CSU-Kreisverband stimmt zu

Die StadtratskandidatInnen für die Kommunalwahl 2020 stehen – 30 Prozent sind Frauen

+
Markus Birnstiel (2.v.l.) beim Einsammeln der Stimmzettel von Roland Hübner (3. Ersatzkandidat) und der neuen Stadtratskandidatin Petra Vordermayer (3.v.l.)

Kempten – Zweieinhalb Stunden lang stimmten sich die Mitglieder im CSU-Kreisverband Kempten auf den bevorstehenden Kommunalwahlkampf ein.

Nach einem ausführlichen Rückblick auf die von OB Thomas Kiechle zusammen mit seiner Fraktion vollbrachten Leistungen in der zu Ende gehenden Legislaturperiode und einem Blick auf kommende Schwerpunkte, wurde die Liste mit 44 CSU-StadtratskandidatInnen plus drei Ersatzleuten für die Kommunalwahl 2020 vorgestellt – und unbeanstandet abgesegnet. Als in zwei Fällen erfolgreich hatte sich der Vorstoß der Gleichstellungsstelle zusammen mit allen Kemptener Stadträtinnen erwiesen. Wie berichtet, konnten an einer Kandidatur interessierte Frauen die Mandatsträgerinnen eine Zeit lang zu Sitzungen und anderen Terminen begleiten, mit dem Ziel, mehr Frauen für aktive Politik zu gewinnen. 

Gleich zu Beginn der Versammlung klärte MdL und Stadtrat Thomas Kreuzer darüber auf, dass die Junge Union mit einer eigenen Liste in die Wahl gehen wolle und deshalb hier nicht stimmberechtigt sei. Dennoch, so seine Überzeugung, sei die Kandidatenliste „ausgewogen“. Sie sei „natürlich nicht eine Abwägung früherer Verdienste“, sondern orientiere sich daran, wie sehr sich der Einzelne einbringen wolle. „Wir müssen auch jungen Männern und Frauen eine Chance geben, in den Stadtrat einzuziehen“ und die verschiedenen Branchen ausgewogen besetzen, meinte er. Wenngleich als Duracher selbst nicht stimmberechtigt hatte es sich Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller nicht nehmen lassen, seine Parteikollegen verbal zu unterstützen. Schließlich sei Kommunalpolitik die Basis, die Stadträte und der Oberbürgermeister „die Säulen der Demokratie“. 

Leider sei es nicht mehr so, „dass die Leute anstehen, um ein politisches Mandat zu übernehmen“. Den Ball „Oberbürgermeister“ spielte Erwin Hagenmaier, Vorsitzender der Stadtrats-Fraktion, gerne weiter. Überzeugt davon, dass Thomas Kiechle „das Rennen machen wird“, fügte er hinzu, „wir brauchen keinen neuen Bürgermeister“, was er zu unterstreichen wusste. Mit Unterstützung seiner Fraktion habe Kiechle in dieser Legislaturperiode einiges vorzuweisen, listete er unter anderem in 2014 die Grundsteinlegung Illerkraftwerk, einen neuen Rekord an der Hochschule mit über 5000 Studierenden, Haushaltskonsolidierung „mit großem Erfolg“ oder diverse Einweihungen am Klinikum auf; 2015 dann Beginn der Umgestaltung Stadtpark – „das wird eine richtige Blütenpracht“ –, Baugebiet Halde Nord – da plane man diesmal zwar etwas länger, hoffe aber es dann umso schneller umsetzen zu können; 2016 Einweihung des Altstadtpark oder auch des Digitalen Gründerzentrums; 2017 Alpinzentrum, die neue Hauptstelle der Sparkasse Allgäu sowie die Grundsteinlegung für den Hospiz-Neubau. Darüber hinaus die Sanierung der König-Ludwig-Brücke, wofür Kempten eigentlich „die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands“ sein müsse, denn „niemand hat eine Fahrradbrücke für sieben Millionen Euro“, sagte er. 

