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Stadtgeschichte Kempten: Die Geschichte der öffentlichen Beleuchtung in der Stadt Kempten – Teil II

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Von: Dr. Willi Vachenauer

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Stadtgeschichte Gaslaterne Gerberstraße kleine Steig.
Gaslaterne Gerberstraße kleine Steig. © Repros: Vachenauer/Archiv Singer

Dr. Willi Vachenauer erhellt die Geschichte der öffentlichen Beleuchtung in der Stadt Kempten.

Lesen Sie hier Teil I

Die Geschichte wiederholt sich, heißt es. So kommt einem auch Manches aus der Geschichte der öffentlichen Beleuchtung in Kempten bekannt vor: Nach einem Bericht im Kreisboten mit dem Titel: „Dunkler, aber nicht Duster“, sorgt die momentane Energiekrise dafür, dass in Kempten die Beleuchtung während der Nacht und über die kommenden Festtage deutlich reduziert werden muss. Im heutigen Kempten, das eine Fläche von 63,28 Quadratkilometer und 69.053 Einwohnern hat (stand 31. Dez. 2021), liefern laut besagtem Kreisboten-Bericht an die 10.000 Straßenlaternen während der Nacht ausreichend Helligkeit.

Daneben sorgten bis vor kurzem zahlreiche beleuchtete Schaufenster und weitere Fassadenbeleuchtungen für zusätzliche Helligkeit. Diese Situation hat sich nun verändert und viele Menschen hoffen, dass über die Wintermonate die Beleuchtung nicht noch weiter reduziert werden muss und es nicht noch dunkler, vielleicht sogar duster in Kempten wird. Vorsorglich raten manche Zeitgenossen schon dazu, Zündhölzer und Kerzen bereitzulegen, um gewappnet zu sein für solch dunkle Zeiten, die in der Kemptener Vergangenheit während der Nachtzeit etwas ganz Normales darstellten.

Um die städtischen Finanzen nicht zu sehr zu belasten, verpachtete der Munizipalrat die Stadtbeleuchtung. Aber schon 1811 musste die Stadt zur Begleichung der angelaufenen Beleuchtungskosten der Jahre 1809 und 1810 sowie für die Finanzierung der Kosten für das laufende Jahr von jedem Bürger eine Umlage in Höhe von 25 Kreuzern erheben (so der letzte Absatz in Teil I dieses Artikels).

Stadtgeschichte Kempten: Aus Geldmangel erlöschte die Beleuchtung der Stadt

Mit dieser Regelung gelang es aber auch nicht, die anfallenden Ausgaben für die Stadtbeleuchtung zu decken, daher erlöschte sie wieder. So erfahren wir aus den handschriftlich erstellten Akten des Magistrats vom 1. Februar des Jahres 1825 folgendes: „Aus Mangel an den erforderlichen Fonds ist die vor 16 Jahren eingeführte nächtliche Straßenbeleuchtung bald wieder Untergegangen“. Weiter ist darin zu lesen: Da die Beleuchtung aber ein öffentliches Bedürfnis darstellt, sollte ein Versuch unternommen werden „diese Einrichtung wieder ins Leben“ zu rufen“ und besonders deswegen, „da die im Jahre 1809 angeschafften Lampen noch vorhanden sind“. Der Magistrat wollte aber zu diesem Zeitpunkt noch eine gemischte Finanzierung der Beleuchtungskosten, bei der sowohl Privatpersonen als auch der Stadtkasse ihren Teil dazu beitragen sollten.

Daher erklärte sich der Magistrat bereit, denjenigen Personen, „welche die erforderliche Quantität reinen Rapsöls und die Dochte auf ihre Kosten herschaffen, eine oder mehrere Laternen in ihrer Straße aufzustellen“ und erst danach, wenn diese Bedingungen erfüllt sind „ein aus der Stadtkasse bezahltes Individuum das Anzünden besorgen zu lassen“. Denn ein sogenannter Anzünder musste jede Lampe bei Dunkelheit eigens anzünden. Ein Löschen entfiel, da durch den begrenzten Ölvorrat die Lichter nach einer bestimmten Zeit von selber ausgingen. Zusätzlich mussten die Lampen von den Anzündern gewartet werden, indem sie die Dochte ersetzten, die Lampen reinigten und das Rapsöl auffüllten. Mit dieser Kostenaufteilung glaubte der Magistrat, dass „er auf diesem Wege am sichersten zum Ziele kommen werde“.

