Nachfolger von Netzer?

"Einen eigenständigen Weg finden"

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Thomas Kiechle (Mitte) bestand seinen ersten medialen Auftritt als gemeinsamer OB-Kandidat von CSU und FW in Kempten am Montagabend souverän.

Kempten – „Weißer Rauch steigt auf im schwarzen Lager“, witzelte Stadtrat Dieter Zacherle von den Freien Wählern (FW) kurz bevor sich die Tür öffnete, hinter der die CSU eben noch beraten hatte.

In einer abendlichen Pressekonferenz lüfteten beide Parteien vergangenen Montag das Geheimnis um ihren gemeinsamen OB-Kandidaten für Kempten bei der Wahl im Frühjahr 2014: Thomas Kiechle, Stadtrat für die CSU seit 2008 und Parteimitglied seit 2007, soll die Nachfolge von OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) antreten, der im kommenden Frühjahr nach 18 Jahren als Oberbürgermeister das Amt des Bayerischen Sparkassenpräsidenten übernehmen wird (der Kreisbote berichtete).

Staatsminister und Landtagsabgeordneter Thomas Kreuzer (CSU) zeigte sich überzeugt, „der Stadt Kempten einen hervorragend qualifizierten Kandidaten vorzuschlagen“, der alle Voraussetzungen erfülle und „auch die menschlichen Qualitäten für dieses Amt hat“. Kiechle kenne die Menschen und „auch die Herausforderungen, die auf ihn zukommen“.

FW-Fraktionsvorsitzender Herbert Karg begründete die Unterstützung des CSU-Mannes mit dem Wunsch der Freien Wähler, die langjährige, „sehr gute Zusammenarbeit“ mit Netzer nun mit dem kommunalpolitisch erfahrenen Kiechle fortsetzen zu wollen. Und was war ausschlaggebend für den Auserkorenen? „Ich bin hier in Kempten groß geworden“, hob er seine Verbundenheit mit der Stadt, in der seine Familie schon seit langer Zeit ansässig sei, hervor.

Bürger einbinden

Sein Wunsch sei, „die positive Arbeit, die in den letzten Jahren in der Stadt gemacht wurde“ fortführen zu können. Sein Beruf als Mittelschullehrer liefere ihm dafür „wichtige Dinge auch für ein politisches Amt“, wie Sachverhalte miteinander in Beziehung zu setzen, problemorientiert zu denken, Themen auch von außen sowie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und sie zudem vermitteln zu können und, nicht zuletzt, „soziale Kompetenz“. Ihm sei daran gelegen, Bürgerinnen und Bürger „möglichst früh in Entscheidungen einzubinden“ und ihnen das Gefühl zu geben, gehört zu werden.

„Offen, ehrlich, transparent, ohne einem Einzelinteresse hinterherzulaufen“, brachte er seinen Führungsstil auf den Punkt, „eine Kultur des Vertrauens“, in der Anliegen der Menschen ernst genommen und gehört werden. Das angestrebte Oberbürgermeisteramt warte mit einer „Fülle an Aufgaben“, nannte er unter anderem eine weiterhin stabile gute wirtschaftliche Situation der Stadt, Infrastrukturfragen oder auch die Kultur als „Salz in der Suppe“. Trotz vieler guter Ist-Zustände, wie der „vorbildliche Schulbereich“ oder „gut aufgestellten“ Finanzen gebe es natürlich auch „Schwachstellen“, wie das höchst ärgerliche große Loch“. Zwar ging Kreuzer davon aus, dass die Zukunft des „Lochs“ neben dem Forum Allgäu bis zur Wahl entschieden sein werde. Für Kiechle konnte eine gangbare Lösung nur heißen, „dass der Einzelhandel nicht gestört“ sondern geschützt werde.

"Herausforderung"

Offensichtlichen Respekt zeigte er angesichts der Verwaltung in Kempten als „Oberzentrum der Region“, in deren Organisation er „zweifellos eine Herausforderung“ und künftige „Schlüsselaufgabe“ sah, in die er sich zutraue „hineinzuwachsen“. Wichtig sei, so der 45-Jährige, gegenüber dem Kreis- boten, „einen eigenständigen Weg zu finden und zu gehen“.

Das laut Kreuzer „entscheidende Wort“ über die offizielle Nominierung Kiechles haben die CSU-Delegierten am 25. Juli – und „am Ende die Wähler“, fügte er an. Bei den FW wird in der Mitgliederversammlung am 15. Juli endgültig über die Nominierung Kiechles entschieden.

Christine Tröger

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