Kommt "alles auf einmal?"

Stadtpark, Bibliothek und Arkaden Thema bei Hauptversammlung der Stiftsstadtfreunde

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Kempten – Was denn dran sei, an dem Gerücht, dass „plötzlich doch alles auf einmal“ angepackt werden soll, bei den Planungen für den Stadtpark – und drum herum? Es war „der“ große Punkt auf der Jahreshauptversammlung der Stiftsstadtfreunde, zu dem die Vorsitzende Ilse Roßmanith-Mitterer von OB Thomas Kiechle Rede und Antwort einforderte.

Denn, erinnerte sie, noch bei der Bürgerversammlung am 9. November 2017 habe es geheißen, „wir müssen uns keine Sorgen machen“, es gehe erst einmal lediglich um den Realisierungsteil des Wettbewerbs (Stadtpark selbst) und nicht um den Ideenteil (Stadtparkumgriff, möglicher Bau einer Bibliothek, „Sparkassenquartier“ zwischen Promenade-/Horchler-/Königsstraße). 

Sie betonte einmal mehr, dass die Mehrheit der Mitglieder der Stiftsstadtfreunde gegen den Bau einer Stadtbibliothek auf der Zumsteinwiese sei und mahnte einen sorgsamen Umgang mit den historisch bedeutsamen Kleinoden dieses Gebietes an: mit den durch Blickachsen einander verbundenen Gebäuden Zumsteinhaus, Residenz und Basilika sowie das „Sparkassenquartier“ mit seinem inzwischen auch seitens der Denkmalbehörde registrierten „ältesten Siedlungsbereich der Stadt“ entlang der Promenadestraße.

Bevor der OB das Wort dazu ergriff, stellte Stiftsstadtfreund Dieter Schade, Baudirektor a.D., seine Überlegungen zur Diskussion. Ihm ging es dabei aber vor allem darum, eine erneute Prüfung verschiedener Standortoptionen für die Bibliothek anzuregen. Sein nicht ganz neuer Vorschlag: Die Bibliothek, in der bei den Nutzern laut Umfrage äußerst beliebten Orangerie zu belassen, das benachbarte Klecks-Gebäude abzureißen und durch einen Neubau für die Bibliothek zu ersetzen und mit dem Bestandsgebäude ober- oder unterirdisch zu verbinden.

„Man muss richtige Antworten finden auf das, was in zehn bis 15 Jahren sein wird“, versuchte der OB zu vermitteln, was ihn bei dem Thema bewegt: die Belebung der nördlichen Innenstadt. Denn im südlichen Teil gebe es unter anderem sehr starke Gastronomie, „wir werden vermutlich ein neues Hotel bekommen“ dort... – „es passiert also sehr viel im Süden der Stadt“. Deshalb müsse man froh sein, dass der Sparkassen-Neubau im Norden gekommen sei und auch das Kempten-Museum im Zumsteinhaus „wird ein Magnet werden“. Es sei somit klar gewesen, „dass man auch den Stadtpark nicht verlottern lassen kann“, bat er darum, „die Synergien zu sehen“.

Egal wie: Es ist immer falsch

Frustriert zeigte er sich darüber, dass, egal wie er das Thema angehe, es immer falsch sei. Werde die Bevölkerung von Anfang an einbezogen, gebe es Widerstand noch bevor irgendetwas überhaupt spruchreif sei, werde sie erst später einbezogen, ernte er Kritik weil alles im stillen Kämmerlein ausgehandelt werde. Stand der Dinge jedenfalls sei: „es gibt im Moment keinen politischen Beschluss“ und es könne deshalb genauso gut darauf hinaus laufen, „dass wir gar keine neue Bibliothek bauen“.

Ein Blick über den reinen Realisierungsteil hinaus sei aber dennoch nötig, da davon manche Planungen beeinflusst würden. So sei zum Beispiel inzwischen klar, dass die für die Verbindung der beiden Sparkassen-Tiefgaragen (Am Stadtpark und an der Königstraße) benötigte „Tasche“ viel zu teuer käme und man deshalb wieder über eine zwar ebenfalls recht teure, aber immer noch günstigere Sanierung der Tiefgarage im Bestand nachdenken müsse. 

Daraus ergebe sich wiederum „ein großer Vorteil“ für den Stadtpark wie auch Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann bestätigte. So seien zum Beispiel „die Wasserspiele anders planbar“ oder auch der Baumbestand, versprach dieser auf jeden Fall, „dass wir nicht weniger Grünfläche anbieten“ als vorher. Sicher wegfallen sollen die Parkplätze vor dem Finanzamt. Dagegen zu „noch keiner Conclusio“ sei man, so Kiechle, bezüglich der Verlegung der aktuellen Tiefgarageneinfahrt zugunsten einer gemeinsamen mit der der Finanzamt-Tiefgarage gekommen. Und noch ein Gedankenspiel fasste der OB in Worte: ohne Vergrößerung der Tiefgarage unter der Zumsteinwiese, könnte ein mögliches Bibliotheksgebäude „eine Etage tiefer rutschen“ und damit nach oben niedriger ausfallen.

Angesprochen wurden natürlich auch die Krähen, die man ja bekanntlich nicht antasten dürfe. Aber, versprach Kiechle, man werde dafür sorgen, dass sich die Population nicht weiter vermehre und „da gibt es gute Ansätze“.

Schützenhilfe erhielt das Stadtoberhaupt von Katinka Zimmer, Geschäftsführerin Citymanagement, die eindringlich warnte, dass eine Innenstadt heute „nicht mehr nur durch Einzelhandel belebt“ werden könne. „Wir reden von einem Strukturwandel, es wird ein Einzelhandels-Sterben geben.“ Umso wichtiger sei es, andere Belebungsfaktoren zu nutzen, wie eine Bibliothek.

Eine Stiftsstädterin mochte sich eher ein „geistiges Zentrum“ an der Stelle der jetzigen vhs vorstellen, deren marodes Gebäude laut OB auf jeden Fall abgerissen werden soll. Dieser aber schätzte die Verbindung von Klassenzimmer und Bibliothek in einem Doppelgebäude für beide als problematisch ein und fürchtete ein an Größe „heftiges Gebäude“. Roßmanith-Mitterer sah hier eher architektonisch attraktive Lösungsmöglichkeiten und verwies auf die mit rund 150 Schritten selbst getestete fußläufige Distanz zum Zumsteinhaus.

Schade bat „ganz ernsthaft“ darum, die Widerstände aus der Bevölkerung „ernst zu nehmen“ und betonte ausdrücklich, diese nicht erst nach der Entscheidung der Gremien einzubeziehen.

Was es in der Jahreshauptversammlung der Stiftsstadtfreunde sonst noch gab, lesen Sie in der kommenden Mittwochsausgabe desKreisboten.

Christine Tröger

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