Kurze Zeit später beschäftigte sich der Rat erneut mit der Straßenbeleuchtung. Dazu steht in den Ratsprotokollen vom 9. Februar 1825 folgender Text: „Der Magistrat hat beschlossen, einen Versuch zur Einführung einer nächtlichen Straßenbeleuchtung auf dem Wege freywilligen Erneurung zu machen“. Nun war der Magistrat aber bereit, einen höheren Teil der Kosten zu übernehmen. Wegen der öffentlichen Sicherheit wäre es recht, das „Hallamtsgebäude“ mit einer Lampe zu versehen und dafür nicht nur die Anzündekosten, sondern auch das dazu notwendige Rapsöl für diese Lampe zu übernehmen. Dabei stellte man im Rat folgende Kostenrechnung auf: „Bei den gegenwärtigen Ölpreisen kommt die Laterne höchstes auf zwölf bis 15 Gulden jährlich zu stehen eine unbedeutende Ausgabe, welche durch die größere Sicherheit und Bequemlichkeit hinlänglich vergütet wird“. 

Neustadt Kempten um 1823.
Neustadt Kempten um 1823. © Quelle: Stadtarchiv

Einem Ratsprotokoll vom 11. März 1825 kann man entnehmen, dass zu dieser Zeit „bereits eine große Anzahl von Laternen auf Rapsölbasis aufgestellt ist und eine noch größere Zahl von Laternen von der Bürgerschaft verlangt wird. So kann man mit Sicherheit davon ausgehen, binnen 20 Wochen eine vollständige Beleuchtung der Stadt zu erhalten“. Allerdings nur dann, wenn „das allerhöchste Ärar (oberste Verwaltungsinstanz) dem Beispiel der Privaten folgt und zu der guten Sache ebenfalls das Seinige beyträgt“. Aus diesem Protokoll erfahren wir auch, dass man die aufgestellten Laternen mit versilberten Reflektoren ausstatten ließ, wodurch „ein herrlicher Effect hervorgebracht wird“.

Durch diese Maßnahme verbesserte sich offensichtlich die Lichtgüte, denn „so fand die Sache gleich allgemeinen Beyfall“. In diesem Protokoll vom 11. März 1825 bestimmte der Magistrat, dass auch die Neustadt an verschiedenen Gebäuden insgesamt acht Lampen erhalten sollte. Für Residenz drei, am ehemaligen Kastengebäude zwei, je eine für das Gymnasium, das ehemalige Rentamtsgebäude und für den Pfarrhof.

Stadtgeschichte: Früher weniger Straßenbeleuchtung als gedacht

Für diese Lampen hat die Stadtobrigkeit die Kosten genau kalkuliert. „Im Durchschnitt ist für jede Nacht lang ¼ Pfund Öle (in den längeren Nächten stets mehr und in den kürzeren stets weniger) und für ½ Kreuzer Docht nöthig. Da nun das Rapsöl gegenwärtig 16 Kreuzer je Pfund kostet, so kommt eine Laterne die Nacht auf 20 ½ Kreuzer zustehen. und da sie 9 Monate jeden Monat 20 Tage, also im Ganzen per 180 Tage brennen soll, jährlich auf 13 Gulden 30 Kreuzer zu stehen“.

Aus dieser Berechnung kann man ersehen, dass die Lampen pro Monat nur an 20 Tagen brannten, d.h. in den mondhellen Nächten ebenso wie auch in den Sommermonaten nicht angezündet wurden. Um die Straßenbeleuchtung auf Dauer zu finanzieren, wurde im Jahre 1827 eine eigene „Straßenbeleuchtungskasse“ ins Leben gerufen. Die Einnahmen dieser Kasse sollten aus freiwilligen Beiträgen der Einwohnerschaft mit ungefähr 569 Gulden, aus Staatsmittel in Höhe von 81 Gulden und aus Stiftungsgeldern mit 50 Gulden und aus Zuschüssen der Stadtkasse mit 600 Gulden, zusammen also rund 1.300 Gulden stammen.

