Verschiedene Ideen für die Areale

Was passiert mit dem Bundeswehrgelände?

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Eine Gewerbeflächenprognose ergab, dass im Jahr 2025 der Bedarf an Gewerbeflächen in Kempten rein rechnerisch bei 180.000 Quadratmetern liegen wird. Daher gilt es, auch über eine gewerbliche Nutzung des Bundeswehrareals an der Kaufbeurer Straße nachzudenken.

Kempten – Wie geht es mit den Bundeswehrarealen in Kempten nach der Schließung des Bundeswehrstandortes weiter? Wie könnte eine sinnvolle Nachnutzung der Gebäude des ehemaligen Lazaretts und am Berliner Platz aussehen?

Die Stadt setzt bei dieser Frage auf eine starke Beteiligung der Bürger sowie der lokalen Akteure der Wirtschaft, der Hochschule und aus dem sozialen Sektor. Am Mittwoch wurden im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung erste Planungsergebnisse präsentiert.

Durch die 2011 beschlossene Bundeswehrstrukturreform wird der Bundeswehrstandort Kempten faktisch aufgegeben. Dies bedeutet einen Wegfall von mehr als 800 zivilen und militärischen Arbeitsplätzen und wirft die Frage nach der Nachnutzung der großflächigen Areale im Stadtgebiet auf.

Das von der Stadtverwaltung beauftragte Planungsbüro „Dragomir Stadtplanung“ erläuterte am Mittwoch im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung den derzeitigen Stand der Überlegungen und stellte sich den interessierten Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle sowie Mitgliedern des Stadtrats und Vertretern der Stadtverwaltung für Diskussionen zur Verfügung. Bereits im November 2013 hatten die Kemptener Bürger die Möglichkeit, sich an einem mobilen Stand über das Thema zu informieren und eigene Ideen zu äußern. Auch Wirtschaft, Hochschule und sozialer Sektor brachten Anregungen ein. Am Berliner Platz könnte sich manch einer neben großflächigem Einzelhandel, einem Gewerbepark oder studentischem Wohnen auch einen Freizeitpark oder Zoo vorstellen. Zudem kamen Vorschläge für Sportflächen, ein Künstlerdorf oder kulturelle Freizeitstätten für Jugendliche. Aus jeweils vier möglichen Alternativkonzepten kristallisierte sich unter Berücksichtigung von Artenschutz, Schallschutz, Verkehrsplanung und Energieplanung schließlich für jeden Standort ein Vorzugskonzept heraus.

Das rund 21 Hektar große Areal am Berliner Platz, das neben der Artilleriekaserne auch das bereits von der Bundeswehr aufgegebene Kreiswehrersatzamt sowie die Depotgebäude an der Ulmer Straße umfasst, weist einige besondere Qualitäten auf. Das Gelände liegt an einem zentralen Einfahrtspunkt in die Stadt und bietet eine hervorragende Anbindung an die A7 und die B12. Durch die nahe Anbindung an die Altstadt ist ein städtischer Bezug gegeben.

Hochwertiges Gewerbe

Das Planungsbüro schlägt für den nördlichen Bereich eine gewerbliche Entwicklung mit „hochwertigem Gewerbe“, wie innovativen Büros, Forschungseinrichtungen oder ähnlichem vor. Der städtebaulich ansprechende Gebäudebestand im Kasernenbereich, der aus dem 1940er Jahren stammt und in sehr gutem Zustand ist, soll nach Möglichkeit erhalten bleiben. Eine energetische Sanierung wäre hier teilweise sinnvoll. Westlich der Kaufbeurer Straße böte sich die Schaffung eines Mischgebietes an, wobei die Wohnbebauung im von der Straße abgeschirmten hinteren Bereich sein müsste. Die denkmalgeschützte Keck-Kapelle soll erhalten und abgeschirmt werden, die Depotgebäude könnten teilweise einer kulturellen sowie einer Nutzung durch Jugendliche zugeführt werden. Eine weitere Idee des Planungsbüros sieht vor, die Kreuzung am Berliner Platz kompakter zu gestalten und einen attraktiven Stadteingang zu generieren. Bei alledem soll der vegetative Bestand weitestgehend erhalten bleiben.

Die Gebäude des „Lazaretts“, die in den 1930er Jahren gebaut wurden, erstrecken sich zwischen Parkstraße und Adenauerring nördlich und südlich des Haubensteigwegs in direkter Nachbarschaft des über 100 Jahre alten Calgeer-Parks. Bis auf das einsturzgefährdete kleine Wirtschaftsgebäude sind sie in einem sehr guten Zustand und sollten möglichst erhalten bleiben. Von Bürgerseite wurde die Nutzung als sozialpädiatrische Einrichtung oder als Senioren- oder Studentenwohnheim angeregt. Letzteres ist wegen der hohen Lärmbelastung allerdings problematisch. Das Vorzugskonzept, das das Planungsbüro zusammen mit dem Steuerkreis erarbeitet hat, sieht einen Erhalt und eine Aufwertung des Calgeer-Parks, eine Verbesserung der Straßenquerung für Schüler sowie eine Stärkung der Anbindung an die freie Landschaft vor. Langfristig solle man die (sehr kostenintensive) Vision einer Tunnellösung für den Adenauerring im Auge behalten, appellierte Martin Birger, der als einer der beiden Geschäftsführer des Planungsbüros die Pläne vorstellte.

Im Anschluss an die Präsentation nutzen zahlreiche Besucher die Möglichkeit zur Diskussion mit den Planungsverantwortlichen, den Stadträten und Verwaltungsmitarbeitern.

Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Schließung der Standorte sich aller Voraussicht nach um bis zu zwei Jahre verzögern wird und somit erst 2018 greifen würde. „Das nimmt den Druck ein bisschen raus“, so OB Kiechle. Trotzdem werde man die Planungen weiter vorantreiben.

Sabine Stodal

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