Der Schlangenbach soll sichtbar bleiben

Glasplatten auf dem Platz?

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Die Platten auf dem alten Schlangenbach sind am Montagnachmittag bereits abgetragen.

Kempten – Bleibt der historische Schlangenbach unter dem Hildegardplatz künftig entgegen den ursprünglichen Planungen doch sichtbar? OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) hat seine Bauverwaltung zumindest angewiesen zu prüfen, ob und wie ein solches Vorhaben machbar wäre, teilte er am Montagmittag auf Anfrage mit. Denn immer mehr Bürger fordern seit der Offenlegung des Bachs, ihn nicht wieder unterirdisch verschwinden zu lassen. Dem schlossen sich am Wochenende auch die Freien Wähler (FW) und stellten einen entsprechenden Antrag an das Rathaus. Am Montag mussten die alten Mauerreste aber abgetragen werden.

Das Abtragen war nötig geworden, so Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann, „nachdem die Höhenlage des Schlangenbachs knapp unterhalb der bestehenden Parkplatzoberfläche lag und somit den Unterbau der neuen Fahrbahn tangieren würde.” Außerdem seien die alten Steine als Unterbau für die Fahrbahn nicht geeignet. „In den Randbereichen außerhalb der Fahrbahn soll der Bach dann aber je nach Höhenlage im Bestand belassen werden”, so der Tiefbauamtsleiter weiter.

Erst am Sonntag hatte sich FW-Fraktionschef Dieter Zacherle an OB Netzer gewandt. In der Diskussion mit Bürgern vor Ort habe er den Eindruck gewonnen, so Zacherle in seinem Schreiben, dass sie die Freilegung des Schlangenbaches wünschen. „Da in der Vergangenheit leider einige historische Bauten aus unserem Stadtbild verschwunden sind, hätten wir jetzt – und nur jetzt – die Chance, den im Untergrund ruhenden Schlangenbach wenigstens teilweise wieder sichtbar zu machen“, schreibt Zacherle. Vorstellbar sei beispielsweise eine Glasabdeckung. Für viele Bürger sei das das „Sahnehäubchen“ der Umbauarbeiten, so der Stadtrat weiter. Daher beantragt er eine Ermittlung der Kosten und eine Prüfung der verschiedenen Möglichkeiten durch das zuständige Tiefbauamt. 

Bei OB Dr. Ulrich Netzer stößt Zacherle damit auf offene Ohren: Bereits in der letzten Oktoberwoche hat der Kemptener Rathauschef eigenen Angaben zufolge das Kemptener Baureferat um eine Prüfung gebeten, „ob bzw. wie der Verlauf des Schlangenbachs unter dem Hildegardplatz erkennbar bleiben kann“, so Netzer am Montag gegenüber dem KREISBOTEN. Er nehme das große Interesse der Bürger „wahr und ernst“, betonte OB Netzer.

Baureferentin Monika Beltinger bestätigte am Montagmittag, dass ihr Referat und beteiligte Fachplaner prüfen, „ob in diesem Bereich der Verlauf mit adäquaten technischen Mitteln nachgezeichnet werden kann.“ Allerdings verlaufe der historische Bach schräg durch die geplante Fahrbahn, die aber hinsichtlich Belastbarkeit und Bauqualität erhöhten Anforderungen genügen müsse. „Ob das Gerinne außerhalb der Fahrbahn eventuell durch Glasplatten sichtbar gemacht werden könnte, muss erst geprüft werden“, so die Baureferentin. Vor allem Fragen der Begehbarkeit, Rutschfestigkeit, Belastbarkeit oder bauphysikalische Probleme müssten zunächst geklärt werden. „Erst wenn die technischen Fragen geklärt sind, können hierzu konkrete Vorschläge mit Kostenschätzung vorgelegt und in den Gremien beraten werden“, erläuterte sie.  Matthias Matz

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