Die Stadtbeleuchtung bereitet viel Arbeit

Damit hoffte die Stadtobrigkeit die entstehenden Ausgaben für die öffentliche Beleuchtung zu decken. Deren Kosten beliefen sich auf 700 Gulden für Brennmittel (Talglichter), 500 Gulden für den Anzünderlohn und 100 Gulden für anfallende Reparaturkosten bei den Laternen, also insgesamt auf 1.300 Gulden. Aber schon im Jahre 1828 gab es Klagen darüber, dass die freiwilligen Beiträge aus der Bürgerschaft monatlich zurückgingen, während sich die Kosten fürs Brennmaterial laufend erhöhten. In der Folge ging man dazu über, die freiwilligen Beiträge einzustellen und die öffentliche Beleuchtung zu reduzieren.

So brannten in der Altstadt nur noch wenige Lampen von der Illerbrücke und in der Gerbergasse bis zum einstigen Klostertor (das ja schon im Jahre 1811 der Spitzhacke zum Opfer fiel). In der Neustadt, der einstigen Stiftsstadt, leuchteten nur noch am Hauptplatz und in wenigen Gassen einige Straßenlaternen. Später gab es auch Änderung beim Brennmaterial. An den 1840er Jahren ersetzte man das Rapsöl durch Unschlitt-Kerzen, die aus ausgelassenen tierischen Fetten bestanden.

Wie die Öllampen, so mussten eigens besoldete Anzünder die Unschlitt-Lampen bei Beginn der Dunkelheit manuell anzünden, mit einem Docht versehen, mit Brennmaterial auffüllen und bei Bedarf reinigen. Ein Auslöschen der Lichter erübrigte sich, da sie je nach Füllgrad nach einer bestimmten Brenndauer von alleine erloschen. 

Laternenanzünder in Kempten

Da das Anzünden und die Pflege der Lampen eine gewisse Zeit dauerte, beschäftigte die Stadt mehrere Laternenanzünder, darunter befanden sich auch Frauen. Aus städtischen Akten erfahren wir, wer für das Anzünden der Lampen verantwortlich zeichnete und welchen Anzünderlohn die Laternenanzünder erhielten: Der „Laternen Anzünder Bachschmid in der oberen Stadt und hinunter bis zur Hauptwache 16 Laternen“. Der „Laternen Anzünder Kohler in der unteren Stadt und in der Vorstadt, 15 Laternen“. Die Laternen Anzünderin Faist, eine Witterin, in der ganzen Neustadt 24 Laternen“. Als Anzünderlohn, wofür sie auch das Reinigen der Laternen zu besorgen hatten erhielten sie 2 Kreuzer pro Laterne.

Der Laternenanzünder in: Leseübungen für die zarte Jugend
Wien 1835.
Der Laternenanzünder in: Leseübungen für die zarte Jugend Wien 1835. © Internet (gemeinfrei)

Für das Brennmaterial, von jeder mit Unschlitt gefüllten Lichtanlage, bekamen sie im Sommer 2 Kreuzer und im Winter 4 Kreuzer. Bei Laternen, die wegen der öffentlichen Sicherheit zweimal pro Nacht anzuzünden waren, bekamen die Anzünder für das Brennmaterial je Licht 3 Kreuzer und für das Brennmaterial je Nacht 6 Kreuzer, der Anzünderlohn dafür betrug 4 Kreuzer. So brannten in der Stadt Kempten in den 1840 Jahren insgesamt 55 Unschlitt-Laternen und verbreiteten ihr relativ spärliches Licht. Eine Verbesserung der Stadtbeleuchtung brachte der März des Jahres 1841, denn ab da wurde das Brennmaterial für die Laternen öffentlich versteigert.

Dabei erhielt Frau B. Fest den Zuschlag und musste nun für die Alt- und Neustadt qualitativ gutes Brennmaterial, den Docht für die Talgkerzen bereitstellen, die Lampen auffüllen, anzünden und die Wartung der Leuchten übernehmen. Als Gegenleistung dafür bekam sie für jede Laterne, die jeweils sechs Stunden brannte, zwei Kreuzer. Die Pachtzeit begann am 1. April 1842 und lief eineinhalb Jahre. Wie gut die Stadtbeleuchtung bei der Bürgerschaft ankam zeigte sich darin, dass bis zum Dezember des Jahres 1857 an die 1.100 Talglichter in der Stadt während der Nachtzeit für sechs Stunden ihr Licht lieferten.