Im Dezember werde nun auch das Zumsteinhaus eingeweiht und zuversichtlich zeigte er sich, dass das „Große Loch“ bald bebaut wird. Anzupacken gebe es dennoch weiterhin eine Menge, nannte Hagenmaier beispielsweise diverse Schulsanierungen, einen Anbau am Theater und natürlich die Seilbahn, von deren Förderfähigkeit er überzeugt sei. „Ich freue mich schon jetzt auf die Diskussionen mit den neu gewählten Stadtratsmitgliedern“, frohlockte er. All das „bedarf politischer Führung“ und deshalb sei es „wichtig, dass wir stark vertreten sind“, warb Kreuzer. Dann schritt der OB zum Rednerpult, um zu sagen, dass er all das „auch die nächsten Jahre leisten möchte“. Er bezeichnete die Kommunalpolitik als „Königsdisziplin der Politik“, da man direkten Kontakt zum Bürger habe und sie von „viel Leidenschaft“ getragen sei. Als Basis für die kommenden Herausforderungen steht für Kiechle die Stärkung der Finanzkraft an vorderste Stelle. Einwohner-Wachstum, Zahl der Arbeitsplätze auf Rekordniveau, steigende Geburten, boomender Wohnungsbau und expandierende Unternehmen brächten weiteren Bedarf an Infrastruktur mit sich, sei es im Verkehr, in Sport, Kultur oder Bildung. 

„Es ist wichtig, dass wir die richtigen Prioritäten setzen.“ 80 Millionen Euro wolle die Stadt 2020 deshalb in die Kinderbetreuung und Schulbildung investieren, so Kiechle weiter, „57 Millionen in Schulen, 23 Millionen in Kitas“. Unter anderem sei der Bau einer zehnten Grundschule nötig. Neben Aufgaben wie Wohnungsbau, der Digitalisierung auch an Schulen oder dem Ausbau der Ganztagsbetreuung, sei Kempten im Alter ein weiteres Thema. Wichtig sei ihm auch, „Orte der Begegnung zu entwickeln“, an denen man miteinander ins Gespräch komme. Dafür seien Stadtmuseum, Stadtpark und Stadtbibliothek richtig, „auch wenn es nicht immer umzusetzen ist“, deutete er Verzögerungen bei der Stadtbibliothek an, „ich werde daran festhalten“. Eine weitere Herausforderung: Ein neuer Flächennutzungsplan, denn „die Stadt stößt jetzt an ihre Grenzen“, meinte Kiechle u.a. mit Blick auf die ehemalige Ari-Kaserne. 

Als Aufgaben für die nächsten 20 Jahre sah er die Themen Klimaschutz und Umwelt. Mit dem neuen Logo „CamboNatura“ solle der Klimaschutz in der Stadt auch sichtbar gemacht werden, verteidigte er das im Stadtgremium kritisierte Konterfei. Und bei der Seilbahn, da sollte man nach Erachten des OB „den Mut haben, es auszudiskutieren“, statt den Sofort-Verweigerern hinterherzurennen. „Was dabei herauskommt, ist offen.“ Das Mobilitätskonzept müsse „verträglich und in gesellschaftlichem Konsens erfolgen“, denn nur so sei es auch umsetzbar, zeigte er sich überzeugt. „Wissen und Gewissen“ plus Mut „machen einen guten Stadtrat aus“, adressierte er an die Kandidaten, „wir dürfen die Sorgen und Nöte der Menschen nicht wegwischen, sondern müssen sie ernst nehmen“. Etwas skurril war die Wortmeldung von Georg Hieble, der sich um das Image des OB sorgte. Immer wieder höre er, „der ist zu lasch“ und dass „in Kempten kein Zug“ sei. „Der Thomas ist ein ruhiger Mensch“, regte Hieble an, doch mal aufzuschreiben, was er „in den sechs Jahren alles geleistet hat“, um es den Menschen zu zeigen.

Die Nominierung der CSU-StadtratskandidatInnen

„Es gibt keine schwache Nummer auf der Liste“ verkündete Erwin Hagenmaier. Alle 16 amtierenden CSU-Stadträte stünden zur Wiederwahl, leider seien derzeit nur zwei davon Frauen – „zu wenig“, befand er. Deshalb habe man den ersten Listenblock in einer Art „Reißverschlussverfahren“ erstellt und komme nun auf immerhin 30 Prozent Frauenanteil. Trotz einer eigenen Liste der Jungen Union zeigten sich er und Thomas Kreuzer davon überzeugt, eine gute Durchmischung mit auch jungen KandidatInnen präsentieren zu können. 

