Die Stärken des Westallgäus

Ohne Zweifel hat das Westallgäu gewisse Vorzüge gegenüber anderen Regionen. Da wäre die herrliche Landschaft zu nennen, die hohe Lebensqualität in der Region und auch die mittelständisch geprägte Wirtschaft, die sich gerade in diesen Krisenzeiten als Hort der Stabilität erweist. Dr. Gerald Mathis kommt ins Schwärmen, wenn er von den Vorzügen des Westallgäus spricht. „Die Mentalität der Menschen, das hohe Maß an Sozial- und Humankapital, das hier vorhanden ist, die wirtschaftsfreundliche Haltung auf breiter Ebene, das alles sind Vorzüge, die das Westallgäu einzigartig machen“, so der Experte für Wirtschaftsförderung.

Mathis ist Inhaber des Instituts für Standort-, Regional- und Kommunalentwicklung (ISK) in Dornbirn. Seit Juni zeichnet er für die Geschäftsführung der Wirtschafts- und Entwicklungsleitstelle Westallgäu (WEST) verantwortlich. Zwölf Westallgäuer Gemeinden und der Markt Oberstaufen haben die Organisation zum Zweck einer strukturierten Wirtschaftsförderung gemeinsam gegründet. Rund eineinhalb Jahre dauerte der Vorbereitungsprozess, in den Landkreis, Gemeinden, Wirtschaft, IHK, Banken und zahlreiche weitere Akteure eingebunden waren. Die Arbeit der WEST lässt sich schlaglichtartig auf die drei Kernthemen Gründungsberatung, Ansiedlung von neuen Unternehmen und Bestandspflege der Wirtschaftsbetriebe vor Ort zusammenfassen. Grundlage der Arbeit bildet ein Wirtschaftsentwicklungskonzept, das, wie Mathis betont, richtungsweisend ist und den neuesten Standards entspricht. Die West will beim Thema Regionalentwicklung weg vom Kirchturmdenken, hin zu einer engen Kooperation zwischen den Kommunen, zu abgestimmten und gemeinsam getragenen Maßnahmen, das ist das erklärte Ziel. Dieser integrative Prozess wird von der Politik in einer Steuerungsgruppe aktiv begleitet. Die WEST versteht sich dabei nach eigener Aussage als Impulsgeber und operativer Umsetzer. Den Wandel begleiten Der Strukturwandel von der Produktions- zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft ist in vollem Gange. „Wandel an sich ist nichts Schlechtes, man muss ihn nur strukturiert begeleiten“, stellt Mathis fest. Aber die Gedanken und Einstellungen spielen dabei für ihn eine zentrale Rolle. „Wir müssen uns des Wertes der Region bewusst werden“, lautet seine nächste Aussage. „Die Hilfe wird nicht von oben kommen, wir müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen“, fährt er fort. „Ich verstehe diese Aussage nicht nur operativ, vielmehr geht es mir dabei um die mentale Haltung.“ Das soll heißen, die Verantwortung für die Entwicklung liegt in der Region selbst. Und dazu gilt es ein entsprechendes Selbstbewusstsein zu entwickeln, aus dem die Stärke des Handelns erwächst. Mathis verweist auf die eingangs schon beschriebenen Stärken des Westallgäus und stellt fest: „Wir haben unsere Vorzüge, wir können in Augenhöhe mit den urbanen Zentren kommunizieren.“ Eine weitere Stärke der Region: Die Flächen, so Mathis, seien hier noch erschwinglich und sie würden geordnet und koordiniert bereitgestellt. Unternehmen befragt Um das gewährleisten zu können, hat die WEST im Herbst 3175 Westallgäuer Unternehmen befragt. Federführend für diese Erhebung war Andrea Schneider. Die Betriebswirtin leitet die Lindenberger Geschäftsstelle und ist die verantwortliche Ansprechpartnerin vor Ort. Der Breitbandbedarf der Unternehmen, das Thema Mitarbeiterentwicklung und der Flächenbedarf waren die drei Schwerpunkte dieser Umfrage. Die Unternehmerbefragung hatte eine Rücklaufquote von 20 Prozent. In den nächsten Monaten sollen die Ergebnisse der Studie einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Flächenbilanz mit Kartierung der Wohnbau-, Gewerbe- und Brachflächen bildet, als zentraler Datenpool, die Grundlage für ein gezieltes Vorgehen bei Neuansiedlungs- oder Umsiedlungswünschen. Im Januar wurde der erste runde Tisch veranstaltet. Robert Fischer, Abteilungsleiter Bauen, Umwelt und Wasser beim Landratsamt Lindau, und die Bauamtsleiter der WEST-Mitgliedsgemeinden haben sich dabei mit baurechtlichen Fragen beschäftigt. Neben dem allgemeinen Informationsaustausch stand das koordinierte, unbürokratische und schnelle Vorgehen bei der Bearbeitung von Anträgen und Genehmigungsverfahren auf der Tagesordnung. Beratung und Hilfe Aktuell arbeiten Schneider und Mathis daran, ein Budget für die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zusammenzustellen. Die Sparkassen haben sie bereits als Sponsoren gewonnen. Mit einer Marketingoffensive soll das Leistungsspektrum der WEST bekannt gemacht werden. Die WEST ist Ansprechpartner für Unternehmensgründer, sie bietet Beratung und Hilfestellung bei der Standortsuche, sie ist Schnittstelle zu Behörden und Banken, nennt Ansprechpartner und vermittelt Behördentermine. „Wir unterstützen auch bei der Erstellung des Businessplans und wir können bei Bankgesprächen helfen“, erklärt die Geschäftsstellenleiterin. Immerhin ist die Arbeit der WEST so erfolgreich, dass der Österreichische Gemeindebund sie vor kurzem in einer Veröffentlichung als zukunftsorientiertes Modellprojekt vorgestellt hat.

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