Teure Kultur

"Eine ganz schwierige Situation"

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Schön, aber auch teuer: Der Kemptener Weihnachtsmarkt schließt Jahr für Jahr mit einem Minus ab. Einigen Stadträten gefällt das gar nicht.

Kempten – Der Eigenbetrieb Kempten Tourismus- und Veranstaltungsservice (KTV) wird das laufende Jahr voraussichtlich mit einem Minus von rund 2,6 Millionen Euro abschließen. Nichts desto trotz sprach Geschäftsführerin Martina Dufner-Wucher am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss von „sehr guten Belegungszahlen“ für die Kemptener Veranstaltungshäuser. Vor allem bei Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ödp) stieß Dufner-Wuchers Zahlenwerk aber auf Unverständnis. Schließlich sei vor Jahresfrist an gleicher Stelle beschlossen worden, das Defizit in den Griff zu bekommen.

Einnahmen in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro stehen heuer Ausgaben von rund 5,2 Millionen Euro gegenüber – macht erneut ein Minus von etwa 2,6 Millionen Euro. Und auch im kommenden Jahr rechnet Dufner-Wucher nur mit einem unwesentlich besseren Ergebnis, wie sie am Montagabend den Stadträten im Haupt- und Finanzausschuss erläuterte. Dabei zieht sich das Defizit wie ein roter Faden durch die gesamte Angebotspalette der KTV. Gleichwohl seien beispielsweise das Kornhaus oder das Stadttheater „eigentlich ausgebucht“, wie Dufner-Wucher betonte. Den steigenden Umsätzen stünden aber stetig steigende Ausgaben wie Personalkosten, Kosten für Handwerkerarbeiten oder Sicherheitsdienste (Festwoche) gegenüber, erklärte sie. Bei der Markthalle komme noch hinzu, dass sie im Winter wegen des Wochenmarkts nur schwer zu vermieten sei. „Eine ganz schwierige Situation“, so die Geschäftsführerin.

Hohe Personalkosten

Das Defizit beim Weihnachtsmarkt in Höhe von rund         40 000 Euro führte sie vor allem auf die hohen Kosten beim Auf- und Abbau zurück. In der ebenfalls defizitären Tourismussparte seien es die Personalkosten und Ausgaben für Werbung, die ein Großteil des Etats ausmachen würden.

Helmut Hitscherich wunderte sich über die Zahlen. Schließlich habe der Ausschuss vor Jahresfrist an selber Stelle entschieden, dass „etwas gegen das Minus getan wird.“ Auch Alexander Hold (FW) sprach sich dafür aus, dass zumindest bei der Festwoche am Ende „eine schwarze Null“ stehen müsse. „Ich bin absolut dafür, dass die Standgebühren so kalkuliert werden, dass wir nicht draufzahlen“, betonte er.

OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) verwies darauf, dass man hier über „eine Grundsatzfrage“ diskutiere. Zwar schränkte auch er ein, dass zumindest beim Weihnachtsmarkt das Defizit stark reduziert werden müsse. Andererseits seien der Markt, die Festwoche oder auch die Werbeausgaben im Bereich Tourismus gut für die ganze Stadt. „Hier geht es um Image und um Bindung“, betonte er. „Kultur kostet Geld.“ CSU-Stadtrat Harald Platz ergänzte: „Das muss uns die Werbung für unsere Stadt wert sein.“ Dufner-Wucher wies außerdem noch darauf hin, dass man beispielsweise mit den subventionierten Nachtbussen zur Festwochen „einen gewissen Service“ biete, der nicht selbstverständlich sei.

Keine Erweiterung

Eine wie von Stadtrat Hitscherich geforderten Vergrößerung des Weihnachtsmarktes bis auf den St.-Mangplatz stieß auf Ablehnung. Es sei so schon schwer genug, die 70 Stände mit qualitativ ansprechenden Ausstellern zu besetzen, gab Harald Platz zu bedenken. „20 Buden mehr hätten vom Angebot her nichts mehr mit einem Weihnachtsmarkt zu tun“, sagte er. Mieterhöhungen könnten dagegen den Händlern nicht zugemutet werden. „Es wird nach und nach gelingen, das Defizit zu verringern“, so Platz. Matthias Matz

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