Das „geht halt manchmal zu Lasten alter Stadträte“, räumte Hagenmaier ein, sich dafür auch schon mehrfach bei den Betroffenen entschuldigt zu haben. Auf Platz 5 ist beispielsweise der 30-jährige Umweltingenieur Tobias Hiepp als Neuzugang, während sein Vater und langjähriger Stadtrat Richard Hiepp auf Platz 28 gerutscht ist. Ein bekanntes Gesicht dürfte vielen auch das von Marcel Altstetter vom Kässpatzenstand auf dem Wochenmarkt sein. Der 44-Jährige kandidiert auf Platz 32. Zurück ins Gremium will die 45-jährige Polizistin und ehemalige Stadträtin (krankheitsbedingt ausgeschieden) Andrea Hillgärtner. 

Dazu finden sich einige stadtprominente Namen auf der Liste, darunter der ehemalige Hochschuldekan Prof. Dr. Robert F. Schmidt (66) oder die pensionierte Finanzbeamtin Hildegard John (64), die sich u.a. als Präsidentin des Stadtverbands der Sportvereine und in der Jordan-Stiftung engagiert. Jüngster Kandidat ist der 21-jährige Alexander Dobrawa, der in der Sportbranche tätig ist. „Exorbitant gut besetzt“ sieht Hagenmaier z.B. das Thema „Innere Sicherheit“ mit Polizisten, Soldaten und Juristen, aber auch den Sport. Im nächsten Schritt sollen die Themen festgelegt und mit den Kandidaten besprochen werden.

Christine Tröger

Stadtratsliste der CSU zur Kommunalwahl 2020 (bereits im Stadtrat)

1 Thomas Kreuzer, Abgeordneter
2 Silvia Schäfer (vormals Rupp)
3 Josef Mayr, 3. Bürgermeister
4 Birgit Geppert, Kürschnermeisterin

5 Tobias Hiepp, Umweltingenieur
6 Hildegard John, Finanzbeamtin a.D.
7 Erwin Hagenmaier, Bauingenieur
8 Dr. Viola Keck, Oberärztin
9 Peter Wagenbrenner, Verw.-Angest.
10 Matthias Fiedler, Bau-Unternehmer
11 Andreas Kibler, Unternehmer
12 Petra Vordermayer, Betreiberin Fitness-Studio
13 Prof. Dr. Robert Schmidt, ehem. Hochschul-Präsident
14 Helmut Berchtold, Busunternehmer
15 Ramona Swoboda, Personaldisponentin
16 Alexander Buck, Unternehmer
17 Florian Fischer, Produktmanager
18 Stephan Prause, Betriebswirt (FH)
19 Cornelia Rohloff, Buchhalterin
20 Andreas Schramm, Kfm. Angestellter
21 Johann Lederle, Rechtsanwalt
22 Nuriye Cirak, selbst. Friseurmeisterin
23 Alexander Dobrawa, Kfm. Angestellter

24 Josef-Leonhard Schmid, Rechtsanwalt
25 Harald Platz, GF Allgäuer Brauhaus i.R.
26 Karl Sperl, Dipl. Malermeister
27 Franz Mayr, Mesner
28 Richard Hiepp, Landwirt
29 Manja Schmetterer, Soldatin
30 Werner Wittmann, Consultant
31 Stephan Kraus, Selbst. Kaufmann
32 Marcel Altstetter, Gastronom
33 Nicole Sattler, Immobilienverwaltung
34 Wolf-Christian Vetter, Soldat
35 Stefan Schaber, Kfm. Angestellter
36 Annabell Mader, Arzthelferin
37 Joachim Ebner, Polizeikommissar
38 Andrea Hillgärtner, Polizeibeamtin
39 Stefanie Breuer, Mitarbeiterin Büro Kreuzer
40 Bendikt Karl, Gymnasiallehrer
41 Thomas Reisacher, Zimmerermeister
42 Philip Steinberger, Industriemeister
43 Christian Weiss, Luftfahrtingenieur
44 Daniel Abt, Rennfahrer 

Ersatzkandidaten sind: Eva Wienke, Ben Busse, Roland Hübner

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Verkehrsminister Reichhart will das Allgäu bei der Vernetzung der Verkehrsverbünde unterstützen
Verkehrsminister Reichhart will das Allgäu bei der Vernetzung der Verkehrsverbünde unterstützen
Gewinnen Sie einen Erlebnisaufenthalt im Europa-Park für die ganze Familie
Gewinnen Sie einen Erlebnisaufenthalt im Europa-Park für die ganze Familie
Wie reagiert der Mammutbaum auf das veränderte Klima?
Wie reagiert der Mammutbaum auf das veränderte Klima?

Kommentare