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Stadtmarketing Kempten: lauter offene Fragen 

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Von: Helmut Hitscherich

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Seriös gekleidete Leute halten Fragezeichen
Was, wer, wie: lauter offene Fragen bezüglich eines Stadtmarketings in Kempten. (Symbolfoto) © Panthermedia Wavebreakmedia ltd

Wie soll ein Stadtmarketing in Kempten aussehen? Eine klare Antwort gibt es bislang nicht.

Bereits zum zweiten Mal hat sich der Haupt- und Finanzausschuss mit der Realisierung eines Stadtmarketings für Kempten befasst, nachdem in der Sitzung vom 14. November keine Einigung erzielt werden konnte. Am Montag lagen ein nachjustierter Beschlussvorschlag der Verwaltung sowie ein Antrag der Freien Wähler auf dem Tisch. Die Papiere unterschieden sich darin, dass die Stadt eine Koordinierungsstelle einrichten will. Die Freien Wähler fordern bis Ende 2023 die Gründung einer Stadtmarketinggesellschaft und wollen die Stelle eines Geschäftsführers ausschreiben. In der Debatte wurden die gleichen Argumente wie in der Sitzung vom 14. November vorgetragen.

Laut Joachim Saukel (FW) soll keine zusätzliche Stelle geschaffen werden. Es geht um die Einstellung eines Geschäftsführers, „der in den nächsten zwölf bis 13 Monaten die Marketinggesellschaft gründen und auf den Weg bringen soll.“ Für Oberbürgermeister Thomas Kiechle ist es wichtig, „in einen Prozess zu kommen, bei dem wir erfolgreich sind. Wir müssen schauen, dass wir die Institutionen und Menschen mitnehmen. Das erfordert einen langen Prozess. Es gibt viele Schnittstellen und offene Fragen, die wir heute nicht beantworten“. Prof. Dr. Robert Schmidt kann so einem weitreichenden Vorschlag, der „aus dem Ärmel geschüttelt wird“, nicht folgen. „Wir haben kein ganzheitliches Marketingkonzept, das muss zuerst entwickelt werden.“ Er fragte, ob eine Gesellschaft der richtige Weg sei.

Stadtmarketing in Kempten: „Wir müssen wissen wohin wir wollen“

„Wir brauchen eine Person, die das Konzept entwickelt. Ich wehre mich nur gegen einen Geschäftsführer, da wir nicht wissen was am Ende des Tages herauskommt.“ Laut Alexander Hold (FW) kann das eine Koordinierungsstelle beim Oberbürgermeister nicht leisten. „Ob die ein oder andere Rechtsform benötigt wird, hängt davon ab, ob man sich einig ist bei der Zusammenführung von Strukturen. Irgendjemand muss die Koordination übernehmen“, so Rechtsdirektor Wolfgang Klaus. Kathrin Schrader (SPD) bemängelte, dass keine Optionen aufgeführt wurden. „Wir müssen wissen wohin wir wollen. Jetzt eine GmbH zu gründen, ist mir zu schnell.“ Für Thomas Hartmann (Grüne) darf das Engagement der bisherigen Player nicht eingeengt werden. „Wenn wir gerade einen Eiertanz führen, dann sieht man, wie komplex das Thema ist. Ich glaube nicht, dass ein Geschäftsführer oder eine Stabsstelle das leisten kann. Die Koordinierung sollte durch den OB selbst erfolgen.

Das bisherige Personal muss in die neuen Strukturen eingebunden werden.“ Laut Josef Natterer-Babych (UB/ödp) gibt es drei unterschiedliche Themenfelder im Marketing. „Kultur braucht Vielfalt und Unterschiedlichkeit.“ Helmut Berchtold (CSU) war vom Antrag der Freien Wähler völlig überrascht. „Was da am Freitag kam (Anmerkung: gemeint ist der Antrag der Freien Wähler), hat mich umgeworfen. Wie soll das die Verwaltung machen? Ich habe mich fünf Jahre mit dem Thema beschäftigt. Wir diskutieren über Formulierungen. Es sind so viele Fragen offen. Ich beantrage, dass das verschoben wird. Die jetzige Lösung (Antrag der FW) haben wir vor zwei Jahren ausgeschlossen. Wir wollten Schritt für Schritt machen.“ Entgegen den Gepflogenheiten, den Tagungsordnungspunkt zu verschieben, wurde fleißig weiter debattiert.