Gasbeleuchtung erhellt Kempten

Die Einführung der Gasversorgung im damaligen Deutschland bedeutete eine beinahe revolutionäre Entwicklung im Energiesektor. Bis im Jahre 1850 existierten bereits 35 Gaswerke, die ihren Kunden den neuen Brennstoff zur Verfügung stellten. Diese Zahl erhöhte sich in den folgenden Jahren um weitere 176 gaserzeugende Betriebe, die vor allem das Gas für die nun stark zunehmende Straßenbeleuchtung produzierten. Bis zum Jahr 1870 gab es dann in Deutschland bereits an die 340 Gaswerke, die Stadtgas aus Holz, Torf und Kohle erzeugten. Von dieser stürmischen Entwicklung konnte auch die Stadt Kempten profitieren. Im Jahr 1857 stellte die Firma Ludwig August Riedinger aus Augsburg beim Magistrat der Stadt den Antrag, in Kempten eine Aktiengesellschaft für Gasbeleuchtung zu gründen und in der Brennergasse eine Gasanstalt zu errichten. Da die Stadtobrigkeit das finanzielle und technische Risiko, das mit der Installation einer Gasbeleuchtung verbunden war nicht eingehen wollte, begrüßte sie diese private Initiative und schloss mit Riedinger am 20. Februar des Jahres 1867 einen entsprechenden Vertrag.

Es werde Licht

Er sah vor, dass Riedinger und sein Rechtsnachfolger für die Zeit von 40 Jahren das Recht erhielten, die für die Errichtung der Leitungen und Gaslaternen benötigten städtischen Straßen und Gassen umsonst benutzen zu dürfen. Zusätzlich überließ die Stadt Riedinger kostenlos ein Grundstück in der Größe von mehr als 1,6 Tagwerk an der Brennergasse zum Bau der Gasanstalt. Die Stadtobrigkeit knüpfte aber die Bedingung daran, dass sich Riedinger verpflichtete, auf seine Kosten die Gasfabrik zu errichten, die notwendigen Gasleitungen zu verlegen und die für die Stadtbeleuchtung benötigten 134 Laternen, die auf Konsolen stehen sollten, sowie 16 Kandelaber aufzustellen.

Mit diesen Vereinbarungen sollte eine deutliche Verbesserung in der städtischen Beleuchtung erreicht werden. Nach einer nur achtmonatigen Bauzeit für die Gasanstalt und die notwendigen Rohrleitungen kam es am Samstag, dem 19. Dezember der Jahres 1857, zur Indienststellung der neuen Gasbeleuchtung. Am Samstagabend erstrahlten zum ersten Male 149 Gaslaternen, in denen 1.350 Flammen brannten, die ein deutlich helleres Licht in der Stadt verbreiteten.

Bekanntmachung in Kempten 19. Jhd, „die Gasbeleuchtung betreffend“.
Bekanntmachung „die Gasbeleuchtung betreffend“. © Quelle: Stadtarchiv

Nachdem Bürgermeister Arnold und der städtische Magistrat dieses Ereignis wenige Tage vorher in der Presse ankündigen ließ, konnte es nicht verwundern, dass daher die ganze Einwohnerschaft auf den Beinen war, um die neue Lichtfülle zu bestaunen. Kurz vor der offiziellen Eröffnung nahmen die geladenen Ehrengäste ein Festessen ein und versammelten sich danach im städtischen Rathaussaale. Dann unternahmen alle gemeinsam eine Promenade durch die beleuchteten Hauptstraßen der Stadt.

Früher leuchteten in Kempten Holzgaslaternen

An diesem Abend wurde sogar die Polizeistunde in den „öffentlichen Wirthschaftslocalitäten allgemein bis Morgens 2 Uhr verlängert“. Die Stadtbeleuchtung erfolgte seinerzeit in Kempten noch auf der Basis von Holzgas, das man aus Forchen- oder Föhrenholz erzeugte. Aus drei Ster oder einem Klafter Holz ließen sich ungefähr 340 Kubikmeter Gas gewinnen.

Eine Kommission, bestehend aus Fachleuten, Gaskunden und Mitgliedern des Stadtmagistrats überprüften zwei Monate nach Indienststellung die Leuchtkraft der Gaslichter. Dabei empfahl die Kommission, dass sich der Gaspreis an dem Helligkeitsmaß orientieren sollte, das zwischen einer bis 25 Talgkerzen lag und für 1.000 bayerische Kubikfuß, (das entspricht ca. 30 Kubikmeter) neun Gulden und zehn Kreuzer oder für einen Kubikmeter 52 Pfennige kosten dürfe. Riedinger war offensichtlich vom Potential seines neuen Energieträgers so überzeugt, dass er den Vorschlag der Expertenkommission sogar noch unterbot und den Gaspreis auf 36,8 Pfennige festlegte. Diesen Preis hielt er bis zum Jahre 1870. Die Gasfabrik erwies sich gleich im ersten Jahr des Bestehens als großer wirtschaftlicher Erfolg und konnte einen Überschuss von 10.975 Gulden erwirtschaften.

