Stadtjugendring hält Demokratie hoch

"Lasst uns mutig sein!"

+
Nach der Begrüßung von OB Thomas Kiechle (hinten Mitte) tauschte dieser den „Chefsessel“ mit SJR-Vorsitzendem Stefan Keppeler für die Dauer der SJR-Frühjahrsvollversammlung.

Passend zur Grundsatzrede des ersten Vorsitzenden des Stadtjugendrings (SJR), Stefan Keppeler, hielten die Mitglieder ihre Frühjahrsvollversammlung erstmals im großen Sitzungssaal des Kemptener Rathauses ab.

Die Demokratie war nämlich der zentrale Punkt in Keppelers Ausführungen zum Jahresthema „Mut“, das sich der SJR für 2017 und 2018 auf die Fahnen geschrieben hat.

"Mut" zum Erhalt von Demokratie

Mut müsse immer im Kontext gesehen und durch eine bewusste Entscheidung getragen werden, verwies er auf die ihm derzeit Angst machende Entwicklung weltweit, auf die es für ihn nur eine Antwort geben könne: „Wir müssen mutig sein, wir müssen für unsere Werte einstehen, wir müssen Haltung zeigen, wir müssen uns entscheiden.“ Er erinnerte daran, dass in Frankreich „nicht zum ersten Mal“ eine „stramme Rechtsnationale“ in der Stichwahl um die Präsidentschaft gestanden habe; dass Trumps Absichtserklärung „make America great again“ per se ja positiv gesehen werden könne, er die Wege des amerikanischen Präsidenten aber „nicht gut finden“ könne, diese vielmehr „nicht nur Angst erzeugen, sondern auch betroffen machen“. Selbst in Deutschland würden wieder nationale Töne skandiert, warnte er vor der Alternative für Deutschland – „welch perfider Titel für rechtsnationale Gesinnung“ – die Deutschland auf Kosten unserer europäischen Identität wieder nationalstaatlicher machen wolle. Zu seinem Bedauern könne die Liste noch „stundenlang“ fortgesetzt werden, nannte er weitere Schlagwörter wie Kim Jong Un in Nordkorea, den türkischen Staatschef Erdogan, rechtsnationale Entwicklungen in Ungarn, Tschechien, den Niederlanden, Reichsbürger, der nicht Mensch gemachte Klimawandel, Alternative Fakten, die „plötzlich salonfähig werden“, Sammelwahn in Big Data, Brexit, IS, Taliban und und und. Dabei sei auffällig, dass oftmals junge Menschen die Verlierer seien, beispielsweise beim „von den ‚Alten’“ gewählten Brexit; oder die junge Generation in Südeuropa, wo in manchen Ländern bis zu 40 Prozent keine Arbeit mehr fänden und auch „der Altersdurchschnitt der sogenannten ‚besorgten Bürger’“ an den *gida“ Demonstrationen gehöre zu einer Generation, die es eigentlich besser wissen müsste. Aber gerade sie „greifen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung an“.

Gerechtigkeit fühle sich allerdings auch in Deutschland „nicht mehr so gerecht an“, verwies Keppeler auf den tiefen Spalt zwischen „exorbitanten Managergehältern“ oder auch Konzernen, die keine Steuern zahlen, und den Nöten Alleinerziehender, Altersarmut, den „Hungerlöhnen“ im Niedriglohnbereich und unsicheren Arbeitsplätzen. Dieser Spalt fördere die populistischen Gruppen und schaffe erst die Möglichkeit ihre „Keile in unsere Gesellschaft zu treiben“ und die demokratische Gesellschaft zu spalten.

Er erinnerte an die SJR-Satzung, in der von der Bereitschaft die Rede sei, „alles zu tun, was dem Frieden und der Verständigung der Völker dient“, weshalb junge Menschen durch „fundierte Informationen und Wissensvermittlung“ auch dazu befähigt werden müssten. Ferner appellierte er an die „wichtige gesellschaftliche Verantwortung“ der Medien und bezeichnete Facebook und die sozialen Netze als „eine der wichtigsten Arenen im Kampf um politische Deutungshoheit“, in der „um Meinungen, Stimmungen, Fakten gerungen wird“ und um Wahrheit – „oder was fast zwei Milliarden Facebook-Nutzer dafür halten“.

