"Souvenirs" gefragt

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An den Thementischen der „Stadtexpedition“ wurden nicht nur fleißig Ideen formuliert, sondern es fanden auch viele angeregte Diskussionen zwischen den Teilnehmern statt.

Kempten – Eine neue Offensive startete das Projektteam des Kulturamtes Anfang dieser Woche mit einer weiteren Runde der „Stadtexpedition“, durch die den Kemptenern Gelegenheit gegeben wird, sich beim künftigen Stadtmuseum im Zumsteinhaus einzubringen.

Ziel der Veranstaltung im Alpinmuseum mit rund 80 Kemptener Bürgerinnen und Bürgern war es, an den Thementischen persönliche Ansichten, Erfahrungen, Erlebnisse und – im besten Fall – auch relevante Erinnerungsstücke zur jungen und noch selbst erlebten Stadtgeschichte zu generieren. Wie OB Thomas Kiechle den Interessierten eingangs darlegte, werde das Stadtmuseum nämlich „einen Schritt weiter gehen“ als nur die Historie aufzuzeigen und ebenso einen Blick in Gegenwart und Zukunft werfen. „Dazu brauchen wir Sie!“, ermunterte er zur regen Teilnahme. Es gehe vor allem „um das Sammeln von Dingen“, was wir fühlen und mit den Dingen verbinden, erläuterte Jan Weber-Ebnet von der Arbeitsgemeinschaft „Urbanes Wohnen“ in München. Wie berichtet, endet die Bestandssammlung in den 1950er Jahren und diese Lücke soll nun geschlossen werden.

Zur Erinnerung ging Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn nochmals auf das Konzept und den aktuellen Planungsstand ein bevor Projektleiterin Carolin Keim präzisierte, wonach Ausschau gehalten werde; und zwar nach Dingen, „die eigentlich gar nicht in ein Museum gehören“, unter anderem weil sie nicht wirklich alt seien. Zum Beispiel „ein Reisekoffer aus den 1960er Jahren, mit dem ein italienischer Gastarbeiter nach Kempten gekommen ist“. Ihre Oma beispielsweise habe „unzählige Kernseifen gesammelt“, weil sie „nie wieder so eine Seifenknappheit erleben wollte wie im Krieg“ und nun eben die Frage an die Kemptener, „ob Sie auch so ein Stück Kernseife haben“.

An den sechs Thementischen konnten Fragen beantwortet werden sowie auf einem Kärtchen Objekte für das Museum angeboten werden oder alternativ jemand benannt werden, der Dinge bieten könnte. Weber-Ebnet bestätigte nach der ersten Sichtung am Ende „ein gutes Gefühl“ bezüglich der Rückmeldungen, die gekommen seien.

"Kempten macht Museum"

Zusammenfassend hier die meist genannten Stichworte bzw. markante Zitate:

• Stadtraum Kempten: Welche Orte machen Kempten aus? Iller, Burghalde, Gymnasien, Orte der Kultur wie Theater, Stadtbibliothek

• Leben in Kempten: Ab wann ist man Kemptener/in? – „Wenn man schon lange in der Stadt lebt/hier aufgewachsen ist“; „wenn man sich wohlfühlt und angenommen wird“; „wenn man in Outdoorkleidung ins Theater geht“

• Politik in Kempten: Wo wird Politik gemacht? – Sauna, Stammtisch, Stadtrat, Zeitung

Wie verändert sich Kempten aktuell durch den Zuzug geflüchteter Menschen? – „Kempten hatte immer schon offene Türen für Flüchtlinge. Das ist nicht neu für uns!“

• Glauben in Kempten: An was glauben die Kemptener/innen heute? – „Wir sind froh, „evangolisch“ sein zu dürfen!“ (Wortschöpfung für Mischung aus „evangelisch“ und „katholisch“)

Nach welchen Werten/Idealen leben Sie? – Respekt voreinander, Hilfsbereitschaft, Zweifeln dürfen und eigene Meinung haben

• Wirtschaft in Kempten: Haben Sie den Eindruck, dass Textil hier noch eine Rolle spielt und welche könnte das sein? – (Bezug auf die Rosenau): Es bewegt sich was, Neues entsteht „Platz machen, dass Neues entsteht“ (in jedem Niedergang steckt ein Anfang)

• Wir sind Kemptener: Was machen Kemptener/innen als Ausgleich zur Arbeit in ihrer Freizeit? – Sport in der Natur (Skifahren, Wandern etc.), Kultur (Theater...), sich bilden

• Wie wohnt Kempten? – Von der Sozialwohnung in Kottern bis zur Singlewohnung am Forum – alles ist dabei. Stadtviertel ändern sich – wer einst im „Glasscherbenviertel“ lebte, wohnt heute gehoben.

Dem abschließend von Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ÖDP) vorgetragenen Wunsch, den ehemaligen Bundeswehrstandort Kempten und älteste Garnisonsstadt Deutschlands im Stadtmuseum zu berücksichtigen, konnte Müller-Horn entsprechen. Es sei ein Raum namens „Kaserne“ geplant, „wo genau so etwas gezeigt wird.

Christine Tröger

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