Der OB wollte unbedingt einen gemeinsamen Beschluss. Berchtold hat aber seinen Antrag auch nicht zurückgezogen und am Ende dem Kompromiss zugestimmt. Nach einer mehrminütigen Unterbrechung legte die Verwaltung einen Kompromissvorschlag zur Abstimmung vor, dem die Mitglieder einstimmig beschlossen. Demnach soll die Verwaltung bis Ende 2023 klare inhaltliche und organisatorische Voraussetzungen für ein schlagkräftiges und ganzheitliches Stadtmarketing schaffen und eine entsprechende Stelle einrichten, die allerdings erst dann besetzt wird, wenn im Haupt- und Finanzausschuss Ergebnisse hinsichtlich Stadtmarketing vorgestellt wurden. Am Rande der Sitzung erklärten Stefanie Schmitt (Leiterin Kempten Tourismus) und Niklas Ringeisen (Geschäftstellenleitung City Management), dass sie nicht beteiligt wurden, sondern im Nachgang lediglich die Protokolle des Beirats Tourismus und Stadtmarketing erhalten haben. „Wir hätten erwartet, dass man sich mit uns an einen Tisch setzt und evtl. Probleme und Schnittstellen bespricht.“

Kommentar von Helmut Hitscherich

Der unbedarfte Zuhörer konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich nicht alle Mitglieder des HFA im Vorfeld intensiv mit dem Thema Stadtmarketing beschäftigt haben. Es gab zwar seit fünf Jahren hinreichend Sitzungen eines Beirates Tourismus und Stadtmarketing, in dem jede Fraktion vertreten war, allerdings wurden weder der Stadtrat noch sonstige Gremien über die Ergebnisse informiert. Daher brauchte man sich nicht wundern, dass inhaltlich zum Thema nicht debattiert wurde, sondern nur um Organisationsfragen wie Koordinator, Geschäftsführer, beim wem soll eine Stelle angesiedelt werden, soll eine Gesellschaft gegründet werden? Man hätte erwarten können, dass debattiert wird, was alles zum Stadtmarketing gehören soll. City- Management, Tourismus-Marketing, Eventmarketing (Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb), Standortmarketing (Stadtentwicklung, Standortvermarktung), Verwaltungsmarketing.

Soll auch Kultur dazugehören? Gehört in letzter Konsequenz auch das TiK dazu? Wer macht die Vorgaben für die Verwaltung zur Entwicklung eines schlagkräftigen und ganzheitlichen Stadtmarketings? Ist man sich im Klaren, dass dann Personen unter das Dach des Stadtmarketings gestellt werden, die bisher eigenverantwortlich gehandelt haben und damit ihre Sonderrolle verlieren? Anstatt das Thema zu vertagen, um allen Fraktionen einen Sachstandsbericht zu geben und nachzudenken, was man mit dem Stadtmarketing inhaltlich und organisatorisch erreichen will, hat man nun einen „schwammigen“ Beschluss gefasst, der vieles offen lässt. Trotz aller Bedenken, die vorgebracht wurden und mit dem jetzigen Beschluss nicht ausgeräumt worden sind, haben alle zugestimmt. Der Eindruck, dass es am Ende nur darum ging, einen einstimmigen Beschluss zu fassen, statt noch einmal alles zu durchdenken, ist nicht abwegig. Man mäkelt herum und stimmt am Ende zu. Wozu jetzt diese Eile? Es stellt sich auch die Frage wo innerhalb der Verwaltung die Kapazitäten und das Know How vorhanden ist, um den Auftrag zu bewältigen.

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