Um 2017 Wahlen zu gewinnen, reiche es eben nicht mehr „an Ständen mit Gratis-Kugelschreibern und beim Besuch in der Fertigungshalle des größten Arbeitgebers im Wahlkreis“ zu überzeugen. Zugleich forderte Keppeler „die Rückkehr zur Sachpolitik und keine Parteipolitik“ und statt ständigen Diskreditierungen des politischen Gegners „einen wertschätzenden und respektvollen Umgang und Lösungen“.

Auch der SJR mit seinen Jugendverbänden müsse Stellung beziehen, was unter anderem im Bereich Prävention oder der jugendpolitischen Bildung geschehe. Parallel müsse aber auch in Schulen wieder der Diskurs geübt werden. Er rief dazu auf, „für unsere Werte und unsere freiheitliche Grundordnung“ zu kämpfen wofür man auch das „Bündnis Mensch sein“ auf den Weg gebracht habe. Und er warb für ein Europa „des gemeinschaftlichen Miteinanders“ statt eines nationalen Gegeneinanders. „Wir Demokraten sind deutlich mehr“, appellierte er friedlich und ohne Hass Haltung zu zeigen, „aber auch ohne Furcht der sachlichen Auseinandersetzung“, denn „wir brauchen keine Angst haben. Und wir haben keine Angst. Lasst uns mutig sein!“.

Im Vorstandsbericht blickten Franziska Limmer und Bernd Fischer auf ein „sehr arbeitsreiches, aber auch tolles Jahr“ zurück, „in dem wir unsere Ziele erreicht haben“, nachzulesen auf 59 bebilderten Seiten im frisch erschienenen Jahresbericht 2016 „report“.

Neues Mitglied

Einstimmig wurde die Aufnahme der Alewitischen Jugend im SJR-Kempten begrüßt. Der Verband ist bereits Vollmitglied im Deutschen- sowie Bayerischen Jugendring. Wie die Vertreter bei der Vorstellung des überparteilichen Vereins betonten, gehe es dabei nicht um Integration, da „praktisch alle Mitglieder hier geboren sind“, sondern man wolle „einfach dazu gehören“.

Neuwahlen

Mit jeweils voller Stimmzahl wurden wiedergewählt Stefan Keppeler (Gewerkschaftsjugend im DGB) als 1. Vorsitzender und Franziska Limmer (Bayerische Trachtenjugend im Bayerischen Trachtenverband) als seine Stellvertreterin. Ebenfalls voll bestätigt wurden als Beisitzer Tobias Schanzmann (Evangelische Jugend in Bayern), Bernd Fischer (Johanniter-Jugend), Manuel Mayr (Gewerkschaftsjugend im DGB) und Christina Saft (Evangelische Jugend in Bayern). Aus Zeitgründen ausgeschieden ist Sandra Fehr (Bayerisches Jugendrotkreuz), die (ebenfalls bei voller Zustimmung) durch Thomas Wilhelm (Sportjugend Kempten) ersetzt wurde. Bestätigt wurden auch Tanja Thalmeier und Eckhard Harscher als Rechnungsprüfer sowie die Einzelpersönlichkeiten Regina Liebhaber, Ludwig Frick und Hans Spitzer.

Um den Verbänden Gelegenheit zu geben, sich bekannter zu machen, sollen die Vollversammlungen künftig bei wechselnden Gastgebern stattfinden. Im Herbst wird der Gastgeber die DITIB Jugend in ihren Räumen sein.

Für November dieses Jahres ist eine bezuschusste Reise für interessierte Jugendgruppenleiter des SJR nach Israel geplant, bei der unter anderem ein gezielter Austausch mit Menschen vor Ort im Mittelpunkt steht.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Selfie Box: Bilder 100 bis 200 vom Wochenende
Selfie Box: Bilder 100 bis 200 vom Wochenende
Selfie Box: Bilder 200 bis 250 vom Wochenende
Selfie Box: Bilder 200 bis 250 vom Wochenende
Die Allgäuer Festwoche ist eröffnet
Die Allgäuer Festwoche ist eröffnet
Selfie Box: Die ersten 100 Bilder vom Wochenende 
Selfie Box: Die ersten 100 Bilder vom Wochenende 

Kommentare