Starkes, selbstbestimmtes Leben

„Capoeira“ – ab sofort wissen 45 junge Kemptener und Oberallgäuer mit diesem Fremdwort etwas anzufangen. Im Rahmen der Aktionswoche „Leben statt schweben“ haben sie in einem Workshop geprobt, was es mit brasilianischer Tanzkampfkunst auf sich hat. Andere Teenys übten sich in Hip-Hop, Jonglieren und Kochen oder begaben sich auf einen „AIDS-Parcours“. Mit rund 60 Angeboten gab es eine breite Themenpalette für die zahlreichen jugendlichen Teilnehmer.

„Tipps, Tricks und Anregungen geben für ein starkes selbstbestimmtes Leben ohne Sucht und Abhängigkeit“ – dieses Ziel stand hinter der Aktion von Stadtjugendamt, Stadtjugendring und dem Oberallgäuer Fachdienst für Prävention und Suchtfragen. Kernthemen waren Bewegung, Ernährung, Sexualität, Medienkonsum und Sucht. „Wer stark ist, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen, ist auch stark genug, den Risiken des Lebens selbstbewusst entgegenzutreten“, betonte Schirmherrin und Jugendbeauftragte Regina Liebhaber bei der Eröffnungsveranstaltung in der bigBOX. „Das Thema Alkohol, sicheres Chatten im Internet, Ernährung ohne überzogenes Schlankheitsideal, erste Liebe ohne Angst – all das ist für junge Menschen nicht leicht“, betonte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Es gelte, im Spannungsfeld zwischen Risiken und Eigenverantwortung ein Leben in Balance zu finden. Insbesondere die Eltern hätten dabei eine bedeutende Vorbildfunktion. Die Kampagne „Leben statt schweben“ habe in vier Jahren Beachtliches erreicht und könne sich einer starken Partnerschaft mit der Stadt Kempten sicher sein. Unter dem Motto „Mediaholic – wie stark betroffen sind unsere Kinder und Jugendlichen?“ diskutierten Fachleute über die Gefahren des Medienkonsums. „Computerspiele sind darauf angelegt, süchtig zu machen“, erläuterte Peter Ziegler, Leiter der psychosozialen Beratungsstelle Kempten. Das Risiko sei, dass „jemand nur noch in seiner virtuellen Welt lebt und nicht in die Realität zurückkehrt.“ Verbote brächten jedoch nichts, es gelte vielmehr, einen verantwortungsvollen Umgang anzustreben. Leider sei die Mediensucht noch nicht in die internationale Klassifikation der Krankheiten aufgenommen. „Wir können deshalb auch keine Therapie anbieten“, bedauerte Ziegler. Die moderne Zeit sei ärmer an realen Abenteuern, deshalb suchten die Jugendlichen den Nervenkitzel in Computerspielen, meinte Alexander Haag, Geschäftsführer des Stadtjugendrings. Die Kontrolle über den Internetkonsum ihrer Kinder sei für Eltern sehr schwierig. „Jugendliche verbringen wahnsinnig viel Zeit mit den neuen Medien“, beklagte auch Michaela Baumüller, Lehrerin an der Kemptener Robert-Schuman-Schule. Schüler kämen teilweise übermüdet in die Schule, weil sie sich die Nächte mit Handy oder Computer um die Ohren geschlagen hätten, beklagte Nicole Gehring, Lehrerin an der Volksschule bei der Hofmühle. Problematisch sei in diesem Zusammenhang, wenn Fernseher und Computer im Jugendzimmer stationiert seien. „Kinder brauchen und wollen Grenzen“, so Gehring. Im Umgang mit dem PC müssten Erziehungsberechtigte klare Regeln festlegen. Schwierig werde dies allerdings, so Lehrerin Baumiller, wenn Eltern selbst mediensüchtig seien. Gehring setzt auf Gespräche mit den Eltern. Sie muss dabei jedoch auch feststellen, dass zu Hause mitunter schwierige Situationen herrschen, wenn etwa beide Eltern berufstätig sind. In der Schule wirkt die Pädagogin der Computersucht mit Spielestunden entgegen. „Ich habe festgestellt, dass manche Kinder nicht mehr Mensch-ärgere-dich-nicht kennen.“

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