit dem alten Gerät, das im Fahrzeug verbaut ist und das zur Ermittlung der Fahrgeschwindigkeit eine gerade Strecke von mindestens 200 Metern benötigt, so nicht mehr umsetzbar. Sein Einsatz an kurvigen oder verbauten Straßenabschnitten birgt Probleme. 

Seitens der Stadt wurde deshalb beschlossen, für den Kommunalen Ordnungsdienst ein neues mobiles Geschwindigkeitsmessgerät anzuschaffen. Das Gerät, dessen Preis sich ohne Fahrzeug zwischen 80.000 und 100.000 Euro beläuft, kann mobil auf einem Stativ, aus der Hand oder stationär aus einem Fahrzeug eingesetzt werden. Für den mobilen Einsatz verfügt der Blitzer über leistungsstarke Akkus und eine externe Festplatte, auf die die gemessenen Daten, wie die Geschwindigkeitsübertretung und das Beweisfoto in Echtzeit übertragen werden. 

Das Objektiv der LEICA-Kamera ist so lichtstark, dass bei Tageslicht kein Blitz mehr nötig ist. Der Operator stellt an einem angeschlossen Display, das auch über Funk kabellos angesteuert werden kann, Blende und Verschlusszeit so ein, dass absolut scharfe Bilder von der Kamera generiert werden, die keinen Zweifel über die Identität des Fahrers zulassen. Mehr Einsatzgebiete möglich „Wir bekamen in der jüngsten Zeit viele Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern, die über zu hohe Geschwindigkeiten von Fahrzeugen in ihrem Wohnumfeld berichteten. Um diese Übertretungen vor Ort tatsächlich erfassen zu können, brauchten wir neben dem alten Gerät, das noch bis 2021 im Einsatz bleibt, einen Blitzer, der insbesondere Messungen in engen, verkehrsberuhigtem Bereich mit kurzen Streckenabschnitten technisch einwandfrei meistern kann. 

Das neue Gerät arbeitet ab einer Distanz von 50 Metern“, sagt Philipp Schmidt-Krogmann, Messtechniker des KOD, der gemeinsam mit einem Kollegen auf das neue Gerät geschult wurde. „Eine Stelle, die wir bisher mit dem alten Messgerät nicht erfassen konnten, war u.a. die Kronenstraße“, erklärt Schmidt-Krogmann und fährt fort: „Bei einer ersten Messung mit unserem neuen Gerät haben wir dort in einem Zeitfenster von zwei Stunden bereits 60 Geschwindigkeitsübertretungen messen können.“ Das zweistündige Zeitfenster ist typisch für die Verkehrsüberwachung in Kempten. Der Stadtrat hat die Zahl der Einsatzstunden auf maximal zehn Stunden in der Woche begrenzt. Eine Ausweitung der Blitzzeiten war bereits öfter Thema und kontrovers diskutiert. 

So hatte sich Erwin Hagenmaier (CSU) in früheren Zeiten gegen höhere Blitzzeiten ausgesprochen. Ullrich Kremser von der Fraktionsgemeinschaft FDP/ UB/ÖDP ist generell gegen zu viel Überwachung. SPD und FW unterstützten dagegen die Erhöhung der Blitzzeiten. Die Grünen wollen die Einsatzzeiten des Blitzgerätes gänzlich der Verwaltung überlassen. Nach Jahreshauptversammlung der Altstadtfreunde, wo die Blitzzeiten scharf kritisiert wurden (der Kreisbote berichtete), zeigte sich OB Kiechle offen für eine Ausweitung. Bis zum Jahr 2021 wird nun das bisherige Gerät sowie der neue, mobile Blitzer beim Kommunalen Ordnungsdienst in Kempten zum Einsatz kommen. Zudem wurde ein neues Einsatzfahrzeug angeschafft, über dessen Fahrzeugtyp an dieser Stelle nicht berichtet wird. 

Jörg Spielberg

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