So war es für Riedinger leicht, drei Jahre nach Inbetriebnahme seine Gasfabrik in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Ab 1870, als die Gasproduktion auf Steinkohlebasis umgestellt wurde, reduzierte sich der Gaspreis auf 27 Pfennige und sank später auf 25,5 Pfennige pro Kubikmeter. Der Erfolg der neuen und hellen Straßenbeleuchtung zeigte sich darin, dass die Zahl der Laternen bis 1886 ständig stieg. Waren es 1857 noch 159 Lampen, stieg deren Zahl im Jahr 1871 auf 176 Leuchtkörper (mit 131.000 Brennstunden), auf 181 Laternen im Jahre 1875 (mit 285.076 Brennstunden), auf 200 Lampen im Jahre 1885 (mit 320.910 Brennstunden) und auf 202 Gasleuchten im Jahr 1886. Als die Gasfabrik im Jahre 1897 an die Stadt überging erhellten bereits 260 öffentliche Gaslichter mit weit über 617.000 Brennstunden die Stadt. Im Jahr 1910 erleuchteten 381 Gaslampen, die insgesamt 1.297.320 Stunden brannten, die Straßen und Plätze der Stadt.

Die Kosten dafür betrugen in diesem Jahr 29.189 Reichsmark einschließlich der notwendigen Reparaturaufwendungen. Das von der Gasfabrik gelieferte Gas war aber nicht nur für die öffentliche Straßenbeleuchtung wichtig. Es diente auch in Privathaushalten für Beleuchtungs-, Heiz- und Kochzwecke und spielte auch im gewerblichen Bereich für den Antrieb von Gasmotoren eine wachsende Rolle. Neben den neuen Gaslaternen gab es in der Stadt noch Petroleumlampen, deren Vorteil darin lag, dass sie keine eigene Infrastruktur benötigten, d.h. ohne eigene Versorgungsnetze auskamen. Im Jahre 1876 leuchteten 20 Petroleumlichter, die 1866 auf 45 Leuchtkörper stieg und im Jahr 1895 mit 108 Petroleumlampen den Höhepunkt erreichte. Mit Erweiterung der Gasbeleuchtung sank ihre Zahl dann aber ab 1905 auf 98 und im Jahre 1910 brannten nur noch 27 Leuchtkörper auf Petroleumbasis. Die Kosten der Petroleumbeleuchtung beliefen sich in diesem Jahr auf 1.415 Reichsmark. 

Beschwerden über Petroleumverschwendung 

Schon seinerzeit hatten Stadtobrigkeit und ein Teil der Bürgerschaft großes Interesse daran, sparsam mit dem Brennmaterial der Petroleumbeleuchtung umzugehen. So ist im Stadtarchiv ein Schreiben des Polizei-Commissärs vom 20. Januar 1907 aufbewahrt, in dem er sich bei der zuständigen „Laternenaufzünderin Hartmann“ über die Verschwendung des Petroleums mit folgender Begründung beschwert: Nach einem Bericht der Schutzmannschaft habe „gestern der mit dem Bedienen der Petroleumstrassen-Laternen beauftragte Mann“ schon am Nachmittag um vier Uhr, „also zu einer Zeit, wo es noch über eine Stunde Tag ist, mehrere Laternen aufgezündet und die Absicht ausgesprochen, damit fortzufahren“.

Damit hat er nicht nur das Petroleum unnötig verschwendet, sondern „das Publikum beschwert sich „mit Recht über solches Verfahren. Es hätte vollständig genügt, wenn er die Lampen um 16 Uhr 45 angezündet hätte, damit die Laternen bei Dunkelheit brennen“. „Dabei müssten von den Laternenanzündern aber die Laternen „so ausgiebig gefüllt werden, dass sie über 12 Uhr (24 Uhr) hinaus noch brennen“. Dieses Beschwerdeschreiben endet mit folgender Mahnung: „Wenn Sie (gemeint ist damit Frau Hartmann) sich um die Sache nicht selbst annehmen können oder wollen, dann wird eine andere Person hierfür gewonnen und aufgestellt werden“.

Lesen sie hier den dritten und letzten Teil.

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